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Pica-Syndrom: Ursachen, Symptome und Behandlung

Das Pica-Syndrom ist eine Essstörung, bei der Betroffene anhaltend nicht essbare Substanzen verzehren. Es tritt bei Kindern, Schwangeren und Menschen mit Entwicklungsstörungen auf.

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Wissenswertes über "Pica-Syndrom"

Das Pica-Syndrom ist eine Essstörung, bei der Betroffene anhaltend nicht essbare Substanzen verzehren. Es tritt bei Kindern, Schwangeren und Menschen mit Entwicklungsstörungen auf.

Was ist das Pica-Syndrom?

Das Pica-Syndrom (auch Pica-Störung genannt) ist eine Essstörung, die durch den anhaltenden Verzehr von Substanzen ohne Nährwert gekennzeichnet ist. Betroffene essen Dinge wie Erde, Ton, Kreide, Sand, Papier, Haare, Seife, Eis oder Metall. Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen Wort für Elster (pica) ab, da Elstern bekannt dafür sind, verschiedenste Gegenstände aufzunehmen.

Die Störung wird im diagnostischen Manual DSM-5 sowie in der ICD-10/ICD-11 als eigenständige Essstörung klassifiziert. Sie kann in jedem Alter auftreten, ist jedoch besonders häufig bei Kleinkindern, Schwangeren und Menschen mit geistigen Behinderungen oder Entwicklungsstörungen zu beobachten.

Ursachen

Die genauen Ursachen des Pica-Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt. Verschiedene Faktoren werden als Auslöser diskutiert:

  • Nährstoffmangel: Vor allem ein Mangel an Eisen oder Zink wird häufig mit Pica in Verbindung gebracht. Der Körper versucht möglicherweise, fehlende Mineralstoffe durch das Essen ungewöhnlicher Substanzen zu kompensieren.
  • Psychische Faktoren: Stress, Angststörungen, Zwangsstörungen oder traumatische Erlebnisse können das Auftreten von Pica begünstigen.
  • Neurologische Besonderheiten: Bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen oder geistiger Behinderung tritt Pica deutlich häufiger auf.
  • Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen und veränderte Nährstoffbedarfe können in der Schwangerschaft Pica-ähnliches Verhalten auslösen.
  • Kulturelle und soziale Einflüsse: In einigen Kulturen gilt das Essen bestimmter Erden oder Tone als traditionelle Praxis.

Symptome

Das Hauptsymptom des Pica-Syndroms ist das wiederholte und anhaltende Essen von nicht essbaren oder nicht nahrhaften Substanzen über einen Zeitraum von mindestens einem Monat. Die konsumierten Substanzen variieren je nach Alter und kulturellem Hintergrund. Häufig konsumierte Substanzen umfassen:

  • Erde, Ton oder Sand (Geophagie)
  • Eis oder gefrorenes Wasser (Pagophagie)
  • Stärke oder Mehl (Amylophagie)
  • Haare oder Fasern (Trichophagie)
  • Papier, Kreide, Farbe oder Seife
  • Kohle, Asche oder Zigarettenstummel

Je nach verzehrter Substanz können Folgesymptome auftreten, darunter Bauchschmerzen, Verstopfung, Vergiftungserscheinungen (z. B. durch Blei in alten Farben), Darmverschluss oder Infektionen.

Diagnose

Die Diagnose des Pica-Syndroms erfolgt klinisch anhand der Krankengeschichte und Beobachtung des Verhaltens. Für eine gesicherte Diagnose müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Anhaltender Verzehr nicht essbarer Substanzen über mindestens einen Monat
  • Das Verhalten ist für das Entwicklungsalter unangemessen
  • Das Verhalten ist nicht kulturell akzeptiert oder normiert
  • Es besteht kein ausschließlicher Zusammenhang mit einer anderen psychischen Störung

Ergänzend werden Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Nährstoffwerten (z. B. Eisen, Zink, Ferritin) sowie bildgebende Verfahren zum Ausschluss von Darmverletzungen oder Vergiftungsfolgen durchgeführt.

Behandlung

Die Behandlung des Pica-Syndroms richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Störung:

Nährstoffergänzung

Falls ein Nährstoffmangel vorliegt (z. B. Eisenmangel), wird dieser gezielt behandelt. In vielen Fällen bessert sich das Pica-Verhalten nach einer erfolgreichen Supplementierung merklich.

Verhaltenstherapie

Kognitiv-behaviorale Therapie (KVT) und verhaltenstherapeutische Ansätze werden eingesetzt, um das unerwünschte Essverhalten zu reduzieren und durch gesündere Alternativen zu ersetzen.

Psychotherapie und psychiatrische Begleitung

Bei zugrundeliegenden psychischen Erkrankungen wie Zwangsstörungen, Angststörungen oder Traumafolgestörungen ist eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung notwendig.

Medikamentöse Therapie

In einigen Fällen können Medikamente wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt werden, besonders wenn Pica im Zusammenhang mit Zwangsstörungen auftritt.

Unterstützung bei Entwicklungsstörungen

Bei Kindern oder Erwachsenen mit Autismus oder geistiger Behinderung sind spezialisierte Betreuungskonzepte sowie die Zusammenarbeit mit Ergotherapeuten, Logopäden und Sonderpädagogen wichtig.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten einen Arzt aufsuchen, wenn ihr Kind regelmäßig nicht essbare Substanzen zu sich nimmt. Auch bei Erwachsenen, die solches Verhalten bei sich bemerken, ist eine ärztliche Abklärung dringend empfohlen, da Pica zu ernsthaften gesundheitlichen Schäden führen kann.

Quellen

  1. American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5). Arlington, VA, 2013.
  2. World Health Organization (WHO): International Classification of Diseases, 11th Revision (ICD-11). Genf, 2022. Verfügbar unter: https://icd.who.int
  3. Blinder BJ, Salama C: An update on pica: prevalence, contributing causes, and treatment. Psychiatric Times, 2008. Verfügbar unter: https://www.psychiatrictimes.com

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