Paukenröhrchen – Eingriff, Wirkung & Risiken
Paukenröhrchen sind kleine Röhrchen, die bei Mittelohrerkrankungen ins Trommelfell eingesetzt werden, um eine dauerhafte Belüftung des Mittelohrs zu ermöglichen.
Wissenswertes über "Paukenröhrchen"
Paukenröhrchen sind kleine Röhrchen, die bei Mittelohrerkrankungen ins Trommelfell eingesetzt werden, um eine dauerhafte Belüftung des Mittelohrs zu ermöglichen.
Was sind Paukenröhrchen?
Paukenröhrchen (medizinisch: Tympanostomieröhrchen) sind winzige, zylindrische Röhrchen, die durch einen kleinen Schnitt ins Trommelfell eingesetzt werden. Sie stellen eine dauerhafte Verbindung zwischen dem äußeren Gehörgang und dem Mittelohr her und ermöglichen so eine kontinuierliche Belüftung. Dies verhindert die Ansammlung von Flüssigkeit hinter dem Trommelfell und senkt den Druck im Mittelohr.
Warum werden Paukenröhrchen eingesetzt?
Der häufigste Grund für den Einsatz von Paukenröhrchen ist ein Sekretohr (Otitis media mit Erguss), bei dem sich zähflüssige Flüssigkeit im Mittelohr ansammelt, ohne dass eine akute Entzündung vorliegt. Darüber hinaus werden sie bei folgenden Zuständen verwendet:
- Wiederkehrende akute Mittelohrentzündungen (mehr als 3-4 Episoden pro Jahr)
- Chronischer Mittelohrerguß mit Hörminderung
- Tube-Dysfunktion (gestörte Belüftung über die Eustachische Röhre)
- Barotrauma nach Tauchunfällen oder Flugreisen
Ursachen der zugrundeliegenden Erkrankungen
Die Erkrankungen, die zur Implantation von Paukenröhrchen führen, haben meist mehrere Ursachen:
- Tubenstörung: Die Eustachische Röhre verbindet das Mittelohr mit dem Rachen und reguliert den Druck. Bei Kindern ist sie anatomisch kürzer und horizontaler, was Infektionen und Belüftungsstörungen begünstigt.
- Adenoide: Vergrößerte Rachenmandeln können die Eustachische Röhre blockieren.
- Allergien und Infekte: Häufige Atemwegsinfektionen oder Allergien fördern Entzündungen im Mittelohrbereich.
Der Eingriff: Wie werden Paukenröhrchen eingesetzt?
Die Operation wird als Myringotomie mit Einlage eines Tympanostomieröhrchens bezeichnet und ist einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe im Kindesalter. Der Ablauf ist wie folgt:
- In der Regel erfolgt der Eingriff unter Kurznarkose, bei Erwachsenen oft auch in örtlicher Betäubung.
- Der Arzt macht einen winzigen Schnitt (Myringotomie) ins Trommelfell.
- Vorhandene Flüssigkeit wird abgesaugt.
- Das Röhrchen wird in den Schnitt eingesetzt und hält sich durch seine Form selbst an Ort und Stelle.
- Der Eingriff dauert meist nur wenige Minuten.
Wie lange verbleiben Paukenröhrchen im Ohr?
Es gibt zwei Haupttypen von Paukenröhrchen:
- Kurzzeit-Röhrchen (Grommet): Diese verbleiben meist 6 bis 18 Monate im Trommelfell und fallen danach von selbst heraus, während das Trommelfell sich schließt.
- Langzeit-Röhrchen (T-Röhrchen): Diese sind für eine längere Verweildauer (mehrere Jahre) konzipiert und müssen in der Regel chirurgisch entfernt werden.
Vorteile und erwartete Ergebnisse
Nach der Einlage von Paukenröhrchen berichten die meisten Patienten von einer deutlichen Verbesserung:
- Reduktion von Hörminderungen durch verbesserte Schallleitung
- Weniger Häufigkeit und Schwere von Mittelohrentzündungen
- Verbesserung der Sprachentwicklung bei Kleinkindern
- Linderung von Druckgefühl und Ohrenschmerzen
Risiken und mögliche Komplikationen
Paukenröhrchen gelten als sicheres und routinemäßiges Verfahren. Dennoch können folgende Komplikationen auftreten:
- Ohrfluss (Otorrhoe): Flüssigkeit oder Sekret kann durch das Röhrchen abfließen; dies ist häufig, aber meist harmlos.
- Frühzeitiger Ausfall: Das Röhrchen kann vor Ablauf der gewünschten Zeit herausfallen.
- Persistierende Trommelfellperforation: Selten schließt sich das Trommelfell nach dem Herausfallen des Röhrchens nicht vollständig.
- Narbenbildung (Tympanosklerose): Kalkablagerungen im Trommelfell.
- Infektionsrisiko durch Wasser im Ohr; daher oft Empfehlung, Ohrstöpsel beim Schwimmen zu verwenden.
Paukenröhrchen bei Kindern
Kinder sind die häufigste Patientengruppe. Da die Eustachische Röhre bei Kleinkindern noch nicht vollständig ausgereift ist, neigen sie besonders zu Mittelohrerkrankungen. Paukenröhrchen können bei Kindern mit chronischem Mittelohrerguss die Sprachentwicklung und das Hörvermögen wesentlich verbessern. Die Entscheidung für den Eingriff sollte immer gemeinsam mit einem HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohren-Arzt) und den Eltern getroffen werden.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC): Leitlinie Sekretohr (Otitis media mit Erguss) im Kindesalter, AWMF-Register Nr. 017/004.
- Rosenfeld RM et al. - Clinical Practice Guideline: Tympanostomy Tubes in Children. Otolaryngology-Head and Neck Surgery, 2013; 149(1 Suppl):S1-S35.
- Bluestone CD, Klein JO - Otitis Media in Infants and Children. 4th ed. BC Decker, 2007.
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