Ocrelizumab – Wirkung, Dosierung & MS-Therapie
Ocrelizumab ist ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung von Multipler Sklerose. Er richtet sich gezielt gegen B-Zellen und reduziert Entzündungsreaktionen im Nervensystem.
Wissenswertes über "Ocrelizumab"
Ocrelizumab ist ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung von Multipler Sklerose. Er richtet sich gezielt gegen B-Zellen und reduziert Entzündungsreaktionen im Nervensystem.
Was ist Ocrelizumab?
Ocrelizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) eingesetzt wird. Er wurde von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) im Jahr 2018 zugelassen und gehört zur Gruppe der krankheitsmodifizierenden Therapien (DMT). Ocrelizumab ist das erste zugelassene Medikament für die primär progrediente MS (PPMS) und wird auch bei der schubförmig remittierenden MS (RRMS) eingesetzt.
Indikation
Ocrelizumab ist zugelassen für:
- Schubförmig remittierende Multiple Sklerose (RRMS): bei Patienten mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinische Aktivität oder Bildgebung
- Primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS): bei Erwachsenen mit früher Erkrankungsphase und nachweisbarer Entzündungsaktivität
Wirkmechanismus
Ocrelizumab bindet selektiv an das Oberflächenprotein CD20, das auf bestimmten B-Lymphozyten (B-Zellen) vorkommt. Durch diese Bindung werden die CD20-positiven B-Zellen über Antikörper-abhängige Zytotoxizität und Komplementaktivierung abgetötet. Da B-Zellen eine wichtige Rolle bei der Entzündungsreaktion im Zentralnervensystem spielen, führt deren Reduktion zu einer verminderten Schädigung des Myelins und der Nervenfasern.
Im Gegensatz zu früheren Anti-CD20-Therapien wie Rituximab handelt es sich bei Ocrelizumab um einen vollständig humanisierten Antikörper, was das Risiko von immunogenen Reaktionen reduziert.
Dosierung und Anwendung
Ocrelizumab wird als intravenöse Infusion verabreicht:
- Startdosis: zwei Infusionen à 300 mg im Abstand von 14 Tagen
- Erhaltungsdosis: 600 mg als Einzelinfusion alle 6 Monate
Die Infusionen erfolgen unter ärztlicher Aufsicht in einer geeigneten medizinischen Einrichtung. Vor jeder Infusion wird eine Prämedikation mit Kortikosteroiden, Antihistaminika und ggf. Antipyretika empfohlen, um Infusionsreaktionen zu reduzieren.
Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente kann Ocrelizumab Nebenwirkungen verursachen. Die häufigsten sind:
- Infusionsreaktionen: Hautausschlag, Juckreiz, Übelkeit, Schwindel, Hitzegefühl (sehr häufig)
- Infektionen der oberen Atemwege: Erkältungsähnliche Symptome, Bronchitis
- Harnwegsinfektionen
- Erniedrigung der Immunglobuline: Langfristig kann es zu einer Verminderung der Antikörper im Blut kommen
- Erhöhtes Infektionsrisiko: insbesondere für Atemwegsinfektionen und Herpesinfektionen
Seltener, aber schwerwiegend, können opportunistische Infektionen auftreten. Außerdem wurde ein möglicherweise erhöhtes Karzinomrisiko (insbesondere Brustkrebs) beobachtet, dessen Kausalität noch untersucht wird.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Ocrelizumab sollte nicht angewendet werden bei:
- Aktiven schweren Infektionen
- Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Stark gesächtigtem Immunsystem
Vor Therapiebeginn sollten Impfungen auf aktuellen Stand gebracht werden, da Lebendimpfstoffe während der Behandlung kontraindiziert sind. Schwangere und stillende Frauen sollen Ocrelizumab nicht anwenden; eine zuverlässige Verhütung wird empfohlen.
Klinische Wirksamkeit
Die Wirksamkeit von Ocrelizumab wurde in mehreren großen klinischen Studien belegt:
- OPERA I und OPERA II: Bei RRMS zeigte Ocrelizumab gegenüber Interferon beta-1a eine signifikante Reduktion der jährlichen Schubrate um ca. 46–47 %.
- ORATORIO: Bei PPMS reduzierte Ocrelizumab das Risiko einer klinischen Behinderungsprogression signifikant im Vergleich zu Placebo.
Diese Studien haben Ocrelizumab als eine der wirksamsten verfügbaren Therapien für MS etabliert.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Ocrevus (Ocrelizumab) – Zusammenfassung der Produktmerkmale, 2018. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu
- Hauser S.L. et al.: Ocrelizumab versus Interferon Beta-1a in Relapsing Multiple Sclerosis. New England Journal of Medicine, 2017; 376(3):221–234.
- Montalban X. et al.: Ocrelizumab versus Placebo in Primary Progressive Multiple Sclerosis. New England Journal of Medicine, 2017; 376(3):209–220.
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