Prosopagnosie – Gesichtsblindheit erklärt
Prosopagnosie, auch Gesichtsblindheit genannt, ist eine neurologische Störung, bei der Gesichter nicht erkannt werden können. Betroffene orientieren sich an Stimme, Frisur oder Kleidung.
Wissenswertes über "Prosopagnosie"
Prosopagnosie, auch Gesichtsblindheit genannt, ist eine neurologische Störung, bei der Gesichter nicht erkannt werden können. Betroffene orientieren sich an Stimme, Frisur oder Kleidung.
Was ist Prosopagnosie?
Prosopagnosie (auch Gesichtsblindheit genannt) ist eine neurologische Wahrnehmungsstörung, bei der die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen und zu unterscheiden, beeinträchtigt oder vollständig aufgehoben ist. Betroffene können Gesichtszüge zwar wahrnehmen – Augen, Nase und Mund sind sichtbar – jedoch werden diese nicht zu einer erkennbaren Identität zusammengeführt. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Griechischen ab: prosopon (Gesicht) und agnosia (Nichterkennen).
Ursachen
Die Prosopagnosie kann erworben oder angeboren (kongenital) sein:
- Erworbene Prosopagnosie: Entsteht durch Schädigung des Gehirns, insbesondere des Gyrus fusiformis im Temporallappen (fusiformer Gesichtsbereich, FFA). Ursachen sind unter anderem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Tumore oder neurodegenerative Erkrankungen.
- Kongenitale (entwicklungsbedingte) Prosopagnosie: Tritt ohne offensichtliche Hirnschädigung auf und ist oft familiär gehäuft, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Diese Form ist deutlich häufiger als lange angenommen.
Symptome
Das Leitsymptom ist die Unfähigkeit, bekannte Gesichter zu identifizieren – auch sehr vertraute Personen wie Familienmitglieder oder enge Freunde. Weitere typische Anzeichen sind:
- Schwierigkeiten beim Verfolgen von Filmen oder Serien, weil Figuren nicht unterschieden werden können
- Betroffene orientieren sich an Stimme, Frisur, Kleidung oder Gang einer Person
- Soziale Peinlichkeiten und Rückzugsverhalten aufgrund von Verwechslungen
- Mögliche Begleiterscheinungen: Schwierigkeiten bei der Orientierung in bekannten Umgebungen (Topographagnosie), Probleme beim Unterscheiden ähnlicher Objekte
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine Kombination aus klinischer Befragung, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren gestellt:
- Standardisierte Tests: Cambridge Face Memory Test (CFMT), Benton Facial Recognition Test
- Selbstauskunft-Fragebögen: z. B. der 20-Item Prosopagnosie-Index (PI20)
- Bildgebung: MRT (Magnetresonanztomographie) zur Beurteilung des Temporallappens und des okzipitotemporalen Kortex
- Neuropsychologische Untersuchung: Ausschluss anderer Wahrnehmungsstörungen wie allgemeiner Sehstörungen oder Gedenktnisbeeinträchtigungen
Behandlung und Umgang
Eine kausale Therapie, die die Gesichtserkennung wiederherstellt, existiert bislang nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf kompensatorische Strategien und unterstützende Maßnahmen:
- Kompensationsstrategien: Betroffene lernen, Personen anhand von Merkmalen wie Stimme, Frisur, Kleidungsstil, Körpergröße oder Gang zu identifizieren.
- Psychosoziale Unterstützung: Aufklärung des sozialen Umfelds, um Missverständnisse zu reduzieren.
- Technologische Hilfsmittel: Gesichtserkennungs-Apps und Smartphone-Technologien können im Alltag helfen.
- Training: Neuropsychologisches Übungsprogramm zur Förderung alternativer Erkennungsstrategien.
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei erworbener Prosopagnosie steht die Therapie der Ursache (z. B. Schlaganfallrehabilitation) im Vordergrund.
Häufigkeit und Bedeutung
Studien schätzen, dass etwa 2–2,5 % der Bevölkerung von einer kongenitalen Prosopagnosie betroffen sind. Viele Betroffene wissen lange nicht, dass ihre Schwierigkeiten einen neurologischen Hintergrund haben, da das Erkennen von Gesichtern für die meisten Menschen selbstverständlich ist. Die Erkrankung kann das soziale Leben erheblich beeinflussen und in schweren Fällen zu sozialer Isolation führen.
Quellen
- Duchaine, B. & Nakayama, K. (2006). The Cambridge Face Memory Test: Results for neurologically intact individuals and an investigation of its validity using inverted face stimuli and prosopagnosic participants. Neuropsychologia, 44(4), 576–585.
- Kennerknecht, I. et al. (2006). First report of prevalence of non-syndromic hereditary prosopagnosia. American Journal of Medical Genetics, 140A(15), 1617–1622.
- Barton, J. J. S. (2008). Structure and function in acquired prosopagnosia: Lessons from a series of 10 patients with brain damage. Journal of Neuropsychology, 2(1), 197–225.
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kaloriengehalt
Kölner Liste
Verwandte Suchbegriffe: Prosopagnosie