Pannusbildung: Ursachen, Symptome & Behandlung
Pannusbildung bezeichnet das Wachstum von entzündlichem Granulationsgewebe in Gelenken, das Knorpel und Knochen zerstören kann.
Wissenswertes über "Pannusbildung"
Pannusbildung bezeichnet das Wachstum von entzündlichem Granulationsgewebe in Gelenken, das Knorpel und Knochen zerstören kann.
Was ist Pannusbildung?
Als Pannusbildung bezeichnet man die Entstehung von Pannusgewebe – einem aggressiven, entzündlichen Granulationsgewebe – in Gelenken. Dieses Gewebe bildet sich vor allem an der Gelenkinnenhaut (Synovialis) und wächst über den Gelenkknorpel sowie den angrenzenden Knochen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort pannus („Tuch“) und beschreibt bildlich die tuchförmige Ausbreitung dieses Gewebes im Gelenk. Pannusgewebe ist eines der Hauptmerkmale der rheumatoiden Arthritis und gilt als zentraler Mechanismus der gelenkzerstörenden Wirkung dieser Erkrankung.
Ursachen und Entstehung
Pannusbildung ist das Ergebnis einer chronischen Entzündungsreaktion der Gelenkinnenhaut. Folgende Mechanismen spielen dabei eine Rolle:
- Aktivierung der Synovialzellen: Bei der rheumatoiden Arthritis werden die Zellen der Gelenkinnenhaut durch Immunzellen wie T-Lymphozyten und Makrophagen dauerhaft aktiviert.
- Freisetzung von Entzündungsmediatoren: Zytokine wie Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) und Interleukin-1 (IL-1) fördern das unkontrollierte Wachstum der Synovialmembran.
- Neoangiogenese: Es bilden sich neue Blutgefäße im Pannusgewebe, die dessen Versorgung sicherstellen und das weitere Wachstum unterstützen.
- Invasion von Knorpel und Knochen: Das Pannusgewebe setzt Enzyme wie Matrixmetalloproteinasen (MMPs) und Kathepsine frei, die Knorpel und Knochensubstanz abbauen.
Neben der rheumatoiden Arthritis kann Pannusbildung auch bei anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen wie der juvenilen idiopathischen Arthritis oder der Psoriasisarthritis auftreten.
Symptome und klinische Bedeutung
Pannusgewebe verursacht keine eigenen, direkt spürbaren Symptome, führt aber zu den typischen Beschwerden der zugrundeliegenden Gelenkerkrankung:
- Gelenkschmerzen und Schwellungen, besonders morgens
- Morgensteifigkeit, die länger als eine Stunde andauert
- Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit
- Knorpelabbau und langfristige Gelenkdeformation
- Im fortgeschrittenen Stadium: Gelenkzerstörung und Verlust der Gelenkfunktion
Das aggressive Wachstum des Pannusgewebes ist ein wesentlicher Grund, warum die rheumatoide Arthritis ohne adäquate Behandlung zu dauerhaften Gelenk- und Funktionsschäden führen kann.
Diagnose
Die Diagnose von Pannusgewebe erfolgt überwiegend bildgebend:
- Magnetresonanztomografie (MRT): Die empfindlichste Methode zur frühzeitigen Darstellung von Pannusgewebe, Knorpelschäden und Knochenerosionen.
- Ultraschall: Ermöglicht die Beurteilung der Synovialmembranverdickung und des Pannuswachstums in Echtzeit, häufig mit Dopplersonografie zur Darstellung der erhöhten Durchblutung.
- Röntgenuntersuchung: Zeigt fortgeschrittene Knochenerosionen und Gelenkveränderungen, jedoch erst im späteren Krankheitsverlauf.
- Laboruntersuchungen: Erhöhte Entzündungsmarker (CRP, BSG), Rheumafaktor (RF) und Anti-CCP-Antikörper unterstützen die Diagnose der zugrundeliegenden Erkrankung.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündungsreaktion zu hemmen und das weitere Wachstum von Pannusgewebe zu stoppen. Folgende Therapieoptionen stehen zur Verfügung:
Medikamentöse Therapie
- Krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs): Methotrexat ist das Mittel der ersten Wahl und hemmt die Proliferation von Immunzellen sowie die Entzündungsreaktion.
- Biologika: TNF-α-Blocker (z. B. Adalimumab, Etanercept), IL-6-Inhibitoren (z. B. Tocilizumab) und andere biologische Wirkstoffe greifen gezielt in die Entzündungskaskade ein und können das Pannuswachstum effektiv bremsen.
- JAK-Inhibitoren: Neuere Präparate wie Tofacitinib hemmen intrazelluläre Signalwege, die die Entzündung fördern.
- Kortikosteroide: Werden zur kurzfristigen Entzündungshemmung eingesetzt, sind jedoch für eine Langzeittherapie wegen Nebenwirkungen weniger geeignet.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Physiotherapie: Erhalt der Gelenkbeweglichkeit und Muskelkräftigung
- Ergotherapie: Anpassung des Alltags zur Entlastung betroffener Gelenke
Operative Therapie
- Synovektomie: Operative oder arthroskopische Entfernung der entzündeten Gelenkinnenhaut und des Pannusgewebes bei therapieresistenten Fällen.
- Gelenkersatz: Bei weit fortgeschrittener Gelenkzerstörung kann ein künstliches Gelenk (Endoprothese) erforderlich sein.
Quellen
- Smolen JS, Aletaha D, McInnes IB. Rheumatoid arthritis. The Lancet, 2016;388(10055):2023–2038.
- Firestein GS. Evolving concepts of rheumatoid arthritis. Nature, 2003;423(6937):356–361.
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). S2e-Leitlinie: Therapie der rheumatoiden Arthritis. 2019. Verfügbar unter: https://www.dgrh.de
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