Neoantigen – Definition, Entstehung & Therapie
Neoantigene sind körperfremde Eiweißstrukturen, die durch Mutationen in Krebszellen entstehen und vom Immunsystem erkannt werden können.
Wissenswertes über "Neoantigen"
Neoantigene sind körperfremde Eiweißstrukturen, die durch Mutationen in Krebszellen entstehen und vom Immunsystem erkannt werden können.
Was ist ein Neoantigen?
Ein Neoantigen ist ein neuartiges Antigen – also eine Eiweißstruktur –, das auf der Oberfläche von Tumorzellen vorkommt und durch somatische Mutationen im Erbgut von Krebszellen entsteht. Anders als normale körpereigene Proteine werden Neoantigene vom Immunsystem als fremd erkannt, da sie in gesunden Körperzellen nicht vorkommen. Sie spielen eine zentrale Rolle in der modernen Krebsimmuntherapie.
Entstehung von Neoantigenen
Neoantigene entstehen, wenn sich das Erbgut (die DNA) einer Zelle durch Mutationen verändert. Diese Mutationen können verschiedene Ursachen haben:
- Punktmutationen: Veränderung einzelner Basenpaare in der DNA
- Insertionen oder Deletionen: Einfügen oder Entfernen von DNA-Abschnitten, die zu veränderten Proteinen führen
- Chromosomale Umlagerungen: Umstrukturierungen größerer DNA-Abschnitte
- Virale Integrationen: Einbau viraler Gene in das Zellgenom, wie bei bestimmten Krebsarten
Durch diese Mutationen werden veränderte Eiweiße (Proteine) produziert, die vom Immunsystem als nicht-selbst eingestuft werden können.
Bedeutung für das Immunsystem
Das Immunsystem besitzt spezialisierte Abwehrzellen, die sogenannten T-Zellen (zytotoxische T-Lymphozyten). Diese können Neoantigene auf der Zelloberfläche von Tumorzellen erkennen, wenn diese durch den MHC-Komplex (Haupthistokompatibilitätskomplex) präsentiert werden. Erkennt eine T-Zelle ein Neoantigen, kann sie die entsprechende Krebszelle gezielt abtöten. Je mehr Neoantigene eine Tumorzelle aufweist, desto stärker ist in der Regel die Immunreaktion gegen den Tumor.
Klinische Relevanz und Anwendung in der Krebstherapie
Neoantigene haben in den letzten Jahren enormes Interesse in der Onkologie geweckt, da sie die Grundlage für hochspezifische, personalisierte Krebstherapien bilden:
Personalisierte Krebsimpfstoffe
Neoantigen-basierte Krebsimpfstoffe werden individuell für jeden Patienten hergestellt. Dabei wird das Tumorgewebe genetisch analysiert, um spezifische Mutationen und die daraus resultierenden Neoantigene zu identifizieren. Anschließend wird ein maßgeschneiderter Impfstoff entwickelt, der das Immunsystem darauf trainiert, diese tumorspezifischen Antigene zu erkennen und anzugreifen.
Checkpoint-Inhibitoren
Tumore mit einer hohen Anzahl von Mutationen – einer sogenannten hohen Tumormutationslast (TMB) – weisen in der Regel auch viele Neoantigene auf. Patienten mit hoher TMB sprechen häufig besser auf Immun-Checkpoint-Inhibitoren an, also Medikamente wie Pembrolizumab oder Nivolumab, die die natürliche Immunantwort gegen den Tumor verstärken.
Adoptiver T-Zell-Transfer
Bei dieser Therapieform werden T-Zellen des Patienten entnommen, im Labor so verändert, dass sie Neoantigene effektiver erkennen, und anschließend zurück in den Körper infundiert. Dies ist ein weiterer Ansatz der personalisierten Immuntherapie.
Diagnose und Identifikation
Die Identifikation von Neoantigenen erfordert moderne genomische Methoden:
- Next-Generation Sequencing (NGS): Hochdurchsatz-Sequenzierverfahren zur Analyse des gesamten Tumorgenoms auf Mutationen
- Bioinformatische Analysen: Computergestützte Vorhersage, welche Mutationen tatsächlich zu immunogenen Neoantigenen führen
- MHC-Bindungsvorhersagen: Berechnung, ob ein bestimmtes Neoantigen effektiv vom MHC-Komplex präsentiert und von T-Zellen erkannt werden kann
Chancen und Herausforderungen
Neoantigene bieten große Chancen für die präzise, nebenwirkungsarme Krebstherapie, da sie tumorspezifisch sind und gesundes Gewebe nicht beeinträchtigen. Zu den aktuellen Herausforderungen gehören:
- Hohe Kosten und technischer Aufwand bei der Identifikation und Impfstoffherstellung
- Tumorheterogenität: Verschiedene Tumorzellen können unterschiedliche Neoantigene tragen
- Zeitaufwand für die individuelle Impfstoffproduktion
- Nicht alle Neoantigene lösen eine ausreichende Immunreaktion aus
Quellen
- Schumacher, T. N. & Schreiber, R. D. (2015). Neoantigens in cancer immunotherapy. Science, 348(6230), 69–74. DOI: 10.1126/science.aaa4971
- Sahin, U. & Türeci, Ö. (2018). Personalized vaccines for cancer immunotherapy. Science, 359(6382), 1355–1360. DOI: 10.1126/science.aar7112
- Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina (2021). Krebsimmuntherapie – Grundlagen und klinische Perspektiven. Halle (Saale): Leopoldina.
Verwandte Produkte
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®
Für Deinen universellen Schutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Proteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems