Nystagmus: Ursachen, Symptome & Behandlung
Nystagmus bezeichnet unwillkürliche, rhythmische Augenbewegungen. Er kann angeboren oder erworben sein und verschiedene Ursachen haben.
Wissenswertes über "Nystagmus"
Nystagmus bezeichnet unwillkürliche, rhythmische Augenbewegungen. Er kann angeboren oder erworben sein und verschiedene Ursachen haben.
Was ist Nystagmus?
Nystagmus bezeichnet eine unwillkürliche, rhythmische Bewegung der Augen, die der Betroffene nicht bewusst kontrollieren kann. Die Augenbewegungen können horizontal (seitwärts), vertikal (auf und ab) oder rotatorisch (kreisförmig) verlaufen. In vielen Fällen wechseln sich eine langsame Driftphase und eine schnelle Rückstellbewegung ab. Der Nystagmus kann beide Augen oder nur ein Auge betreffen und tritt entweder dauerhaft oder situationsabhängig auf.
Ursachen
Die Ursachen für Nystagmus sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem angeborenen (kongenitalen) und einem erworbenen Nystagmus.
Angeborener Nystagmus
- Genetische Faktoren oder Entwicklungsstörungen des Gehirns
- Sehbehinderungen von Geburt an (z. B. Albinismus, angeborener grauer Star)
- Idiopathisch (ohne erkennbare Ursache)
Erworbener Nystagmus
- Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans (z. B. Labyrinthitis, Morbus Ménière)
- Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Hirntumoren
- Medikamente und Drogen (z. B. Überdosierung von Antiepileptika, Alkohol)
- Vitamin-B12-Mangel oder andere Stoffwechselstörungen
- Verletzungen des Kopfes oder des Gehirns
Symptome
Das Leitsymptom ist die sichtbare, unwillkürliche Augenbewegung. Zusätzlich können Betroffene folgende Beschwerden erleben:
- Verschwommenes oder wackelndes Sehen (Oszillopsie)
- Verminderte Sehschärfe
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
- Lichtempfindlichkeit
- Kompensatorische Kopfhaltung (um eine sogenannte Ruhestellung der Augen zu finden)
Diagnose
Die Diagnose eines Nystagmus erfolgt durch eine umfassende Untersuchung:
- Augenärztliche Untersuchung: Beurteilung der Augenbewegungen, Sehschärfe und des Augenhintergrundes
- Elektronystagmographie (ENG) / Videonystagmographie (VNG): Messung und Aufzeichnung der Augenbewegungen
- HNO-Untersuchung: Beurteilung des Gleichgewichtsorgans
- Neurologische Untersuchung inkl. Bildgebung (MRT, CT) zum Ausschluss zentralneröser Ursachen
- Blutuntersuchungen bei Verdacht auf Stoffwechselstörungen oder Vitaminmangel
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad:
Behandlung der Grunderkrankung
Wenn ein Nystagmus durch eine behandelbare Erkrankung (z. B. Labyrinthitis, Vitaminmangel) ausgelöst wird, kann die Behandlung dieser Ursache den Nystagmus deutlich verbessern oder beseitigen.
Medikamentöse Therapie
- Medikamente wie Baclofen, Memantine oder Gabapentin können in bestimmten Fällen die Augenbewegungen dämpfen
- Botulinumtoxin-Injektionen bei ausgewählten Patienten
Optische Hilfsmittel und Rehabilitation
- Spezialbrillen oder Kontaktlinsen zur Verbesserung der Sehschärfe
- Sehtraining und Low-Vision-Rehabilitation
Operative Therapie
In seltenen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff an den Augenmuskeln (sogenannte Fadenoperation) die Ruhestellung der Augen verbessern und die Kopfzwangshaltung reduzieren.
Quellen
- Leigh R.J., Zee D.S. - The Neurology of Eye Movements. 5. Auflage. Oxford University Press, 2015.
- Hertle R.W. - Nystagmus in Infancy and Childhood. American Orthoptic Journal, 2010; 60:1-13. PubMed PMID: 21149158.
- Strupp M., Brandt T. - Diagnosis and treatment of vertigo and dizziness. Deutsches Ärzteblatt International, 2008; 105(10):173-180.
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