Oberarmkopffraktur – Ursachen, Symptome & Behandlung
Eine Oberarmkopffraktur ist ein Knochenbruch am oberen Ende des Oberarmknochens. Sie zählt zu den häufigsten Frakturen und betrifft oft ältere Menschen.
Wissenswertes über "Oberarmkopffraktur"
Eine Oberarmkopffraktur ist ein Knochenbruch am oberen Ende des Oberarmknochens. Sie zählt zu den häufigsten Frakturen und betrifft oft ältere Menschen.
Was ist eine Oberarmkopffraktur?
Die Oberarmkopffraktur (auch Humeruskopffraktur genannt) ist ein Knochenbruch im Bereich des Oberarmkopfes – also am oberen Ende des Oberarmknochens (Humerus), der das Schultergelenk bildet. Sie gehört zu den häufigsten Frakturen des menschlichen Körpers und macht etwa 5 % aller Knochenbrüche aus. Besonders betroffen sind ältere Menschen ab dem 60. Lebensjahr, da mit zunehmendem Alter die Knochendichte abnimmt (Osteoporose). Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Ursachen
Die häufigste Ursache einer Oberarmkopffraktur ist ein Sturz auf den ausgestreckten Arm oder direkt auf die Schulter. Weitere mögliche Ursachen sind:
- Sturz aus größerer Höhe
- Verkehrsunfälle
- Sportunfälle (z. B. beim Ski fahren oder Reiten)
- Gewaltsame Überdehnung oder Verdrehung des Schultergelenks
- Pathologische Frakturen bei vorbestehenden Knochenerkrankungen (z. B. Osteoporose oder Knochenmetastasen)
Symptome
Nach einer Oberarmkopffraktur treten typischerweise folgende Beschwerden auf:
- Starke Schmerzen im Bereich der Schulter und des Oberarms
- Schwellung und Drückschmerz an der Schulter
- Bluterguss (Hämatom), der sich häufig bis zum Oberarm oder zur Brust ausbreitet
- Bewegungseinschränkung des Schultergelenks bis hin zur vollständigen Unfähigkeit, den Arm zu bewegen
- In seltenen Fällen: Kribbeln oder Taubheitsgefühl durch Beteiligung von Nerven oder Gefäßen
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Röntgenaufnahme: Standardmäßig werden Röntgenbilder der Schulter in mindestens zwei Ebenen angefertigt, um die Fraktur zu beurteilen.
- Computertomographie (CT): Bei komplexen Frakturen liefert die CT detaillierte dreidimensionale Informationen über die Lage der Knochenbruchstücke und ist entscheidend für die Operationsplanung.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Wird bei Verdacht auf Begleitverletzungen der Weichteile, Bänder oder Gefäße eingesetzt.
Für die Klassifikation und Therapieplanung wird häufig die Neer-Klassifikation verwendet, die Frakturen anhand der Anzahl der dislozierten Fragmente einteilt (1- bis 4-Fragment-Fraktur).
Behandlung
Konservative Behandlung
Nicht verschobene oder nur gering verschobene Frakturen (etwa 80 % aller Fälle) können in der Regel konservativ behandelt werden. Dabei wird der Arm mit einer speziellen Armschlinge (Gilchrist-Verband oder ähnliche Orthesen) für mehrere Wochen ruhiggestellt. Schmerztherapie und frühzeitige physiotherapeutische Übungen zur Vermeidung von Schultersteife sind wichtige Bestandteile der Behandlung.
Operative Behandlung
Stark verschobene, instabile oder mehrfragmentäre Frakturen erfordern eine operative Versorgung. Je nach Frakturtyp und Patientenalter kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz:
- Plattenosteosynthese: Stabilisierung der Knochenbruchstücke mit einer Metallplatte und Schrauben
- Intramedulläre Nägelung: Einführen eines Marknagels in den Knochen zur Stabilisierung
- Schultergelenksersatz (Prothese): Bei stark zertrümmerten Frakturen oder gestörter Durchblutung des Oberarmkopfes wird eine Teil- oder Vollprothese des Schultergelenks eingesetzt (Hemi- oder Totalendoprothese, bzw. inverse Schulterprothese)
Nachbehandlung und Rehabilitation
Die Nachbehandlung ist entscheidend für das funktionelle Ergebnis. Sie umfasst:
- Physiotherapie zur Wiederherstellung der Beweglichkeit und Muskelkraft
- Schmerztherapie
- Regelmäßige röntgenologische Kontrollen zur Überprüfung der Knochenheilung
- Bei Osteoporose: Behandlung der Grunderkrankung zur Vorbeugung weiterer Frakturen
Die Heilungsdauer beträgt je nach Schweregrad der Fraktur und gewählter Behandlungsmethode in der Regel 6 bis 12 Wochen, eine vollständige Rehabilitation kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Quellen
- Lill H, Scheibel M, Voigt C (Hrsg.): Die Humeruskopffraktur. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2010.
- Neer CS 2nd: Displaced proximal humeral fractures. Part I: Classification and evaluation. Journal of Bone and Joint Surgery Am. 1970;52(6):1077–1089. PubMed PMID: 5455339.
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU): S2e-Leitlinie Proximale Humerusfraktur. AWMF-Registernummer 012-033, 2022. Verfügbar unter: www.awmf.org
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