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Offene Fraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung

Eine offene Fraktur ist ein Knochenbruch, bei dem die Knochenfragmente die Haut durchdringen. Sie gilt als medizinischer Notfall und erfordert sofortige Behandlung.

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Wissenswertes über "Offene Fraktur"

Eine offene Fraktur ist ein Knochenbruch, bei dem die Knochenfragmente die Haut durchdringen. Sie gilt als medizinischer Notfall und erfordert sofortige Behandlung.

Was ist eine offene Fraktur?

Eine offene Fraktur (auch als offener Knochenbruch bezeichnet) ist eine schwere Form des Knochenbruchs, bei der die gebrochenen Knochenenden oder Knochensplitter die umgebende Haut durchbohren oder eine Wunde im Bereich des Bruchs besteht, die bis zum Knochen reicht. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen dem gebrochenen Knochen und der Außenwelt, was das Infektionsrisiko erheblich erhöht. Eine offene Fraktur gilt als medizinischer Notfall und muss umgehend behandelt werden.

Ursachen

Offene Frakturen entstehen in der Regel durch starke, direkte oder indirekte Gewalteinwirkung auf den Knochen. Häufige Ursachen sind:

  • Verkehrsunfälle (z. B. Motorrad- oder Fahrradunfälle)
  • Stürze aus großer Höhe
  • Sportunfälle mit hoher Energieeinwirkung
  • Arbeitsunfälle oder Maschinenverletzungen
  • Gewaltsame Einwirkungen (z. B. Schussverletzungen)

Besonders häufig betroffen sind die langen Röhrenknochen der Unterschenkel (Tibia, Fibula) sowie die Knochen des Unterarms und des Oberschenkels.

Klassifikation

Die gängigste Einteilung offener Frakturen erfolgt nach der Klassifikation von Gustilo und Anderson, die den Schweregrad anhand der Wundgröße, der Gewebeverletzung und der Verschmutzung beschreibt:

  • Grad I: Saubere Wunde unter 1 cm, minimale Gewebeverletzung
  • Grad II: Wunde zwischen 1 und 10 cm, mäßige Weichteilverletzung
  • Grad III: Ausgedehnte Weichteilverletzung, große Wunden über 10 cm oder stark verschmutzte Wunden; unterteilt in IIIA, IIIB und IIIC je nach Gefäß- und Knochenbeteiligung

Symptome

Die typischen Zeichen einer offenen Fraktur sind:

  • Sichtbarer Knochen oder Knochensplitter, die aus der Wunde ragen
  • Starke Schmerzen im betroffenen Bereich
  • Offene, blutende Wunde im Bereich des Bruchs
  • Fehlstellung oder abnorme Beweglichkeit des betroffenen Gliedmaßenabschnitts
  • Schwellung und Bluterguss
  • Mögliche Taubheit oder Kribbeln durch Nervenverletzungen

Diagnose

Die Diagnose einer offenen Fraktur ist in der Regel bereits klinisch offensichtlich. Zur genauen Beurteilung des Ausmaßes der Verletzung werden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Röntgenaufnahmen: Standardmäßige Erstuntersuchung zur Darstellung des Knochenbruchs
  • Computertomographie (CT): Bei komplexen Frakturen zur detaillierten Darstellung der Knochenstruktur und angrenzender Strukturen
  • Gefäßuntersuchungen: Bei Verdacht auf Gefäßverletzungen (z. B. Doppler-Sonographie oder Angiographie)
  • Wundinspektion: Beurteilung des Verschmutzungsgrades und der Weichteilverletzung

Behandlung

Die Behandlung einer offenen Fraktur ist komplex und erfordert in der Regel einen operativen Eingriff. Die wichtigsten Behandlungsschritte sind:

Notfallversorgung

Bei der Erstversorgung am Unfallort oder in der Notaufnahme steht die Blutungskontrolle, der Schutz der Wunde vor weiterer Verschmutzung sowie die Ruhigstellung des betroffenen Gliedmaßenabschnitts im Vordergrund. Eine sterile Wundabdeckung und Schmerztherapie sind wichtige erste Maßnahmen.

Antibiotika-Prophylaxe

Aufgrund des hohen Infektionsrisikos wird frühzeitig eine antibiotische Therapie eingeleitet. Je nach Schweregrad kommen verschiedene Antibiotika-Regime zum Einsatz, meist Cephalosporine und ggf. Aminoglykoside oder Penicillin bei starker Verschmutzung.

Operative Versorgung

Der chirurgische Eingriff umfasst folgende Schritte:

  • Débridement: Gründliche Reinigung und Entfernung von abgestorbenem Gewebe, Fremdkörpern und verschmutztem Material
  • Knochenstabilisierung: Fixierung des Knochens mittels Marknagel, Platten, Schrauben oder externem Fixateur je nach Frakturtyp und Schweregrad
  • Wundversorgung: Primärer oder verzögerter Wundverschluss, ggf. plastische Deckungsmaßnahmen bei großen Weichteildefekten

Nachsorge und Rehabilitation

Nach der Operation sind regelmäßige Wundkontrollen, Physiotherapie und eine langfristige Überwachung des Heilungsverlaufs notwendig. Komplikationen wie Osteitis (Knochenentzündung), Pseudarthrose (ausbleibende Knochenheilung) oder Kompartmentsyndrom müssen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Komplikationen

Offene Frakturen bergen ein deutlich höheres Komplikationsrisiko als geschlossene Frakturen. Mögliche Komplikationen sind:

  • Wund- und Knocheninfektion (Osteomyelitis)
  • Verzögerte Knochenheilung oder Pseudarthrose
  • Kompartmentsyndrom (Druckerhöhung im Muskelkompartiment)
  • Gefäß- und Nervenverletzungen
  • Dauerhafter Funktionsverlust des betroffenen Gliedmaßenabschnitts

Quellen

  1. Gustilo RB, Anderson JT. Prevention of infection in the treatment of one thousand and twenty-five open fractures of long bones. Journal of Bone and Joint Surgery, 1976.
  2. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S2k-Leitlinie Offene Frakturen der langen Rohrenknochen, 2019.
  3. Ruedi TP, Buckley RE, Moran CG (Hrsg.): AO Principles of Fracture Management. Thieme Verlag, 2007.

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