Pathologische Fraktur – Ursachen, Symptome & Therapie
Eine pathologische Fraktur ist ein Knochenbruch, der durch eine vorbestehende Erkrankung des Knochens entsteht – oft ohne große äußere Gewalteinwirkung.
Wissenswertes über "Pathologische Fraktur"
Eine pathologische Fraktur ist ein Knochenbruch, der durch eine vorbestehende Erkrankung des Knochens entsteht – oft ohne große äußere Gewalteinwirkung.
Was ist eine pathologische Fraktur?
Eine pathologische Fraktur bezeichnet einen Knochenbruch, der nicht durch ein adäquates Trauma – also eine dem Knochen angemessene Krafteinwirkung – entsteht, sondern durch eine bereits bestehende Erkrankung des Knochengewebes. Der Knochen ist dabei so stark geschädigt oder geschwächt, dass bereits geringe Belastungen, Alltagsbewegungen oder sogar spontan auftretende Kräfte einen Bruch ausgelöst werden können. Pathologische Frakturen sind von großer klinischer Bedeutung, da sie häufig auf eine schwerwiegende Grunderkrankung hinweisen.
Ursachen
Die häufigsten Ursachen einer pathologischen Fraktur lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:
Osteoporose
Die Osteoporose (Knochenschwund) ist weltweit die häufigste Ursache pathologischer Frakturen. Dabei nimmt die Knochendichte so stark ab, dass Wirbelkörper, Hüfte und Handgelenk besonders gefährdet sind. Bereits leichte Belastungen können hier zu Brüchen führen.
Knochenmetastasen
Krebserkrankungen wie Brust-, Prostata-, Lungen-, Nieren- oder Schilddrüsenkrebs können Metastasen im Knochen bilden. Diese schwachen den Knochen lokal, sodass pathologische Frakturen insbesondere an der Wirbelsäule, dem Oberschenkelknochen und dem Oberarmknochen auftreten können.
Primäre Knochentumoren
Gutartige oder bösartige primäre Knochentumoren (z. B. Osteosarkom, Ewing-Sarkom, Enchondrom, Knochenzysten) können ebenfalls die Stabilität des Knochens so stark beeinträchtigen, dass es zu einem Bruch kommt.
Infektionen des Knochens
Eine Osteomyelitis (Knocheninfektion) kann das Knochengewebe lokal zerstören und damit das Risiko einer pathologischen Fraktur erhöhen.
Stoffwechselerkrankungen
Erkrankungen wie Morbus Paget, Hyperparathyreoidismus, Osteomalazie oder Niereninsuffizienz beeinflussen den Knochenstoffwechsel und können zu einer erhöhten Bruchneigung führen.
Weitere Ursachen
- Langzeitanwendung von Kortikosteroiden (medikamentöse Osteoporose)
- Strahlentherapie (Strahlenosteose)
- Seltene genetische Erkrankungen wie Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit)
Symptome
Die Symptome einer pathologischen Fraktur sind ähnlich wie bei einem traumatischen Knochenbruch, allerdings treten sie oft ohne erkennbares Trauma auf:
- Plötzlich einsetzende, starke Schmerzen im betroffenen Bereich
- Schwellung und lokale Druck- oder Klopfschmerzhaftigkeit
- Eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Körperteils
- Sichtbare Fehlstellung oder Verformung
- Bei Wirbelkörperfrakturen: Rückenschmerzen, Körpergrößenverlust, Rundrücken (Kyphose)
- In schweren Fällen: neurologische Ausfälle durch Nervenkompression
Wichtig ist, dass dem Bruch häufig bereits eine längere Schmerzphase im betroffenen Knochen vorausgeht, die auf die Grunderkrankung hindeutet.
Diagnose
Die Diagnose einer pathologischen Fraktur erfordert sowohl den Nachweis des Knochenbruchs als auch die Abklärung der Grunderkrankung:
- Röntgenaufnahme: Erste Bildgebung zur Darstellung der Fraktur und möglicher Knochenveränderungen
- Computertomographie (CT): Detaillierte Beurteilung der Fraktur und des umliegenden Gewebes
- Magnetresonanztomographie (MRT): Besonders geeignet zur Darstellung von Tumoren, Metastasen und Knochenmarkinfiltrationen
- Skelettszintigraphie: Zur Suche nach weiteren Knochenläsionen im Körper
- Blutuntersuchungen: Knochenstoffwechselmarker, Tumormarker, Kalziumspiegel, Blutbild
- Biopsie: Gewebeentnahme zur histologischen Sicherung bei Tumorverdacht
Behandlung
Die Behandlung richtet sich immer nach der Grunderkrankung sowie der Lokalisation und dem Ausmaß der Fraktur:
Konservative Behandlung
Bei stabilen Frakturen und bestimmten Grunderkrankungen (z. B. Osteoporose) kann eine konservative Therapie mit Ruhigstellung, Schmerztherapie und spezifischer Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Bisphosphonate, Kalzium, Vitamin D) erfolgen.
Operative Behandlung
Häufig ist eine operative Stabilisierung notwendig. Mögliche Verfahren umfassen:
- Osteosynthese: Stabilisierung mit Nägeln, Platten oder Schrauben
- Endoprothese: Gelenkersatz bei bestimmten Frakturtypen (z. B. Hüftprothese)
- Vertebroplastie / Kyphoplastie: Minimal-invasive Stabilisierung von Wirbelkörperfrakturen durch Knochenzement
Onkologische Therapie
Bei Tumorerkrankungen wird die Frakturbehandlung mit einer systemischen Therapie kombiniert, z. B. Chemotherapie, Strahlentherapie oder Bisphosphonat-Therapie (z. B. Zoledronsäure), um weitere Knochenkomplikationen zu verhindern.
Rehabilitation
Nach der Behandlung ist eine gezielte physiotherapeutische Rehabilitation wichtig, um die Mobilität wiederherzustellen, Folgeschäden zu minimieren und weiteren Frakturen vorzubeugen.
Quellen
- Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF: S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patienten, 2020. Verfügbar unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de
- Bartl, R.: Osteoporose – Prävention, Diagnostik, Therapie. 5. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2022.
- Coleman, R.E. et al.: Bone health in cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines. Annals of Oncology, 2020;31(12):1650–1663.
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