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Protein Spiking – Was steckt dahinter?

Protein Spiking bezeichnet die betrügerische Praxis, Nahrungsergänzungsmitteln billige Aminosäuren oder Stickstoffquellen beizumischen, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen.

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Wissenswertes über "Protein Spiking"

Protein Spiking bezeichnet die betrügerische Praxis, Nahrungsergänzungsmitteln billige Aminosäuren oder Stickstoffquellen beizumischen, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen.

Was ist Protein Spiking?

Protein Spiking (auch Nitrogen Spiking oder Amino Acid Spiking genannt) bezeichnet eine betrügerische Praxis in der Nahrungsergänzungsmittelindustrie. Dabei werden Proteinpulvern oder anderen eiweißhaltigen Produkten günstige Aminosäuren oder stickstoffhaltige Substanzen beigemischt, die bei der Standardanalyse als Protein gemessen werden – obwohl sie keinen gleichwertigen ernährungsphysiologischen Nutzen besitzen. Verbraucher zahlen so für einen Proteingehalt, der auf der Verpackung angegeben ist, aber in der Realität nicht vorhanden ist.

Hintergrund: Wie wird Protein gemessen?

Die gängigste Methode zur Bestimmung des Proteingehalts in Lebensmitteln ist die sogenannte Kjeldahl-Methode oder die modernere Dumas-Methode. Beide Verfahren messen nicht direkt den Proteingehalt, sondern den Gesamtstickstoffgehalt einer Probe. Da Proteine im Durchschnitt etwa 16 % Stickstoff enthalten, wird der gemessene Stickstoffgehalt mit dem Faktor 6,25 multipliziert, um den Proteingehalt zu berechnen.

Genau diese Methodik machen sich Hersteller beim Protein Spiking zunutze: Indem sie Substanzen mit hohem Stickstoffgehalt, aber geringem Ernährungswert hinzufügen, erscheint der Proteingehalt auf dem Papier höher als er tatsächlich ist.

Welche Substanzen werden beim Protein Spiking verwendet?

Folgende Substanzen werden häufig für Protein Spiking eingesetzt:

  • Taurin: Eine schwefelhaltige Aminosäure, die zwar stickstoffhaltig ist, aber nicht als vollständige Proteinquelle gilt und keinen Beitrag zur Muskelproteinsynthese leistet.
  • Glycin: Eine günstige nicht-essentielle Aminosäure mit hohem Stickstoffanteil.
  • Kreatin: Eine stickstoffhaltige Verbindung, die in der Standardanalyse als Protein erfasst werden kann, aber kein vollständiges Protein ist.
  • Glutamin: Eine Aminosäure, die günstiger als vollständige Proteinquellen ist und den gemessenen Stickstoffwert erhöht.
  • Harnstoff (Urea): Eine einfache stickstoffhaltige Verbindung ohne Ernährungswert als Protein.

Warum ist Protein Spiking ein Problem?

Protein Spiking ist aus mehreren Gründen problematisch:

  • Wirtschaftlicher Betrug: Verbraucher zahlen für einen Proteingehalt, den das Produkt nicht liefert. Hochwertiges Molkenprotein (Whey) ist deutlich teurer als die zum Spiking verwendeten Substanzen.
  • Eingeschränkte Wirksamkeit: Personen, die Proteinpulver zur Unterstützung des Muskelaufbaus oder zur Deckung ihres Eiweißbedarfs verwenden, erreichen ihre Ziele möglicherweise nicht, weil das Produkt weniger verwertbares Protein enthält als angegeben.
  • Gesundheitliche Bedenken: Einige der eingesetzten Substanzen können in hohen Dosen unerwartete Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben, insbesondere bei empfindlichen Personen.
  • Fehlende Transparenz: Obwohl die zugesetzten Aminosäuren manchmal auf der Zutatenliste aufgeführt sind, ist für den durchschnittlichen Verbraucher nicht erkennbar, dass dies den ausgewiesenen Proteingehalt künstlich erhöht.

Wie erkennt man Protein Spiking?

Es gibt einige Hinweise, auf die Verbraucher achten können:

  • Zutatenliste prüfen: Tauche Taurin, Glycin, Glutamin, Kreatin oder ähnliche Aminosäuren weit oben in der Zutatenliste auf, kann dies ein Hinweis auf Protein Spiking sein.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Sehr günstige Proteinpulver mit angeblich hohem Proteingehalt sollten kritisch hinterfragt werden.
  • Aminogramm anfordern: Seriöse Hersteller veröffentlichen das vollständige Aminogramm ihres Produkts, also die genaue Zusammensetzung aller enthaltenen Aminosäuren. Ein fehlendes Aminogramm kann ein Warnsignal sein.
  • Drittanbieter-Zertifizierungen: Produkte mit unabhängigen Qualitätssiegeln (z.B. Informed Sport, NSF Certified for Sport) werden auf ihre tatsächliche Zusammensetzung überprüft.

Rechtliche Lage

In der Europäischen Union ist die falsche Deklaration von Nährstoffen auf Lebensmitteletiketten gemäß der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV, EU-Verordnung Nr. 1169/2011) verboten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie nationale Behörden wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind für die Überwachung zuständig. In der Praxis ist die Durchsetzung jedoch schwierig, da Protein Spiking durch gezielte Auswahl legaler Zutaten oft formal legal bleibt, solange die zugesetzten Substanzen korrekt deklariert werden.

Empfehlungen für Verbraucher

Um sich vor Protein Spiking zu schützen, empfehlen Ernährungsexperten folgende Maßnahmen:

  • Produkte von bekannten, transparenten Herstellern bevorzugen, die vollständige Aminogramme veröffentlichen.
  • Auf unabhängige Laboranalysen oder Zertifizierungen achten.
  • Die Zutatenliste sorgfältig lesen und auf auffällig viele freie Aminosäuren achten.
  • Bei Unsicherheit einen Diätetiker oder Ernährungsberater konsultieren.

Quellen

  1. Labdoor – Protein Spiking and Amino Acid Spiking in Protein Supplements. Labdoor Research Report (2015). Verfügbar unter: https://labdoor.com
  2. Euroepäisches Parlament und Rat der EU – Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (LMIV). Amtsblatt der Europäischen Union (2011).
  3. Phillips S.M. – The impact of protein quality on the promotion of resistance exercise-induced changes in muscle mass. Nutrition & Metabolism, 13:64 (2016). DOI: 10.1186/s12986-016-0124-8
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