PMOS – Prämenstruelle Östrogensensitivität erklärt
PMOS (Prämenstruelle Östrogensensitivität) beschreibt eine Überempfindlichkeit gegenüber Östrogen in der zweiten Zyklusphäse, die zu starken prämenstruellen Beschwerden führt.
Wissenswertes über "PMOS"
PMOS (Prämenstruelle Östrogensensitivität) beschreibt eine Überempfindlichkeit gegenüber Östrogen in der zweiten Zyklusphäse, die zu starken prämenstruellen Beschwerden führt.
Was ist PMOS?
PMOS steht für Prämenstruelle Östrogensensitivität (englisch: Premenstrual Oestrogen Sensitivity). Es handelt sich um eine Form der prämenstruellen Erkrankung, bei der Betroffene besonders empfindlich auf den Anstieg des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus reagieren. Im Gegensatz zum klassischen Prämenstruellen Syndrom (PMS), das oft mit einem Abfall von Progesteron in Verbindung gebracht wird, steht bei PMOS die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Östrogen im Vordergrund.
Ursachen
Die genauen Ursachen von PMOS sind noch nicht vollständig erforscht. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse deuten jedoch auf folgende mögliche Mechanismen hin:
- Östrogendominanz: Ein relativ hoher Östrogenspiegel im Verhältnis zu Progesteron in der Lutealphase (zweite Zyklusphäse) kann Beschwerden auslösen.
- Rezeptorsensitivität: Bestimmte Frauen reagieren übersäuerlich empfindlich auf normale Östrogenspiegel, da ihre Hormonrezeptoren stärker ansprechen.
- Neurotransmitter-Interaktion: Östrogen beeinflusst Botenstoffe im Gehirn wie Serotonin und Dopamin. Eine veränderte Reaktion auf Östrogen kann das Gleichgewicht dieser Neurotransmitter stören.
- Genetische Faktoren: Eine familiäre Häufung legt eine genetische Komponente nahe.
- Umwelthormone (Xenooöstrogene): Chemikalien in der Umwelt, die östrogenartig wirken, können die Gesamtbelastung erhöhen.
Symptome
Die Symptome von PMOS treten typischerweise in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus auf, also nach dem Eisprung (Ovulation), und bessern sich mit dem Einsetzen der Menstruation. Typische Beschwerden umfassen:
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und emotionale Instabilität
- Angstgefühle und innere Unruhe
- Schlafstörungen
- Aufgeblähtes Gefühl, Wassereinlagerungen (Wasserretention)
- Brustspannen und Brustschmerzen
- Kopfschmerzen und Migräne
- Konzentrationsprobleme und geistige Ermüdung (Brain Fog)
- Verminderte Libido
- Hautveränderungen wie Akne
Diagnose
Die Diagnose von PMOS erfolgt vor allem durch eine sorgfältige klinische Beurteilung und Ausschlussdiagnostik. Es gibt keinen einzigen Bluttest, der PMOS eindeutig bestätigt. Folgende Schritte werden typischerweise eingesetzt:
- Symptomtagebuch: Das Aufzeichnen von Symptomen über mindestens zwei bis drei Menstruationszyklen ist entscheidend, um ein zyklusabhängiges Muster zu erkennen.
- Hormondiagnostik: Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Östrogen, Progesteron, FSH, LH und weiteren Hormonen, idealerweise in verschiedenen Zyklusphasen.
- Ausschluss anderer Erkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen, Depressionen, Angststörungen und andere Ursachen müssen ausgeschlossen werden.
- Progesteron-Test: In manchen Fällen wird ein Progesteron-Präparat probeweise eingesetzt, um die Reaktion des Körpers zu beobachten und PMOS von anderen prämenstruellen Störungen abzugrenzen.
Behandlung
Die Behandlung von PMOS richtet sich nach der Schwere der Symptome und wird individuell angepasst. Mögliche Ansätze umfassen:
Lebensstiländerungen
- Regelmäßige körperliche Bewegung zur Regulierung des Hormonhaushalts
- Reduzierung von Zucker, Alkohol und Koffein, die Östrogensensitivität verstärken können
- Erhöhte Zufuhr von Ballaststoffen zur Unterstützung der Östrogenausscheidung über den Darm
- Stressmanagement durch Techniken wie Yoga, Meditation oder Atemtherapie
Ernährungsergänzungen
- Magnesium: Kann Stimmungsschwankungen und Wassereinlagerungen lindern
- Vitamin B6: Unterstützt die Serotoninproduktion und kann prämenstruelle Symptome reduzieren
- Zink und Vitamin D: Spielen eine Rolle im Hormonhaushalt
Medizinische Therapie
- Bioidentisches Progesteron: Wird häufig zur Gegenregulation von Östrogeneffekten in der Lutealphase eingesetzt
- Hormonelle Verhütungsmittel: Können den Zyklus stabilisieren, allerdings sind individuelle Reaktionen unterschiedlich
- GnRH-Analoga: In schweren Fällen kann eine temporäre Unterdückung der Ovarialfunktion in Betracht gezogen werden
- Psychologische Unterstützung: Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann bei der Bewältigung emotionaler Symptome helfen
Abgrenzung zu PMS und PMDS
PMOS wird häufig mit dem Prämenstruellen Syndrom (PMS) oder der Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS) verwechselt oder gleichgesetzt. Während PMS ein breit gefächertes Spektrum prämenstrueller Beschwerden beschreibt und PMDS die schwere, psychiatrisch relevante Verlaufsform darstellt, bezieht sich PMOS spezifisch auf die übermäßige Reaktion des Körpers auf Östrogen als zugrunde liegenden Mechanismus. Eine genaue Diagnose ist für eine zielgerichtete Therapie wichtig.
Quellen
- Studd, J. & Nappi, R.E. (2012): Reproductive depression. Gynecological Endocrinology, 28(S1), 42-45. DOI: 10.3109/09513590.2012.651932
- World Health Organization (WHO): Mental health aspects of women's reproductive health. WHO Press, Genf, 2009.
- Dickerson, L.M., Mazyck, P.J. & Hunter, M.H. (2003): Premenstrual Syndrome. American Family Physician, 67(8), 1743-1752.
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