Patella baja: Ursachen, Symptome & Behandlung
Patella baja beschreibt einen tief stehenden Kniescheibenstand. Dies kann Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Knieprobleme verursachen.
Wissenswertes über "Patella baja"
Patella baja beschreibt einen tief stehenden Kniescheibenstand. Dies kann Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Knieprobleme verursachen.
Was ist Patella baja?
Patella baja (auch Patella infera genannt) bezeichnet eine pathologische Tiefstellung der Kniescheibe (Patella) im Verhältnis zum Kniegelenk. Im Gegensatz zur normalen Position gleitet die Kniescheibe dabei zu weit nach unten, was zu einer Fehlfunktion des Kniegelenks führen kann. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen: "patella" bedeutet Kniescheibe, "baja" bedeutet tief oder niedrig.
Ursachen
Patella baja kann verschiedene Ursachen haben. Häufig entsteht sie als Folge von chirurgischen Eingriffen oder Verletzungen am Knie:
- Postoperative Vernarbungen: Nach Knieoperationen (z. B. Kreuzbandrekonstruktion, Kniegelenkersatz) können Narbengewebe und Fibrose die Kniescheibe nach unten ziehen.
- Patellasehnenverlürzung: Eine Verkürzung oder Fibrose der Patellasehne ist eine der häufigsten Ursachen.
- Infrapatellaere Kontraktur: Eine Vernarbung des Fettgewebes unterhalb der Kniescheibe (Hoffa-Fettkissen) kann ebenfalls zu Patella baja führen.
- Langzeitimmobilisierung: Längere Ruhigstellung des Kniegelenks nach Verletzungen oder Operationen.
- Chronische Entzündungen: Rheumatische Erkrankungen können in seltenen Fällen eine Rolle spielen.
- Kongenitale Ursachen: In seltenen Fällen ist die Tiefstellung der Kniescheibe angeboren.
Symptome
Die Symptome einer Patella baja können je nach Schweregrad variieren. Typische Beschwerden umfassen:
- Schmerzen im vorderen Kniebereich, besonders beim Treppensteigen, Knien oder Hocken
- Eingeschränkte Kniebeweglichkeit (insbesondere bei der Beugung)
- Schwellungen und Steifheit des Kniegelenks
- Gefühl der Instabilität im Knie
- Muskelschwund (Atrophie) des Quadrizepsmuskels durch Schonhaltung
- Knirschende oder reibende Geräusche beim Bewegen des Knies (Krepitation)
Diagnose
Die Diagnose von Patella baja erfolgt anhand klinischer Untersuchung und bildgebender Verfahren:
Klinische Untersuchung
Der Arzt bewertet die Beweglichkeit des Kniegelenks, tastet die Kniescheibe ab und prüft die Muskelkraft und Stabilität des Gelenks.
Bildgebende Verfahren
- Röntgenaufnahme: Die Standardmethode zur Beurteilung der Kniescheibenposition. Mit standardisierten Messindizes wie dem Insall-Salvati-Index oder dem Caton-Deschamps-Index wird das Verhältnis der Patellasehnenlänge zur Patellaposition bestimmt. Ein Wert unter 0,8 gilt als Hinweis auf Patella baja.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Liefert detaillierte Informationen über Weichteilstrukturen, Vernarbungen und den Knorpelzustand.
- Ultraschall: Kann zur Beurteilung der Patellasehne und umgebenden Weichteile eingesetzt werden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und den Beschwerden des Patienten.
Konservative Therapie
- Physiotherapie: Gezieltes Übungsprogramm zur Verbesserung der Kniebeweglichkeit, Dehnung der Patellasehne und Stärkung der umgebenden Muskulatur.
- Manuelle Therapie: Mobilisierung der Kniescheibe durch spezialisierte Physiotherapeuten.
- Schmerztherapie: Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten (z. B. NSAR) bei Bedarf.
- Orthesen und Hilfsmittel: Spezielle Knieorthesen können die Funktion unterstützen.
Operative Therapie
Bei schweren Fällen oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine Operation notwendig sein:
- Narbenlösung (Arthrolyse): Arthroskopische oder offene Entfernung von Narbengewebe und Verwachsungen, um die Kniescheibenbeweglichkeit wiederherzustellen.
- Patellasehnenverlängerung: Operative Verlängerung der Patellasehne bei schwerer Verkürzung.
- Tibiatuberkelverlagerung: In ausgewählten Fällen kann der Knochenansatz der Patellasehne (Tuberositas tibiae) operativ versetzt werden.
Prognose
Die Prognose von Patella baja hängt von der Ursache, dem Schweregrad und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. Frühzeitige physiotherapeutische Maßnahmen nach Knieoperationen können der Entstehung einer Patella baja wirksam vorbeugen. Bei rechtzeitiger Therapie ist in vielen Fällen eine deutliche Verbesserung der Beschwerden und Gelenkfunktion möglich.
Quellen
- Insall J, Salvati E. - Patella position in the normal knee joint. Radiology. 1971;101(1):101-104.
- Caton J, Deschamps G, Chambat P, Lerat JL, Dejour H. - Patella infera. A propos of 128 cases. Revue de Chirurgie Orthopédique. 1982;68(5):317-325.
- Maffulli N, Longo UG, Denaro V. - Novel approaches for the management of tendinopathy. Journal of Bone and Joint Surgery. 2010;92(15):2604-2613.
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