Peritonealkarzinose – Ursachen, Symptome & Therapie
Peritonealkarzinose bezeichnet die Ausbreitung von Krebszellen auf das Bauchfell. Sie tritt häufig als Folge von Magen-, Darm- oder Eierstock-Krebs auf.
Wissenswertes über "Peritonealkarzinose"
Peritonealkarzinose bezeichnet die Ausbreitung von Krebszellen auf das Bauchfell. Sie tritt häufig als Folge von Magen-, Darm- oder Eierstock-Krebs auf.
Was ist eine Peritonealkarzinose?
Die Peritonealkarzinose (auch: Peritoneale Karzinose) bezeichnet die Absiedlung von bösartigen Tumorzellen auf dem Peritoneum – dem Bauchfell, einer dünnen Gewebeschicht, die die Bauchhöhle auskleidet und die inneren Organe umgibt. Dabei handelt es sich um eine Form der Metastasierung, bei der Krebszellen aus einem primären Tumor in die Bauchhöhle gelangen und sich dort ansiedeln. Die Peritonealkarzinose gilt als fortgeschrittenes Krankheitsstadium und stellt eine besondere Herausforderung in der onkologischen Behandlung dar.
Ursachen und Entstehung
Die Peritonealkarzinose entsteht, wenn Tumorzellen aus einem primären Krebsherd in die Bauchhöhle streuen. Dies kann auf verschiedenen Wegen geschehen:
- Direktes Einwachsen: Ein Tumor wächst durch die Wand eines Organs und erreicht das Bauchfell.
- Hämatogene oder lymphogene Streuung: Tumorzellen werden über Blut- oder Lymphgefäße transportiert.
- Intraperitoneale Ausbreitung: Tumorzellen lösen sich vom primären Herd und werden durch die Bauchflüssigkeit (Aszites) im Bauchraum verteilt.
Die häufigsten Ausgangstumoren sind:
- Kolorektales Karzinom (Dickdarmkrebs)
- Magenkarzinom
- Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)
- Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs)
- Appendixkarzinom (Blinddarmkrebs, z.B. Pseudomyxoma peritonei)
- Seltener: Blasen-, Gebärmutter- oder Leberkrebs
Symptome
Im frühen Stadium verursacht eine Peritonealkarzinose oft keine oder nur unspezifische Beschwerden. Mit fortschreitender Erkrankung können folgende Symptome auftreten:
- Bauchschmerzen und Druckgefühl im Bauchraum
- Aszites (Ansammlung von Flüssigkeit im Bauch, sichtbare Bauchvergrößerung)
- Blähungen, Übelkeit und Erbrechen
- Veränderungen des Stuhlgangs (Verstopfung oder Durchfall)
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Appetitlosigkeit und allgemeine Schwäche
- Ileus (Darmverschluss) als schwerwiegende Komplikation
Diagnose
Die Diagnose einer Peritonealkarzinose erfolgt durch verschiedene Untersuchungen:
Bildgebende Verfahren
- CT (Computertomographie): Häufigste Methode zur Beurteilung der Ausbreitung im Bauchraum
- MRT (Magnetresonanztomographie): Ergänzend, besonders bei der Beurteilung von Weichteilen
- PET-CT: Zur Beurteilung der Stoffwechselaktivität von Tumorherden
Weitere diagnostische Maßnahmen
- Laparoskopie: Bauchspiegelung zur direkten Beurteilung und Gewebeentnahme (Biopsie)
- Aszitespunktion: Analyse der Bauchflüssigkeit auf Tumorzellen (Zytologie)
- Tumormarker im Blut (z.B. CEA, CA-125, CA 19-9)
Zur Einschätzung des Ausmaßes der Erkrankung wird häufig der Peritoneale Karzinoseindex (PCI) nach Sugarbaker verwendet, der die Ausdehnung der Tumoren auf dem Bauchfell in 13 Regionen bewertet und einen Wert von 0 bis 39 ergibt.
Behandlung
Die Behandlung der Peritonealkarzinose richtet sich nach dem Ausgangstumor, dem Ausmaß der Erkrankung, dem Allgemeinzustand des Patienten und den therapeutischen Zielen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen kurativen (heilenden) und palliativen (lindernden) Ansätzen.
Zytoreduktive Chirurgie (CRS)
Bei geeigneten Patienten kann eine zytoreduktive Operation durchgeführt werden, bei der alle sichtbaren Tumorherde im Bauchraum chirurgisch entfernt werden. Ziel ist eine vollständige oder weitgehend vollständige Tumorreduktion (sogenannte Zytoreduktion).
HIPEC (Hypertherme Intraperitoneale Chemotherapie)
Häufig wird die zytoreduktive Chirurgie mit der HIPEC kombiniert. Dabei wird eine auf etwa 41–43 °C erwärmte Chemotherapielösung direkt nach der Operation in die Bauchhöhle eingespiesen. Die Wärme erhöht die Wirksamkeit der Chemotherapie gegen verbleibende Tumorzellen und verbessert die Eindringtiefe des Medikaments in das Gewebe.
Systemische Chemotherapie
Bei nicht operablen Fällen oder ergänzend zur Operation wird eine systemische Chemotherapie eingesetzt. Das Therapieschema richtet sich nach dem Ausgangstumor (z.B. FOLFOX oder FOLFIRI bei Darmkrebs, Carboplatin/Paclitaxel bei Eierstockkrebs).
Targeted Therapy und Immuntherapie
Je nach Tumorbiologie können zusätzlich zielgerichtete Therapien (z.B. Bevacizumab, Cetuximab) oder Immuntherapien (z.B. Checkpoint-Inhibitoren) eingesetzt werden.
Palliative Maßnahmen
Bei fortgeschrittener Erkrankung stehen die Linderung von Beschwerden und die Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund. Dazu zählen die Behandlung von Aszites, Schmerztherapie sowie ernährungsmedizinische Unterstützung.
Prognose
Die Prognose der Peritonealkarzinose hängt stark vom Ausgangstumor, dem PCI-Wert und dem Therapieansatz ab. Bei sorgfältig ausgewählten Patienten, die eine vollständige zytoreduktive Chirurgie in Kombination mit HIPEC erhalten, konnten in Studien deutlich verbesserte Überlebenszeiten im Vergleich zur alleinigen systemischen Chemotherapie erzielt werden. Die frühzeitige Diagnose und eine interdisziplinäre Behandlung in einem spezialisierten Zentrum sind entscheidend für das Behandlungsergebnis.
Quellen
- Sugarbaker, P.H. (2016): Peritoneal Surface Oncology. Springer Verlag.
- Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF: S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom (2023). Verfügbar unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de
- Verwaal, V.J. et al. (2003): Randomized trial of cytoreduction and hyperthermic intraperitoneal chemotherapy versus systemic chemotherapy and palliative surgery in patients with peritoneal carcinomatosis of colorectal cancer. Journal of Clinical Oncology, 21(20), 3737–3743.
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