Nyktalopie (Nachtblindheit) – Ursachen & Behandlung
Nyktalopie bezeichnet die eingeschränkte Sehfähigkeit bei Dunkelheit oder schwachem Licht, auch bekannt als Nachtblindheit. Sie kann angeboren oder durch Mangelernährung entstehen.
Wissenswertes über "Nyktalopie"
Nyktalopie bezeichnet die eingeschränkte Sehfähigkeit bei Dunkelheit oder schwachem Licht, auch bekannt als Nachtblindheit. Sie kann angeboren oder durch Mangelernährung entstehen.
Was ist Nyktalopie?
Nyktalopie, umgangssprachlich auch als Nachtblindheit bezeichnet, ist eine Sehstörung, bei der die Fähigkeit, bei schlechten Lichterhältnissen oder in der Dunkelheit zu sehen, erheblich eingeschränkt ist. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: nyx (Nacht), alaos (blind) und ops (Auge). Betroffene haben Schwierigkeiten, sich nach einem Wechsel von heller in dunkle Umgebung anzupassen, was den Alltag und insbesondere das Autofahren bei Nacht erheblich beeinträchtigen kann.
Ursachen
Die Nyktalopie kann verschiedene Ursachen haben, die in angeborene und erworbene Formen unterteilt werden:
Angeborene Ursachen
- Retinitis pigmentosa: Eine erbliche Erkrankung, bei der die Fotorezeptoren der Netzhaut (insbesondere die Stäbchenzellen) fortschreitend abgebaut werden.
- Kongenitale stationäre Nachtblindheit (CSNB): Eine nicht fortschreitende, genetisch bedingte Form der Nachtblindheit.
- Usher-Syndrom: Eine Erkrankung, die Taubheit und Retinitis pigmentosa kombiniert.
Erworbene Ursachen
- Vitamin-A-Mangel: Die häufigste weltweit erworbene Ursache. Vitamin A (Retinol) ist essenziell für die Bildung von Rhodopsin, dem lichtempfindlichen Sehpigment der Stäbchenzellen.
- Grüner Star (Glaukom): Erhöhter Augeninnendruck kann die Sehnerven schädigen und die Dunkeladaptation beeinträchtigen.
- Katarakt (Grauer Star): Trübung der Augenlinse, die die Lichtmenge auf die Netzhaut reduziert.
- Medikamente: Einige Wirkstoffe, wie bestimmte Antiglaukomatosa oder Phenothiazine, können die Nachtadaptation verschlechtern.
- Myopie (Kurzsichtigkeit): Starke Kurzsichtigkeit kann ebenfalls mit eingeschränktem Nachtsehen verbunden sein.
Symptome
Die typischen Symptome der Nyktalopie umfassen:
- Schwierigkeiten beim Sehen in der Dämmerung oder bei Nacht
- Verzögerte Anpassung des Auges beim Wechsel von hell nach dunkel
- Blendungsempfindlichkeit durch entgegenkommende Scheinwerfer
- Eingeschränktes peripheres Sehen (bei Retinitis pigmentosa)
- Unsicherheit beim Gehen in schlecht beleuchteten Bereichen
Diagnose
Die Diagnose der Nyktalopie erfolgt durch eine ophthalmologische Untersuchung. Folgende Methoden kommen zum Einsatz:
- Adaptometrie: Messung der Dunkeladaptationsfähigkeit des Auges unter kontrollierten Bedingungen.
- Elektroretinographie (ERG): Messung der elektrischen Aktivität der Netzhautzellen, insbesondere der Stäbchen und Zapfen.
- Spaltlampenuntersuchung und Funduskopie: Beurteilung der Netzhaut und des Sehnervs auf strukturelle Veränderungen.
- Blutuntersuchung: Bestimmung des Vitamin-A-Spiegels zur Abklärung eines Mangels.
- Genetische Tests: Bei Verdacht auf erbliche Ursachen.
Behandlung
Die Behandlung der Nyktalopie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
Behandlung bei Vitamin-A-Mangel
Die Substitution von Vitamin A über Ernährung (z.B. Karotten, Leber, Milchprodukte) oder durch Nahrungsergänzungsmittel kann die Nachtblindheit bei nachgewiesenem Mangel deutlich verbessern oder vollständig beheben.
Behandlung bei Katarakt oder Glaukom
Operative Eingriffe zur Entfernung des Grauen Stars oder eine medikamentöse bzw. chirurgische Behandlung des Glaukoms können das Nachtsehen verbessern.
Genetisch bedingte Nyktalopie
Bei erblichen Formen wie der Retinitis pigmentosa gibt es derzeit keine kurative Therapie. Gentherapeutische Ansätze befinden sich jedoch in klinischer Erprobung. Unterstützende Maßnahmen wie verstärkte Beleuchtung und Sehhilfen können den Alltag erleichtern.
Allgemeine Empfehlungen
- Vermeidung des Fahrens bei Nacht, wenn die Sehbeeinträchtigung stark ausgeprägt ist
- Verwendung von entspiegelten Brillen oder speziellen Nachtsichtlinsen
- Regelmäßige augenärztliche Kontrollen
Wann zum Arzt?
Bemerken Sie Schwierigkeiten beim Sehen in der Dämmerung oder bei Nacht, oder haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Augen langsamer an Dunkelheit gewöhnen als früher, sollten Sie zeitnah einen Augenarzt aufsuchen. Frühzeitige Diagnose und Behandlung können weiteren Sehverlust verhindern oder verlangsamen.
Quellen
- Welge-Lüßen U, Brandt T (Hrsg.): Neuroophthalmologie. Thieme Verlag, Stuttgart, 2. Auflage, 2020.
- World Health Organization (WHO): Vitamin A deficiency and its consequences. A field guide to detection and control. WHO, Genf, 1995. Verfügbar unter: https://www.who.int
- Hartong DT, Berson EL, Dryja TP: Retinitis pigmentosa. In: The Lancet. 368(9549):1795-1809, 2006. DOI: 10.1016/S0140-6736(06)69740-7
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