Presswehen: Erklärung, Ablauf & Tipps
Presswehen sind die starken Wehen in der Austreibungsphase der Geburt, die das Kind durch den Geburtskanal treiben. Sie gehören zur Endphase der Geburt.
Wissenswertes über "Presswehen"
Presswehen sind die starken Wehen in der Austreibungsphase der Geburt, die das Kind durch den Geburtskanal treiben. Sie gehören zur Endphase der Geburt.
Was sind Presswehen?
Presswehen sind kräftige, regelmäßige Uteruskontraktionen, die in der sogenannten Austreibungsphase der Geburt auftreten. Diese Phase beginnt, sobald der Muttermund vollständig geöffnet ist (10 cm), und endet mit der Geburt des Kindes. Die Presswehen sind die intensivsten Wehen des gesamten Geburtsverlaufs und dienen dazu, das Kind durch den Geburtskanal nach außen zu befördern.
Ablauf und Merkmale
Während der Presswehen verspürt die Gebärende einen unwillkürlichen, starken Drang zu pressen, ähnlich wie beim Stuhlgang. Die Kontraktionen dauern in der Regel 60 bis 90 Sekunden und wiederholen sich alle 2 bis 4 Minuten. Der Bauch- und Beckenbodendruck verstärkt die Wirkung der Gebärmutterkontraktionen erheblich.
- Dauer einer einzelnen Wehe: 60–90 Sekunden
- Abstand zwischen den Wehen: 2–4 Minuten
- Intensität: höher als bei Eröffnungswehen
- Begleitet von unwillkürlichem Pressdrang
Unterschied zu Eröffnungswehen
Während die Eröffnungswehen den Muttermund weiten, haben Presswehen die Aufgabe, das Kind aktiv durch den Geburtskanal zu schieben. Die Presswehen sind in der Regel stärker, länger und häufiger als die vorangegangenen Wehen.
Aktives Mitpressen
Die Gebärende wird von der Hebamme oder dem ärztlichen Personal angeleitet, das unwillkürliche Pressen durch gezielte Atemtechnik und Körperhaltung zu unterstützen. Das aktive Mitpressen beim Höhepunkt einer Wehe kann die Geburtsdauer der Austreibungsphase verkürzen. Verschiedene Gebärpositionen wie Hocken, Vielfüßlerstand oder die Rückenlage können die Effektivität der Presswehen beeinflussen.
Atemtechniken beim Pressen
- Tief einatmen zu Beginn der Wehe
- Luft anhalten und nach unten pressen (Valsalva-Maneuver)
- Ruhiges Ausatmen nach der Wehe
Medizinische Überwachung
Während der Austreibungsphase werden Mutter und Kind engmaschig überwacht. Die Herztöne des Kindes werden per Kardiotokografie (CTG) kontrolliert, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen. Bei Auffälligkeiten kann die Geburtsbegleitung eingreifen, zum Beispiel mit einem Kaiserschnitt (Sectio caesarea) oder einer Saugglocken- oder Zangengeburt.
Mögliche Komplikationen
In seltenen Fällen können Probleme während der Austreibungsphase auftreten, die ein ärztliches Eingreifen erfordern:
- Protrahierte Austreibungsphase: Die Pressphase dauert länger als medizinisch empfohlen (mehr als 2 Stunden bei Erstgebärenden, mehr als 1 Stunde bei Mehrfachgebärenden)
- Fötale Herzratenveränderungen: Zeichnen sich im CTG ab und können auf Sauerstoffmangel hinweisen
- Schulterdystokie: Erschwertes Eintreten der Schultern des Kindes in den Geburtskanal
Schmerzlinderung
Die Presswehen sind in der Regel sehr schmerzhaft. Zur Schmerzlinderung stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Periduralanästhesie (PDA): Rückenmarksnahe Betäubung, die den Schmerz stark reduziert
- Lachgas (Distickstoffmonoxid): Inhalative Schmerzlinderung
- Wassergeburt: Warm wasser kann entspannend wirken
- Massage und Gegendrucktechniken: Unterstützung durch Begleitpersonen oder Hebammen
Quellen
- Stiefel, A., Brendel, K., Bauer, N. H. (Hrsg.) (2020). Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates Verlag.
- World Health Organization (WHO) (2018). WHO recommendations: intrapartum care for a positive childbirth experience. Genf: WHO Press.
- Beckmann, M. M., Stock, O. M. (2013). Antenatal perineal massage for reducing perineal trauma. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 4.
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