Osteochondrale Transplantation: Verfahren & Ablauf
Die osteochondrale Transplantation ist ein chirurgisches Verfahren zur Behandlung von Knorpel-Knochen-Schäden, bei dem gesundes Gewebe verpflanzt wird.
Wissenswertes über "Osteochondrale Transplantation"
Die osteochondrale Transplantation ist ein chirurgisches Verfahren zur Behandlung von Knorpel-Knochen-Schäden, bei dem gesundes Gewebe verpflanzt wird.
Was ist die osteochondrale Transplantation?
Die osteochondrale Transplantation ist ein operatives Verfahren, bei dem ein Zylinder aus gesundem Knorpel- und Knochengewebe (sogenanntes osteochondrales Transplantat) entnommen und in einen geschädigten Bereich eines Gelenks eingesetzt wird. Ziel des Eingriffs ist es, den natürlichen Gelenkknorpel wiederherzustellen und Schmerzen sowie Funktionseinschränkungen zu lindern. Das Verfahren wird vor allem am Knie-, Sprung- und Schultergelenk eingesetzt.
Indikationen
Die osteochondrale Transplantation wird empfohlen, wenn:
- umschriebene, also lokal begrenzte Knorpel-Knochen-Defekte vorliegen
- konservative Therapien (z.B. Physiotherapie, Medikamente) keine ausreichende Besserung gebracht haben
- der Defekt eine Größe aufweist, die für dieses Verfahren geeignet ist (meist 1–4 cm²)
- eine Osteochondrosis dissecans (Absterben eines Knochensegments unter dem Knorpel) diagnostiziert wurde
- eine traumatische Knorpelschädigung durch Sportverletzungen oder Unfälle vorliegt
Arten der osteochondralen Transplantation
Autologe osteochondrale Transplantation (OATS)
Bei der autologen osteochondralen Transplantation, auch als OATS (Osteochondral Autograft Transfer System) oder Mosaik-Plastik bekannt, wird das Transplantat aus einem weniger belasteten Bereich des eigenen Körpers entnommen, meist aus dem Rand des Kniegelenks. Der Vorteil liegt darin, dass körpereigenes Gewebe verwendet wird, was das Risiko einer Abstoßungsreaktion ausschließt.
Allogene osteochondrale Transplantation
Bei der allogenen Transplantation stammt das Gewebe von einem Spender (Allotransplantat). Diese Methode eignet sich besonders für größere Defekte, bei denen nicht genügend körpereigenes Gewebe zur Verfügung steht. Das Spendergewebe wird sorgfältig aufbereitet und auf Übertragbarkeit geprüft.
Operationsablauf
Der Eingriff wird in der Regel in Allgemein- oder Spinalnärkose durchgeführt und dauert je nach Umfang des Defekts zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Der Chirurg entnimmt zunächst einen oder mehrere zylindrische Knorpel-Knochen-Zylinder (Plugs) aus dem Entnahmebereich und setzt diese passgenau in den vorbereiteten Defekt ein. Bei der Mosaikplastik werden mehrere kleinere Zylinder nebeneinander platziert, um einen größeren Defekt abzudecken. Der Eingriff kann arthroskopisch (minimal-invasiv) oder offen chirurgisch erfolgen.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach der Operation ist eine strukturierte Rehabilitation entscheidend für den Behandlungserfolg:
- In den ersten Wochen ist eine Entlastung oder Teilbelastung des operierten Gelenks erforderlich
- Physiotherapie zur Wiederherstellung von Beweglichkeit und Muskelkraft
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen, oft mittels MRT, zur Überwachung der Einwachsung des Transplantats
- Die vollständige Belastbarkeit wird meist nach 4–6 Monaten erreicht, bei Leistungssportlern kann die Rückkehr zum Sport 9–12 Monate in Anspruch nehmen
Risiken und mögliche Komplikationen
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen auch bei der osteochondralen Transplantation bestimmte Risiken:
- Entnahmestellenbeschwerden: Schmerzen oder Funktionseinschränkungen an der Stelle, von der das Transplantat entnommen wurde (Donor-Site-Morbidität)
- Infektionen oder Blutungen
- Unvollständige Einwachsung oder Absterbung des Transplantats
- Bei allogenen Transplantaten: geringe Infektionsübertragungsrisiken und Abstoßungsreaktionen
- Fortschreiten der Knorpeldegeneration trotz Operation
Ergebnisse und Prognose
Die osteochondrale Transplantation zeigt in klinischen Studien bei geeigneten Patienten gute bis sehr gute Langzeitergebnisse. Viele Patienten berichten über eine deutliche Schmerzreduktion und eine verbesserte Gelenkfunktion. Die Erfolgsrate hängt von Faktoren wie der Größe des Defekts, dem Alter des Patienten, dem betroffenen Gelenk und der Compliance bei der Nachbehandlung ab. Besonders jüngere, sportlich aktive Patienten profitieren häufig von diesem Verfahren.
Quellen
- Hangody L, Vasarhelyi G, Hangody LR et al. - Autologous osteochondral grafting: technique and long-term results. Injury. 2008;39 Suppl 1:S32-9.
- Pareek A, Reardon PJ, Macalena JA et al. - Osteochondral Autograft Transfer Versus the Microfracture Procedure in the Knee: A Systematic Review with Meta-analysis. Arthroscopy. 2016;32(5):880-8.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) - S2k-Leitlinie Knorpelschaden am Kniegelenk, 2023.
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