PINP – Knochenmarker für Osteoporose
PINP (Prokollagen-Typ-I-N-terminales Propeptid) ist ein Blutmarker für den Knochenaufbau. Er wird bei der Diagnose und Verlaufskontrolle von Osteoporose eingesetzt.
Wissenswertes über "PINP"
PINP (Prokollagen-Typ-I-N-terminales Propeptid) ist ein Blutmarker für den Knochenaufbau. Er wird bei der Diagnose und Verlaufskontrolle von Osteoporose eingesetzt.
Was ist PINP?
PINP steht für Prokollagen-Typ-I-N-terminales Propeptid (englisch: Procollagen Type I N-terminal Propeptide). Es handelt sich dabei um ein Eiweißfragment, das bei der Bildung von Kollagen Typ I entsteht – dem wichtigsten Strukturprotein des Knochens. PINP gilt als einer der zuverlässigsten Labormarker für die Knochenneubildung (Knochenformation) und wird weltweit in der Diagnostik und Therapieüberwachung von Knochenerkrankungen eingesetzt.
Wie entsteht PINP?
Kollagen Typ I wird von spezialisierten Knochenzellen, den sogenannten Osteoblasten, produziert. Zunächst wird eine Vorläuferform – das Prokollagen – synthetisiert. Beim Umbau dieses Prokollagens zur reifen Kollagenfaser wird das N-terminale Propeptid (PINP) abgespalten und in die Blutbahn abgegeben. Der gemessene PINP-Spiegel im Blut spiegelt daher direkt die Aktivität der Osteoblasten und damit die Rate der Knochenneubildung wider.
Klinische Bedeutung und Anwendung
Osteoporose
PINP ist ein etablierter Knochenumbaumarker (Bone Turnover Marker, BTM) und wird von internationalen Fachgesellschaften wie der IOF (International Osteoporosis Foundation) und der IFCC (International Federation of Clinical Chemistry) als bevorzugter Marker für die Knochenneubildung empfohlen. Er wird eingesetzt zur:
- Frühzeitigen Einschätzung des Frakturrisikos
- Verlaufskontrolle einer Osteoporosetherapie (z. B. mit Bisphosphonaten, Denosumab oder Teriparatid)
- Beurteilung der Therapieeffizienz bereits nach 3–6 Monaten
Weitere Einsatzgebiete
Neben der Osteoporose wird PINP auch bei folgenden Erkrankungen und Zuständen bestimmt:
- Morbus Paget (Osteodystrophia deformans): erhöhte Knochenumbaurate
- Knochenmetastasen: bei Tumorerkrankungen (z. B. Prostata-, Brustkrebs) zur Verlaufskontrolle
- Primärer Hyperparathyreoidismus: übermäßige Nebenschilddrüsenfunktion
- Renale Osteopathie: Knochenveränderungen bei chronischer Nierenerkrankung
- Wachstumsbeurteilung bei Kindern und Jugendlichen: PINP-Werte sind in Wachstumsphasen physiologisch erhöht
Wie wird PINP gemessen?
PINP wird aus einer einfachen Blutprobe (Serum oder Plasma) bestimmt. Die Messung erfolgt mittels immunologischer Testverfahren (z. B. ELISA oder elektrochemilumineszenter Immunoassay). Es existieren zwei Hauptformen:
- Intaktes PINP: misst das vollständige trimere Propeptid – gilt als spezifischer und weniger anfällig für Nierenfunktionsstörungen
- Totales PINP: erfasst zusätzlich monomere Fragmente – häufig in Routinemessungen verwendet
Für eine optimale Vergleichbarkeit sollten Verlaufskontrollen stets mit derselben Messmethode und möglichst nüchtern am Morgen durchgeführt werden, da PINP gewissen tageszeitlichen Schwankungen unterliegt.
Referenzwerte
Die Referenzbereiche können je nach Labor und Messmethode variieren. Als allgemeine Richtwerte für Erwachsene gelten bei der Messung des intakten PINP:
- Frauen prämenopausal: ca. 20–76 μg/l
- Frauen postmenopausal: ca. 16–96 μg/l
- Männer: ca. 22–87 μg/l
Erhöhte Werte deuten auf eine gesteigerte Knochenbildungsrate hin, die physiologisch (z. B. bei Kindern oder nach Frakturen) oder pathologisch (z. B. bei Morbus Paget oder Knochenmetastasen) bedingt sein kann. Erniedrigte Werte können auf eine verminderte Osteoblastenaktivität und ein erhöhtes Frakturrisiko hinweisen.
PINP im Rahmen der Osteoporosetherapie
Ein besonders wichtiger Anwendungsbereich ist die Überwachung einer laufenden Osteoporosetherapie. Unter einer knochenaufbauenden Therapie mit Teriparatid (einem synthetischen Parathormon-Analogon) steigt PINP typischerweise stark an, was den therapeutischen Effekt bestätigt. Unter knochenabbau-hemmenden Therapien wie Bisphosphonaten oder Denosumab sinkt PINP hingegen deutlich, was auf eine reduzierte Knochenumbaurate schließen lässt. Ein ausbleibender Abfall kann auf mangelnde Therapieadhärenz oder Wirkungslosigkeit hindeuten.
Quellen
- Vasikaran S. et al. - Markers of bone turnover for the prediction of fracture risk and monitoring of osteoporosis treatment: a need for international reference standards. Osteoporosis International, 2011; 22(2):391–420.
- Kanis J.A. et al. - European guidance for the diagnosis and management of osteoporosis in postmenopausal women. Osteoporosis International, 2019; 30(1):3–44.
- World Health Organization (WHO) - Assessment of fracture risk and its application to screening for postmenopausal osteoporosis. WHO Technical Report Series 843, Geneva, 1994.
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