Neoadjuvante Therapie – Definition & Anwendung
Die neoadjuvante Therapie ist eine Behandlung, die vor dem Haupteingriff – meist einer Operation – durchgeführt wird, um den Tumor zu verkleinern und die Heilungschancen zu verbessern.
Wissenswertes über "Neoadjuvante Therapie"
Die neoadjuvante Therapie ist eine Behandlung, die vor dem Haupteingriff – meist einer Operation – durchgeführt wird, um den Tumor zu verkleinern und die Heilungschancen zu verbessern.
Was ist die neoadjuvante Therapie?
Die neoadjuvante Therapie bezeichnet eine medizinische Behandlung, die vor dem eigentlichen Haupteingriff – in der Regel vor einer Operation – durchgeführt wird. Das Ziel ist es, einen Tumor vor der chirurgischen Entfernung zu verkleinern, Metastasen zu reduzieren und die Operierbarkeit zu verbessern. Der Begriff setzt sich aus dem lateinischen Präfix „neo“ (neu, vorher) und „adjuvant“ (unterstützend) zusammen. Im Gegensatz dazu wird eine Therapie, die nach der Operation verabreicht wird, als adjuvante Therapie bezeichnet.
Anwendungsgebiete
Die neoadjuvante Therapie kommt bei verschiedenen Krebserkrankungen zum Einsatz, bei denen eine direkte Operation zunächst nicht möglich oder nicht optimal wäre. Typische Anwendungsgebiete sind:
- Brustkrebs (Mammakarzinom): Häufig eingesetzt, um den Tumor vor der Operation zu verkleinern und brusterhaltende Eingriffe zu ermöglichen.
- Rektumkarzinom (Enddarmkrebs): Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors vor der Darmoperation.
- Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom): Verbesserung der Resektabilität durch vorherige Chemotherapie oder Radiochemotherapie.
- Magenkrebs: Perioperative Chemotherapie als Teil des Behandlungskonzepts.
- Lungenkrebs: Bei bestimmten Stadien des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC).
- Blasenkrebs, Gebärmutterhalskrebs und weitere Tumorentitäten: Je nach Stadium und Ausdehnung des Tumors.
Behandlungsformen
Die neoadjuvante Therapie kann verschiedene Behandlungsmodalitäten umfassen:
Neoadjuvante Chemotherapie
Bei der neoadjuvanten Chemotherapie werden zytotoxische Medikamente (Zytostatika) eingesetzt, die Krebszellen abtöten oder ihr Wachstum hemmen. Die Chemotherapie wird über mehrere Zyklen verabreicht, bevor der operative Eingriff stattfindet.
Neoadjuvante Strahlentherapie
Die neoadjuvante Strahlentherapie nutzt ionisierende Strahlung, um den Tumor lokal zu bekämpfen und zu verkleinern. Sie wird häufig mit einer Chemotherapie kombiniert (Radiochemotherapie), um einen synergetischen Effekt zu erzielen.
Neoadjuvante Immuntherapie und zielgerichtete Therapie
Moderne Ansätze umfassen auch den Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren (Immuntherapie) sowie zielgerichteten Medikamenten (z. B. Tyrosinkinase-Inhibitoren oder Antikörper), die auf spezifische Eigenschaften der Tumorzellen abzielen.
Ziele der neoadjuvanten Therapie
Die neoadjuvante Therapie verfolgt mehrere medizinische Ziele:
- Tumorverkleinerung (Downstaging): Der Tumor soll in seiner Größe und seinem Stadium reduziert werden, um die Operation zu erleichtern oder erst möglich zu machen.
- Verbesserung der Resektabilität: Tumoren, die zunächst nicht vollständig operabel sind, können durch die vorherige Therapie operierbar werden.
- Organerhalt: Zum Beispiel beim Brustkrebs kann durch Tumorverkleinerung ein brusterhaltendes Vorgehen statt einer Mastektomie ermöglicht werden.
- Elimination von Mikrometastasen: Bereits vorhandene, noch nicht sichtbare Tochtergeschwulste (Mikrometastasen) können frühzeitig behandelt werden.
- Therapieansprechen beurteilen: Das Ansprechen des Tumors auf die Therapie gibt wichtige Hinweise auf die Wirksamkeit und hilft bei der weiteren Behandlungsplanung.
Pathologisches Ansprechen
Nach der Operation wird das entfernte Tumorgewebe feingeweblich (histopathologisch) untersucht. Hierbei wird beurteilt, wie stark der Tumor auf die neoadjuvante Therapie reagiert hat. Ein pathologisches Komplett-Ansprechen (pCR) – also kein mehr nachweisbares Tumorgewebe im Operationspräparat – gilt bei vielen Tumorarten als positiver Prognosefaktor und ist mit einer verbesserten Überlebensrate assoziiert.
Nebenwirkungen
Wie jede Krebstherapie kann auch die neoadjuvante Behandlung Nebenwirkungen hervorrufen. Diese hängen von der eingesetzten Therapieform ab und können unter anderem umfassen:
- Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
- Veränderungen des Blutbilds (z. B. Anämie, erhöhte Infektanfälligkeit)
- Häutreaktionen bei Strahlentherapie
- Nervenschmerzen (Neuropathie) bei bestimmten Chemotherapeutika
- Herzprobleme bei bestimmten zielgerichteten Therapien
Die Nebenwirkungen werden medizinisch engmaschig überwacht und bei Bedarf behandelt.
Vorteile und Grenzen
Die neoadjuvante Therapie bietet gegenüber einer sofortigen Operation in geeigneten Fällen klare Vorteile: bessere Operierbarkeit, Organerhalt und frühzeitige Behandlung von Mikrometastasen. Allerdings ist sie nicht für alle Patienten und alle Tumorarten geeignet. Bei Tumoren, die gut operabel sind oder schnell wachsen, kann eine direkte Operation vorteilhafter sein. Die Entscheidung wird individuell im Rahmen einer interdisziplinären Tumorkonferenz getroffen.
Quellen
- Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, Deutsche Krebsgesellschaft & Deutsche Krebshilfe: S3-Leitlinien zu Mammakarzinom, Rektumkarzinom und weiteren Tumorentitäten (aktuelle Fassungen). Verfügbar unter: www.leitlinienprogramm-onkologie.de
- Lordick F. et al.: Neoadjuvante und perioperative Therapiekonzepte beim Magenkarzinom. Der Onkologe, Springer Medizin (2021).
- World Health Organization (WHO): Cancer – Diagnosis and Treatment Overview. Verfügbar unter: www.who.int/health-topics/cancer
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