Patella alta: Ursachen, Symptome & Behandlung
Patella alta bezeichnet einen Hochstand der Kniescheibe, bei dem diese höher als normal im Kniegelenk sitzt. Dies kann Schmerzen, Instabilität und Knorpelschäden verursachen.
Wissenswertes über "Patella alta"
Patella alta bezeichnet einen Hochstand der Kniescheibe, bei dem diese höher als normal im Kniegelenk sitzt. Dies kann Schmerzen, Instabilität und Knorpelschäden verursachen.
Was ist Patella alta?
Patella alta bezeichnet eine anatomische Variante, bei der die Kniescheibe (Patella) höher als normal im Kniegelenk positioniert ist. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „hohe Kniescheibe“. Bei einer normalen Kniegelenksanatomie gleitet die Kniescheibe in einer Knochenrinne am Oberschenkelknochen (Femur), der sogenannten Trochlea. Bei Patella alta ist diese Führung gestört, da die Kniescheibe zu weit oben liegt und nicht optimal in die Knochenrinne eingreift.
Ursachen
Die Ursachen für Patella alta können angeboren oder erworben sein:
- Angeborene Variante: Viele Betroffene haben die anatomische Besonderheit von Geburt an.
- Verlängertes Ligamentum patellae: Das Kniescheibenband, das die Patella mit dem Schienbeinknochen verbindet, ist zu lang.
- Muskuläre Dysbalancen: Schwäche oder Ungleichgewicht der Oberschenkelmuskulatur kann zur Fehlstellung beitragen.
- Skelettale Entwicklungsstörungen: Wachstumsbedingte Veränderungen im Kindes- und Jugendalter.
- Spastizität: Bei neurologischen Erkrankungen wie der Zerebralparese kann eine Spastik des M. rectus femoris zu Patella alta führen.
Symptome
Patella alta bleibt nicht immer symptomatisch, kann aber folgende Beschwerden verursachen:
- Knieschmerzen: Vor allem vorne am Knie, besonders beim Treppensteigen, Hocken oder längerem Sitzen.
- Patellainstabilität: Die Kniescheibe neigt zu Luxationen (Auskugelungen) oder Subluxationen (teilweises Herausspringen).
- Patellofemorales Schmerzsyndrom: Schmerzen im Bereich zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen.
- Knorpelschäden: Durch die fehlerhafte Belastung kann der Gelenkknorpel langfristig geschädigt werden.
- Schwellung und Ergüsse: Reizzustände im Kniegelenk können zu Schwellungen führen.
Diagnose
Die Diagnose von Patella alta erfolgt klinisch und bildgebend:
Klinische Untersuchung
Der Arzt prüft die Position der Kniescheibe, die Beweglichkeit des Kniegelenks sowie die Stabilität der Patella. Typisch ist das sogenannte „Hopping-Patella-Zeichen“, bei dem die Kniescheibe bei der Kniebeugung spät in die Trochlearinne eingreift.
Bildgebende Verfahren
Zur Bestimmung des Patellastands werden standardisierte Röntgenaufnahmen des Kniegelenks in seitlicher Ansicht verwendet. Folgende Indizes werden dabei berechnet:
- Insall-Salvati-Index: Verhältnis der Länge des Ligamentum patellae zur Länge der Patella. Ein Wert über 1,2 gilt als Patella alta.
- Caton-Deschamps-Index: Verhältnis des Abstands von der Patellaunterkante zur Tibiavorderkante zur Patellagelenkflächenlänge. Ein Wert über 1,2 weist auf Patella alta hin.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Zur Beurteilung von Knorpelschäden, Sehnen und Weichteilstrukturen.
Behandlung
Konservative Therapie
Bei leichteren Fällen ohne ausgepägte Instabilität wird zunächst konservativ behandelt:
- Physiotherapie: Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur (insbesondere M. vastus medialis obliquus) zur Stabilisierung der Patella.
- Orthesen und Bandagen: Spezielle Knieorthesen oder Patellagleitschienen können die Kniescheibe in ihrer Position stabilisieren.
- Schmerztherapie: Entzündungshemmende Medikamente (NSAR) bei akuten Schmerzen.
- Aktivitätsanpassung: Vermeidung von belastenden Sportarten während der akuten Phase.
Operative Therapie
Bei häufigen Luxationen, schweren Knorpelschäden oder Versagen der konservativen Therapie kann ein operativer Eingriff notwendig sein:
- Tuberositas-tibiae-Versetzung (TTT): Der Ansatzpunkt des Kniescheibenbandes am Schienbein wird nach distal (unten) versetzt, um die Kniescheibe tiefer zu positionieren.
- Patellabandkürzung: Operatives Verkürzen des Ligamentum patellae.
- MPFL-Rekonstruktion: Wiederherstellung des medialen patellofemoralen Ligaments bei gleichzeitiger Instabilität.
Quellen
- Dejour H, Walch G, Nove-Josserand L, Guier C. Factors of patellar instability: an anatomic radiographic study. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy. 1994;2(1):19-26.
- Insall J, Salvati E. Patella position in the normal knee joint. Radiology. 1971;101(1):101-104.
- Caton JH, Deschamps G. Patella infera and patella alta. Revue de chirurgie orthopedique et traumatologique. 2014;100(4 Suppl):S181-S189.
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