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Neugeborenensepsis: Ursachen, Symptome & Behandlung

Die Neugeborenensepsis ist eine lebensbedrohliche Blutstrominfektion bei Neugeborenen. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für das Überleben.

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Wissenswertes über "Neugeborenensepsis"

Die Neugeborenensepsis ist eine lebensbedrohliche Blutstrominfektion bei Neugeborenen. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für das Überleben.

Was ist eine Neugeborenensepsis?

Die Neugeborenensepsis (auch neonatale Sepsis genannt) ist eine schwerwiegende, systemische Infektionskrankheit, die in den ersten vier Lebenswochen eines Kindes auftreten kann. Dabei gelangen Krankheitserreger – meist Bakterien, seltener Viren oder Pilze – in die Blutbahn des Neugeborenen und lösen eine überschiëßende Immunreaktion aus, die lebenswichtige Organe schädigen kann. Die Erkrankung gehört zu den häufigsten Todesursachen in der Neugeborenenperiode und erfordert eine sofortige medizinische Behandlung.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Erreger der Neugeborenensepsis können auf verschiedenen Wegen in den Organismus des Kindes gelangen. Man unterscheidet zwei Hauptformen:

  • Frühform (Early-Onset-Sepsis, EOS): Tritt innerhalb der ersten 72 Lebensstunden auf. Die Infektion erfolgt meist vertikal, das heißt das Kind infiziert sich während der Schwangerschaft oder der Geburt durch Erreger der Mutter. Häufigste Erreger sind Streptokokken der Gruppe B (GBS) und Escherichia coli.
  • Spätform (Late-Onset-Sepsis, LOS): Tritt zwischen dem 4. und 90. Lebenstag auf. Die Infektion wird häufig durch Erreger aus der Umgebung, medizinische Geräte (z. B. Venenkatheter) oder das Krankenhauspersonal übertragen. Häufige Erreger sind Staphylococcus aureus, koagulasenegative Staphylokokken und gram-negative Stäbchenbakterien.

Wichtige Risikofaktoren für eine Neugeborenensepsis sind:

  • Frühgeburtlichkeit und niedriges Geburtsgewicht
  • Vorzeitiger Blasensprung (länger als 18 Stunden vor der Geburt)
  • Nachweis von Gruppe-B-Streptokokken bei der Mutter
  • Fieber der Mutter während der Geburt
  • Invasive medizinische Maßnahmen (Venenkatheter, Beatmungsschläuche)
  • Immunschwäche des Neugeborenen

Symptome

Die Symptome einer Neugeborenensepsis sind oft unspezifisch und können sich schnell verändern. Eltern und medizinisches Personal sollten auf folgende Zeichen achten:

  • Verändertes Verhalten: Schreien, Trinkschwache, Apathie oder erhöhte Reizbarkeit
  • Temperaturveränderungen: Fieber (über 38 °C) oder erniedrigte Körpertemperatur (unter 36,5 °C)
  • Atemprobleme: Schnelle oder ungleichmäßige Atmung, Atempausen (Apnoe)
  • Kreislaufveränderungen: Blasse, graue oder gefleckte Haut, schlechte Durchblutung
  • Neurologische Zeichen: Krampfanfälle, schlaffer Muskeltonus
  • Aufgeblähter Bauch, Erbrechen oder Durchfall
  • Gelbsucht (Ikterus), die plötzlich auftritt oder anhält

Diagnose

Da die Symptome der Neugeborenensepsis unspezifisch sind, ist eine rasche und umfassende Diagnostik entscheidend. Folgende Untersuchungen werden typischerweise durchgeführt:

  • Blutkultur: Der Goldstandard zur Identifikation des Erregers. Blut des Kindes wird auf das Wachstum von Bakterien oder Pilzen untersucht.
  • Blutbild: Veränderungen der weißen Blutkörperchen (Leukozytose oder Leukopenie) können auf eine Infektion hinweisen.
  • Entzündungsmarker: C-reaktives Protein (CRP) und Procalcitonin (PCT) sind wichtige Laborwerte zur Einschätzung des Infektionsgeschehens.
  • Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine Beteiligung des Nervensystems (Meningitis) wird Nervenflüssigkeit (Liquor) entnommen und untersucht.
  • Urinuntersuchung: Besonders bei der Spätform der Sepsis relevant.
  • Bildgebung: Röntgen oder Ultraschall zur Beurteilung von Lunge, Bauch und anderen Organen.

Behandlung

Die Behandlung der Neugeborenensepsis ist ein medizinischer Notfall und erfordert in der Regel eine Aufnahme auf eine neonatologische Intensivstation. Die Therapie umfasst:

Antibiotische Therapie

Sobald der Verdacht auf eine Sepsis besteht, wird umgehend eine empirische Antibiotikatherapie eingeleitet – noch bevor die Ergebnisse der Blutkultur vorliegen. Nach Identifikation des Erregers und seines Resistenzmusters wird die Therapie gezielt angepasst. Typische Erstlinien-Antibiotika sind Ampicillin in Kombination mit einem Aminoglykosid (z. B. Gentamicin).

Unterstützende Maßnahmen

  • Kreislaufstabilisierung: Flüssigkeitsgabe und ggf. blutdrucksteigernde Medikamente (Vasopressoren)
  • Atemunterstützung: Sauerstoffgabe, CPAP oder maschinelle Beatmung bei Atemversagen
  • Temperaturmanagement: Wärmeerhalt oder Kühlung je nach Situation
  • Ernährungsunterstützung: Parenterale Ernährung über eine Vene, wenn orales Trinken nicht möglich ist

Prävention

Zur Vorbeugung der frühgeburtlichen Neugeborenensepsis werden schwangere Frauen zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche auf Gruppe-B-Streptokokken getestet. Bei positivem Befund erhalten sie unter der Geburt eine vorbeugende Antibiotikatherapie. Eine gute Handhygiene im Umgang mit Neugeborenen ist die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der Spätform.

Prognose

Die Prognose der Neugeborenensepsis hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Diagnose und dem Beginn der Behandlung ab. Bei rechtzeitiger Therapie haben viele Neugeborene gute Heilungschancen. Spätfolgen wie neurologische Beeinträchtigungen oder Hörschäden sind jedoch möglich, insbesondere wenn eine Meningitis aufgetreten ist oder die Behandlung spät begonnen wurde. Frühgeborene und Kinder mit sehr niedrigem Geburtsgewicht tragen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe.

Quellen

  1. Stoll BJ et al. - Neonatal Outcomes of Extremely Preterm Infants. JAMA, 2010. Verfügbar auf PubMed.
  2. Deutsche Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) - Leitlinie Bakterielle Infektionen beim Neugeborenen, AWMF-Register Nr. 024/008, 2018.
  3. World Health Organization (WHO) - Pocket Book of Hospital Care for Children, 2. Auflage, 2013. Verfügbar unter: www.who.int
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