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Plasmacytoide dendritische Zellen (pDC) sind seltene Immunzellen, die bei viralen Infektionen große Mengen Typ-I-Interferone produzieren und eine zentrale Rolle in der angeborenen Immunabwehr spielen.
Plasmacytoide dendritische Zellen (pDC) sind seltene Immunzellen, die bei viralen Infektionen große Mengen Typ-I-Interferone produzieren und eine zentrale Rolle in der angeborenen Immunabwehr spielen.
Plasmacytoide dendritische Zellen (kurz: pDC) sind eine spezialisierte Untergruppe der dendritischen Zellen – einer Gruppe von Immunzellen, die zum angeborenen Immunsystem gehören. Sie wurden aufgrund ihrer morphologischen Ähnlichkeit mit Plasmazellen (antikörperproduzierenden B-Zellen) als „plasmacytoid“ bezeichnet. Im Blut machen sie nur etwa 0,1–0,5 % aller mononukleären Zellen aus und gehören damit zu den seltensten Immunzelltypen des menschlichen Körpers.
Trotz ihrer geringen Zahl sind pDC funktionell außergewöhnlich bedeutsam: Sie sind die wichtigsten Produzenten von Typ-I-Interferonen (insbesondere Interferon-alpha und Interferon-beta) im gesamten Immunsystem. Diese Botenstoffe sind essenziell für die frühe antivirale Abwehr des Körpers.
Plasmacytoide dendritische Zellen entstehen wie alle Blutzellen im Knochenmark aus pluripotenten hämatopoetischen Stammzellen. Im Vergleich zu anderen dendritischen Zellen durchlaufen sie eine besondere Differenzierung, bei der sowohl myeloische als auch lymphoide Vorläuferzellen beteiligt sein können – ihre genaue Abstammungslinie ist Gegenstand aktueller Forschung.
Im ruhenden Zustand zirkulieren pDC hauptsächlich im Blut und in den lymphatischen Organen (Milz, Lymphknoten, Thymus). Bei einer Infektion oder Entzündungsreaktion wandern sie in das betroffene Gewebe ein, wo sie ihre immunstimulierenden Funktionen ausüben.
Plasmacytoide dendritische Zellen erkennen pathogene Strukturen über sogenannte Mustererkennungsrezeptoren (engl. Pattern Recognition Receptors, PRR). Besonders wichtig sind dabei die Toll-like-Rezeptoren TLR7 und TLR9, die sich in intrazellulären Kompartimenten (Endosomen) befinden und einzelsträngige RNA (ssRNA) bzw. unmethylierte CpG-DNA erkennen – typische molekulare Muster von Viren und Bakterien.
Nach Aktivierung durch einen Erreger produzieren pDC innerhalb weniger Stunden enorme Mengen an Interferon-alpha (IFN-α) und Interferon-beta (IFN-β). Diese Zytokine wirken auf benachbarte Zellen und versetzen sie in einen antiviralen Zustand, hemmen die Virusreplikation und aktivieren natürliche Killerzellen (NK-Zellen) sowie zytotoxische T-Lymphozyten. Dieser Prozess ist entscheidend für die frühe Begrenzung viraler Infektionen.
Neben ihrer Rolle als Interferon-Produzenten können pDC auch als Antigen-präsentierende Zellen fungieren. Sie nehmen Antigene auf, verarbeiten sie und präsentieren sie auf MHC-I- und MHC-II-Molekülen, wodurch sie T-Lymphozyten aktivieren und so das adaptive Immunsystem in Gang setzen. Damit bilden sie eine wichtige Brücke zwischen der sofortigen angeborenen und der spezifischeren adaptiven Immunantwort.
Bei Infektionen mit Viren wie Influenza, HIV, SARS-CoV-2 oder Hepatitis C spielen pDC eine entscheidende Rolle. Sie sind häufig die erste Immunzellpopulation, die auf eine Virusinfektion reagiert, und tragen maßgeblich zur Kontrolle der frühen Virusausbreitung bei.
Eine übermäßige oder fehlgeleitete Aktivierung von pDC kann zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen beitragen. Insbesondere beim Systemischen Lupus erythematodes (SLE) produzieren pDC dauerhaft große Mengen IFN-α, ausgelöst durch eigene (körpereigene) Nukleinsäuren. Diese chronische Interferon-Produktion gilt als zentraler Treiber der Lupus-Pathogenese.
Plasmacytoide dendritische Zellen sind auch an der Regulation immunologischer Toleranz beteiligt. Sie können unter bestimmten Bedingungen regulatorische T-Zellen (Tregs) induzieren und so überschießende Immunreaktionen dämpfen. Dysfunktionale pDC werden mit der Entstehung von allergischen Erkrankungen und Asthma in Verbindung gebracht.
In Tumoren infiltrieren pDC das Tumorgewebe, werden dort jedoch häufig in einen tolerogenen (immunsuppressiven) Zustand versetzt. Dies kann die Tumorimmunabwehr schwächen. Gleichzeitig werden pDC als potenzielle Zielstrukturen für Krebsimpfstoffe und Immuntherapien erforscht.
In seltenen Fällen können pDC selbst entarten und ein blastenreiches plasmazytoide dendritische Zell-Neoplasma (BPDCN) bilden, eine seltene, aggressive hämatologische Erkrankung, die bevorzugt ältere Männer betrifft und Haut, Knochenmark und Blut befallen kann.
Plasmacytoide dendritische Zellen werden in der Regel durch Durchflusszytometrie identifiziert und charakterisiert. Typische Oberflächenmarker beim Menschen sind:
Die Messung von IFN-α-Spiegeln im Blut kann indirekt auf eine pDC-Aktivierung hinweisen und wird in der Diagnostik von SLE und verwandten Erkrankungen eingesetzt.
Aufgrund ihrer zentralen immunologischen Bedeutung sind pDC ein aktives Forschungsgebiet. Therapeutische Ansätze umfassen:
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