PCSK9-Hemmer: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
PCSK9-Hemmer sind moderne Medikamente zur Senkung des LDL-Cholesterins. Sie werden eingesetzt, wenn Statine nicht ausreichen oder nicht vertragen werden.
Wissenswertes über "PCSK9 Hemmer"
PCSK9-Hemmer sind moderne Medikamente zur Senkung des LDL-Cholesterins. Sie werden eingesetzt, wenn Statine nicht ausreichen oder nicht vertragen werden.
Was sind PCSK9-Hemmer?
PCSK9-Hemmer (auch PCSK9-Inhibitoren genannt) sind eine Klasse von Medikamenten, die zur Behandlung von erhöhtem LDL-Cholesterin eingesetzt werden. Der Name leitet sich vom Zielmolekül ab: Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9) – ein Enzym, das eine wichtige Rolle im Cholesterinstoffwechsel spielt. PCSK9-Hemmer gehören zu den wirksamsten verfügbaren Therapien zur LDL-Senkung und werden insbesondere bei Patienten eingesetzt, die mit Statinen allein keine ausreichende Cholesterinkontrolle erreichen.
Wirkmechanismus
Die Leber besitzt auf ihrer Oberfläche sogenannte LDL-Rezeptoren, die LDL-Cholesterin aus dem Blut aufnehmen und so den Cholesterinspiegel regulieren. Das Enzym PCSK9 bindet an diese Rezeptoren und führt zu deren Abbau – dadurch stehen weniger Rezeptoren zur Verfügung, und der LDL-Spiegel im Blut steigt.
PCSK9-Hemmer blockieren diesen Mechanismus: Sie binden an PCSK9 und verhindern, dass das Enzym die LDL-Rezeptoren zerstört. Die Folge ist eine erhöhte Anzahl aktiver LDL-Rezeptoren auf der Leberzëlleoberfläche, was zu einer deutlichen Senkung des LDL-Cholesterins im Blut führt – in klinischen Studien um bis zu 60–70 %.
Indikationen
PCSK9-Hemmer werden hauptsächlich in folgenden Situationen eingesetzt:
- Familiäre Hypercholesterinämie: eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der das LDL-Cholesterin stark erhöht ist
- Statin-Unverträglichkeit: Patienten, die Statine nicht tolerieren oder bei denen Statine kontraindiziert sind
- Unzureichende LDL-Senkung trotz maximaler Statin- und Ezetimib-Therapie
- Hohes kardiovaskuläres Risiko: z. B. nach Herzinfarkt oder Schlaganfall zur Sekundärprävention
Verfügbare Wirkstoffe
Derzeit sind in Deutschland folgende PCSK9-Hemmer zugelassen:
- Evolocumab (Repatha®): monoklonaler Antikörper, subkutane Injektion alle 2 oder 4 Wochen
- Alirocumab (Praluent®): monoklonaler Antikörper, subkutane Injektion alle 2 oder 4 Wochen
- Inclisiran (Leqvio®): ein sogenanntes siRNA-Molekül (Small Interfering RNA), das die PCSK9-Produktion in der Leber hemmt; Injektion zweimal jährlich
Dosierung und Anwendung
PCSK9-Hemmer werden als subkutane Injektion verabreicht, d. h. unter die Haut gespritzt. Die Injektion kann vom Patienten selbst mit einem Fertigpen oder einer Fertigspritze durchgeführt werden. Die Dosierungsintervalle variieren je nach Präparat:
- Evolocumab und Alirocumab: alle 2 oder 4 Wochen
- Inclisiran: zweimal jährlich (nach einer Startinjektion und einer Injektion nach 3 Monaten)
Nebenwirkungen
PCSK9-Hemmer werden im Allgemeinen gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:
- Lokale Reaktionen an der Injektionsstelle (Rötung, Schwellung, Schmerz)
- Nasopharyngitis (Erkältungssymptome)
- Rückenschmerzen
- In seltenen Fällen: neurokognitive Effekte (z. B. Gedächtnisstörungen – bisher nicht eindeutig belegt)
Im Gegensatz zu Statinen verursachen PCSK9-Hemmer keine Muskelschmerzen (Myopathie), was sie besonders für statinintolerante Patienten geeignet macht.
Klinische Evidenz
Die Wirksamkeit von PCSK9-Hemmern ist durch große klinische Studien gut belegt:
- Die FOURIER-Studie zeigte, dass Evolocumab bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall signifikant reduziert.
- Die ODYSSEY OUTCOMES-Studie belegte vergleichbare Ergebnisse für Alirocumab nach einem akuten Koronarsyndrom.
Kostenerstattung
Aufgrund der hohen Therapiekosten ist die Verschreibung von PCSK9-Hemmern in Deutschland an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten in der Regel nur bei nachgewiesener familiärer Hypercholesterinämie oder bei Patienten mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, die trotz leitliniengerechter Therapie die LDL-Zielwerte nicht erreichen.
Quellen
- Sabatine MS et al. - Evolocumab and Clinical Outcomes in Patients with Cardiovascular Disease (FOURIER Trial). New England Journal of Medicine, 2017.
- Schwartz GG et al. - Alirocumab and Cardiovascular Outcomes after Acute Coronary Syndrome (ODYSSEY OUTCOMES). New England Journal of Medicine, 2018.
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) - Nutzenbewertung von PCSK9-Inhibitoren, 2022. Verfügbar unter: www.g-ba.de
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