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Polymyalgia rheumatica: Ursachen, Symptome & Therapie

Polymyalgia rheumatica ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft und starke Schmerzen sowie Steifigkeit in Schultern, Nacken und Hüften verursacht.

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Wissenswertes über "Polymyalgia rheumatica"

Polymyalgia rheumatica ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft und starke Schmerzen sowie Steifigkeit in Schultern, Nacken und Hüften verursacht.

Was ist Polymyalgia rheumatica?

Polymyalgia rheumatica (PMR) ist eine entzündliche Erkrankung des rheumatischen Formenkreises, die vor allem Menschen über 50 Jahre betrifft. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß Schmerzen in vielen Muskeln. Trotz des Namens liegt die eigentliche Entzündung nicht in den Muskeln selbst, sondern in den Gelenken und umliegenden Schleimbeuteln. PMR ist eine der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen im höheren Alter.

Ursachen

Die genaue Ursache der Polymyalgia rheumatica ist bisher nicht vollständig geklärt. Es wird von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren ausgegangen:

  • Genetische Veranlagung: Bestimmte Genvarianten, insbesondere im Bereich des HLA-Gens (Humanes Leukozyten-Antigen), scheinen das Erkrankungsrisiko zu erhöhen.
  • Immunologische Faktoren: Das Immunsystem greift irrtümlich körpereigenes Gewebe an, was zu Entzündungen führt.
  • Umweltfaktoren: Virale Infektionen könnten bei manchen Patienten als Auslöser fungieren.
  • Alter: PMR tritt fast ausschließlich bei Menschen über 50 Jahren auf, wobei der Häufigkeitsgipfel zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr liegt.

Symptome

Die Beschwerden bei Polymyalgia rheumatica setzen häufig abrupt ein und sind charakteristisch:

  • Schmerzen und Steifigkeit im Bereich der Schultern, des Nackens und der Hüften
  • Morgensteifigkeit, die typischerweise länger als 45 Minuten anhält
  • Eingeschränkte Beweglichkeit, z. B. beim Anheben der Arme oder beim Aufstehen
  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Ungewollter Gewichtsverlust und leichtes Fieber
  • Nächtliche Schmerzen, die den Schlaf beeinträchtigen

Wichtig: Bei PMR sind die Muskeln selbst nicht entzündet, die Schmerzen entstehen durch Entzündungen in Gelenkkapseln und Schleimbeuteln.

Diagnose

Die Diagnose der Polymyalgia rheumatica wird in erster Linie klinisch gestellt, da es keinen spezifischen einzelnen Test gibt. Folgende Untersuchungen werden eingesetzt:

  • Blutuntersuchung: Erhöhte Entzündungsmarker wie Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) und C-reaktives Protein (CRP) sind typisch. Auch eine leichte Anämie kann vorliegen.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall oder MRT der betroffenen Gelenke können Entzündungen in Schleimbeuteln (Bursitis) und Sehnenscheiden sichtbar machen.
  • Klassifikationskriterien: Die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien (2012) helfen, die Diagnose zu sichern.
  • Ausschlussdiagnose: Andere Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Myositis oder Malignome müssen ausgeschlossen werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die enge Assoziation mit der Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis). Bis zu 20 % der PMR-Patienten entwickeln gleichzeitig oder im Verlauf eine Riesenzellarteriitis, die zu schwerwiegenden Komplikationen wie Sehverlust führen kann.

Behandlung

Die Behandlung der Polymyalgia rheumatica ist in der Regel sehr effektiv und beruht auf dem Einsatz von Kortikosteroiden (Glukokortikoide):

Kortikosteroidtherapie

Prednison oder Prednisolon sind die Mittel der ersten Wahl. Die Therapie beginnt mit einer mittleren Dosis (typischerweise 12,5 bis 25 mg/Tag) und wird über Monate bis Jahre schrittweise reduziert. Die meisten Patienten sprechen innerhalb weniger Tage deutlich auf die Behandlung an, was auch diagnostisch wegweisend ist.

Langzeitmanagement

  • Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 1 bis 2 Jahre, manchmal auch länger.
  • Regelmäßige Kontrollen der Entzündungsmarker und klinische Verlaufsbeurteilungen sind notwendig.
  • Bei Rückfällen (Rezidiven) wird die Kortisondosis vorübergehend wieder erhöht.
  • Zur Vorbeugung kortikosteroidbedingter Nebenwirkungen (z. B. Osteoporose) werden Kalzium und Vitamin D sowie ggf. Bisphosphonate empfohlen.

Biologika als Alternative

Bei Patienten, die Kortikosteroide nicht vertragen oder häufige Rückfälle haben, kann Tocilizumab (ein Interleukin-6-Rezeptor-Antagonist) als Alternative eingesetzt werden. Dieser Wirkstoff ist seit 2017 für die Riesenzellarteriitis und in manchen Fällen auch für PMR zugelassen.

Prognose

Die Prognose der Polymyalgia rheumatica ist im Allgemeinen gut. Mit adäquater Behandlung lassen sich die Symptome gut kontrollieren. Viele Patienten können die Kortikosteroidtherapie nach 1 bis 2 Jahren beenden. Rückfälle sind jedoch möglich und erfordern eine erneute oder verlängerte Therapie. Eine engmaschige ärztliche Begleitung ist daher wichtig, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden.

Quellen

  1. Dejaco C, Singh YP, Perel P et al. - 2015 Recommendations for the Management of Polymyalgia Rheumatica. Arthritis and Rheumatology, 2015.
  2. Hellmich B, Agueda A, Monti S et al. - 2018 Update of the EULAR Recommendations for the Management of Large Vessel Vasculitis. Annals of the Rheumatic Diseases, 2020.
  3. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) - Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Polymyalgia rheumatica, 2020.

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