Photobiomodulation – Wirkung, Anwendung & Therapie
Photobiomodulation (PBM) ist eine lichtbasierte Therapieform, bei der rotes oder nahinfrarotes Licht zur Förderung von Heilungsprozessen, Schmerzlinderung und Geweberegeneration eingesetzt wird.
Wissenswertes über "Photobiomodulation"
Photobiomodulation (PBM) ist eine lichtbasierte Therapieform, bei der rotes oder nahinfrarotes Licht zur Förderung von Heilungsprozessen, Schmerzlinderung und Geweberegeneration eingesetzt wird.
Was ist Photobiomodulation?
Die Photobiomodulation (PBM), auch als Photobiomodulationstherapie (PBMT) bezeichnet, ist ein nicht-invasives medizinisches Verfahren, bei dem Licht im roten oder nahinfraroten Wellenlängenbereich (typischerweise 600–1100 nm) auf Körpergewebe angewendet wird. Im Gegensatz zu anderen Lichttherapien erzeugt PBM keine Wärme und wird daher auch als Kaltlasertherapie oder Low-Level-Lasertherapie (LLLT) bezeichnet. Das Verfahren wird zur Schmerzlinderung, Wundheilung, Entstauung und Regeneration von Gewebe eingesetzt.
Wirkmechanismus
Der biologische Wirkmechanismus der Photobiomodulation beruht auf der Absorption von Lichtphotonen durch spezifische Moleküle in den Körperzellen, sogenannte Chromophore. Das wichtigste Zielmolekuel ist Cytochrom-c-Oxidase, ein Enzym in den Mitochondrien – den Energiezentralen der Zelle.
- Lichtphotonen werden von der Cytochrom-c-Oxidase absorbiert und aktivieren die mitochondriale Atmungskette.
- Dies führt zu einer erhöhten Produktion von Adenosintriphosphat (ATP), dem Energieträger der Zelle.
- Gleichzeitig werden reaktive Sauerstoffspezies (ROS) in moderaten Mengen freigesetzt, die als Signalmoleküle wirken.
- In der Folge werden Wachstumsfaktoren, entzündungshemmende Zytokine und Reparaturprozesse aktiviert.
- Die Durchblutung im behandelten Gewebe wird verbessert, was die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen erhöht.
Anwendungsgebiete
Photobiomodulation wird in verschiedenen medizinischen Fachbereichen angewendet:
Schmerztherapie
PBM wird häufig bei chronischen und akuten Schmerzen eingesetzt, darunter Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Nackenschmerzen sowie bei Erkrankungen wie Fibromyalgie oder Arthritis. Die Therapie kann Entzündungen reduzieren und Nervenreizungen lindern.
Wundheilung und Dermatologie
In der Dermatologie und Wundversorgung fördert PBM die Regeneration von Haut- und Bindegewebe. Sie wird bei schwer heilenden Wunden, Dekubitus, Verbrennungen und nach operativen Eingriffen eingesetzt.
Sportmedizin und Rehabilitation
Im sportmedizinischen Bereich beschleunigt PBM die Erholung nach Muskelbelastungen, reduziert Muskelkater und unterstützt die Heilung von Sehnen- und Bänderverletzungen.
Neurologie
Aktuelle Forschungen untersuchen den Einsatz von PBM bei neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, traumatischen Hirnverletzungen und Depression. Die Ergebnisse sind vielversprechend, jedoch noch nicht abschließend belegt.
Zahnmedizin
In der Zahnmedizin wird PBM zur Behandlung von Mundschl&eimhautentzündungen (Mukositis), Wundschmerzen nach Extraktionen sowie bei Kiefergelenksbeschwerden verwendet.
Durchführung der Behandlung
Die Therapie wird mit speziellen Laser- oder LED-Geräten durchgeführt, die Licht einer definierten Wellenlänge und Energie auf das Gewebe abgeben. Die Behandlung ist in der Regel schmerzlos und dauert je nach Anwendungsbereich zwischen 5 und 30 Minuten. Mehrere Sitzungen sind meist erforderlich, um einen therapeutischen Effekt zu erzielen. Die genaue Dosierung – gemessen in Joule pro Quadratzentimeter (J/cm²) – ist entscheidend für den Therapieerfolg.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Photobiomodulation gilt als sehr sicheres Verfahren mit einem geringen Nebenwirkungsprofil. Bekannte Nebenwirkungen sind:
- Vorübergehende Hautrötung im behandelten Bereich
- Leichtes Kribbeln oder Wärmegefühl während der Behandlung
- In seltenen Fällen vorübergehende Verstärkung der Symptome zu Behandlungsbeginn
Die Therapie ist kontraindiziert bei direkter Bestrahlung von Tumorgewebe, in der Schwangerschaft (direkte Bestrahlung des Abdomens), bei photosensitiven Erkrankungen sowie über dem Schilddrüsengewebe bei bestimmten Vorerkrankungen.
Wissenschaftliche Evidenz
Die wissenschaftliche Datenlage zur Photobiomodulation ist wachsend. Zahlreiche klinische Studien und systematische Übersichtsarbeiten bestätigen positive Effekte bei Schmerz, Wundheilung und Entzündung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und verschiedene Fachgesellschaften erkennen PBM als ergänzende Therapieoption an. Dennoch sind für einzelne Indikationen noch großangelegte randomisierte kontrollierte Studien erforderlich, um die optimalen Behandlungsparameter zu standardisieren.
Quellen
- Hamblin, M. R. (2017). Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation. AIMS Biophysics, 4(3), 337–361. https://doi.org/10.3934/biophy.2017.3.337
- Chung, H. et al. (2012). The nuts and bolts of low-level laser (light) therapy. Annals of Biomedical Engineering, 40(2), 516–533. https://doi.org/10.1007/s10439-011-0454-7
- Anders, J. J., Lanzafame, R. J., & Arany, P. R. (2015). Low-level light/laser therapy versus photobiomodulation therapy. Photomedicine and Laser Surgery, 33(4), 183–184. https://doi.org/10.1089/pho.2015.9848
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