Netzhaut (Retina): Aufbau, Funktion und Erkrankungen
Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Schicht im Auge, die visuelle Reize aufnimmt und an das Gehirn weiterleitet. Sie ist entscheidend für das Sehvermögen.
Wissenswertes über "Netzhaut"
Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Schicht im Auge, die visuelle Reize aufnimmt und an das Gehirn weiterleitet. Sie ist entscheidend für das Sehvermögen.
Was ist die Netzhaut?
Die Netzhaut (lateinisch: Retina) ist eine dünne, lichtempfindliche Gewebeschicht, die die innere Rückwand des Augapfels auskleidet. Sie ist vergleichbar mit dem Film einer Kamera: Sie nimmt Lichtstrahlen auf, wandelt sie in elektrische Signale um und leitet diese über den Sehnerv an das Gehirn weiter, wo die eigentliche visuelle Wahrnehmung stattfindet. Ohne eine intakte Netzhaut ist normales Sehen nicht möglich.
Aufbau der Netzhaut
Die Netzhaut besteht aus mehreren Schichten spezialisierter Nervenzellen. Besonders wichtig sind die Photorezeptoren, die in zwei Typen unterteilt werden:
- Stäbchen: Rund 120 Millionen Stäbchen sind für das Dämmerungs- und Nachtsehen sowie die Wahrnehmung von Bewegungen zuständig.
- Zapfen: Rund 6 Millionen Zapfen ermöglichen das Farbsehen und das scharfe Sehen bei Tageslicht. Sie konzentrieren sich in der Makula (dem gelben Fleck), insbesondere in der Fovea centralis, dem Ort des schärfsten Sehens.
Weitere Schichten der Netzhaut umfassen bipolare Zellen und Ganglienzellen, deren Axone den Sehnerv bilden. An der Stelle, wo der Sehnerv das Auge verlässt, befindet sich der sogenannte blinde Fleck, da hier keine Photorezeptoren vorhanden sind.
Funktion der Netzhaut
Licht, das durch die Hornhaut, die Linse und den Glaskörper in das Auge eintritt, wird auf der Netzhaut fokussiert. Die Photorezeptoren reagieren auf unterschiedliche Wellenlängen des Lichts und wandeln die optischen Reize durch einen biochemischen Prozess (Phototransduktion) in elektrische Nervenimpulse um. Diese Impulse werden über den Nervus opticus zum visuellen Kortex im Gehirn geleitet, wo das Bild verarbeitet und erkannt wird.
Häufige Erkrankungen der Netzhaut
Netzhautablösung (Ablatio retinae)
Bei einer Netzhautablösung löst sich die Netzhaut von der darunter liegenden Aderhaut (Choroidea) ab. Dies ist ein medizinischer Notfall, der ohne sofortige Behandlung zur Erblindung führen kann. Symptome sind plötzliche Lichtblitze, Rußregen (viele kleine schwarze Punkte) und ein dunkler Vorhang im Gesichtsfeld.
Diabetische Retinopathie
Bei länger bestehendem Diabetes mellitus können die feinen Blutgefäße der Netzhaut geschädigt werden. Dies führt zur diabetischen Retinopathie, einer der häufigsten Ursachen für Erblindung im Erwachsenenalter. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind für Diabetikerinnen und Diabetiker daher unbedingt erforderlich.
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
Die altersbedingte Makuladegeneration ist eine der häufigsten Seherkrankungen bei Menschen über 50 Jahren. Sie betrifft die Makula und führt zu einem zunehmenden Verlust des zentralen Sehvermögens. Man unterscheidet eine trockene und eine feuchte Form, wobei die feuchte Form schneller fortschreitet und behandelt werden kann.
Retinitis pigmentosa
Die Retinitis pigmentosa ist eine erbliche Erkrankung, bei der die Photorezeptoren (zuerst die Stäbchen) nach und nach absterben. Betroffene bemerken zunächst eine Verschlechterung des Dämmerungssehens und eine Einengung des Gesichtsfeldes.
Diagnose von Netzhauterkrankungen
Augenärztinnen und Augenärzte setzen verschiedene Untersuchungsmethoden ein, um die Netzhaut zu beurteilen:
- Ophthalmoskopie (Augenspiegelung): Direkte Betrachtung der Netzhaut durch die Pupille mit einem Ophthalmoskop.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Hochauflösende Bildgebung der Netzhautschichten ohne Strahlenbelastung.
- Fluoreszenzangiographie: Darstellung der Netzhautgefäße mithilfe eines Kontrastmittels.
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Prüfung des gesamten Sichtbereichs auf Ausfälle.
Behandlung von Netzhauterkrankungen
Die Behandlung hängt von der Art der Erkrankung ab:
- Laser-Photokoagulation: Gezielter Lasereinsatz, um undichte Gefäße zu verschließen oder Risse abzuriegeln.
- Intravitreale Injektionen (Spritzen in den Glaskörper): Einsatz von Anti-VEGF-Medikamenten bei feuchter AMD oder diabetischer Retinopathie.
- Vitrektomie: Chirurgische Entfernung des Glaskörpers, z. B. bei schwerer Netzhautablösung.
- Kryotherapie: Anwendung von Kälte zur Behandlung von Netzhautrissen.
Prävention und Gesundheitstipps
Um die Netzhautgesundheit zu erhalten, empfehlen Expertinnen und Experten folgende Maßnahmen:
- Regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen, besonders ab dem 40. Lebensjahr oder bei Diabetes und Kurzsichtigkeit
- Schutz vor UV-Strahlung durch Sonnenbrillen mit geprüftem UV-Schutz
- Ausgewogene Ernährung reich an Lutein, Zeaxanthin, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin C
- Verzicht auf Rauchen, da Tabakkonsum das Risiko einer AMD deutlich erhöht
- Gute Einstellung des Blutzuckers bei Diabeteserkrankung
Quellen
- Sachsenweger, M. (Hrsg.) - Augenheilkunde. Duale Reihe. Thieme Verlag, Stuttgart, 4. Auflage 2014.
- Flammer, J. - Glaukom und weitere Netzhauterkrankungen. Huber Verlag, Bern, 2001.
- World Health Organization (WHO) - World report on vision. Genf 2019. Abrufbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241516570
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