Pseudarthrose: Ursachen, Symptome & Behandlung
Eine Pseudarthrose ist eine ausbleibende Knochenheilung nach einem Bruch, bei der ein falsches Gelenk entsteht. Sie erfordert oft eine spezielle Behandlung.
Wissenswertes über "Pseudarthrose"
Eine Pseudarthrose ist eine ausbleibende Knochenheilung nach einem Bruch, bei der ein falsches Gelenk entsteht. Sie erfordert oft eine spezielle Behandlung.
Was ist eine Pseudarthrose?
Eine Pseudarthrose (auch: Falschgelenk) bezeichnet das Ausbleiben der knöchernen Heilung nach einem Knochenbruch (Fraktur). Normalerweise heilt ein gebrochener Knochen innerhalb von Wochen bis Monaten. Bleibt diese Heilung aus und sind seit dem Bruch üblicherweise mehr als sechs Monate vergangen, spricht man medizinisch von einer Pseudarthrose. An der Bruchstelle bildet sich kein festes Knochengewebe, sondern ein bewegliches, gelenkähnliches Gebilde – daher der Begriff "Falschgelenk".
Ursachen
Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Pseudarthrose begünstigen können:
- Unzureichende Ruhigstellung des gebrochenen Knochens nach der Verletzung
- Durchblutungsstörungen im Bereich der Bruchstelle, die die Knochenregeneration hemmen
- Infektionen (septische Pseudarthrose), z. B. nach offenen Frakturen oder Operationen
- Starke Gewebsschäden an Muskeln, Sehnen oder Weichteilen rund um den Knochen
- Systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Osteoporose oder Schilddrüsenerkrankungen
- Mangelernährung, insbesondere Calcium- und Vitamin-D-Mangel
- Nikotinkonsum, der die Knochenheilung nachweislich verlangsamt
- Medikamente wie Kortikosteroide oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
Arten der Pseudarthrose
Hypertrophe Pseudarthrose
Bei der hypertrophen Pseudarthrose ist die biologische Heilungsfähigkeit des Knochens erhalten, jedoch fehlt die nötige mechanische Stabilität. Es bildet sich übermäßig viel Kallusgewebe (Knochenreperaturgewebe) an der Bruchstelle. Diese Form spricht gut auf operative Stabilisierungsmaßnahmen an.
Atrophe Pseudarthrose
Bei der atrophen Pseudarthrose ist die Durchblutung im Bereich der Bruchstelle stark eingeschränkt. Der Knochen verliert seine Fähigkeit zur Regeneration. Diese Form ist schwieriger zu behandeln und erfordert oft zusätzliche biologische Stimulation, z. B. durch Knochentransplantation.
Infizierte (septische) Pseudarthrose
Eine septische Pseudarthrose entsteht durch eine Infektion im Bereich der Bruchstelle. Sie ist die schwierigste Form und erfordert zunächst eine antibiotische Behandlung sowie oft eine chirurgische Sanierung, bevor die knöcherne Heilung angestrebt werden kann.
Symptome
Typische Beschwerden bei einer Pseudarthrose sind:
- Anhaltende Schmerzen an der ehemaligen Bruchstelle, auch nach abgeschlossener Gipsphase
- Beweglichkeit an einer Stelle, die eigentlich verheilt sein sollte
- Schwellung und mögliche Rötung im betroffenen Bereich
- Funktionseinschränkungen des betroffenen Gliedes oder Gelenks
- Gefühl von Instabilität bei Belastung
Diagnose
Die Diagnose einer Pseudarthrose wird in der Regel durch bildgebende Verfahren gesichert:
- Röntgenaufnahme: Erste Methode der Wahl; zeigt fehlende Knochenbrucke oder übermäßige Kallusbildung
- Computertomografie (CT): Detailliertere Darstellung der Knochenstruktur und des Heilungsfortschritts
- Magnetresonanztomografie (MRT): Beurteilung der Weichteile und Durchblutungssituation
- Laboruntersuchungen: Ausschluss von Infektionen oder Stoffwechselstörungen als Ursache
Behandlung
Konservative Therapie
In frühen oder leichten Fällen kann eine konservative Behandlung versucht werden:
- Ultraschalltherapie (Low Intensity Pulsed Ultrasound, LIPUS): Stimuliert die Knochenregeneration
- Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): Regt den Knochenstoffwechsel an und fördert die Durchblutung
- Elektrische Stimulation: Schwachstrom kann die Knochenheilung positiv beeinflussen
- Optimierung von Risikofaktoren: Nikotinverzicht, Behandlung von Grunderkrankungen, Ernährungsanpassung
Operative Therapie
In den meisten Fällen ist ein chirurgischer Eingriff notwendig:
- Osteosynthese: Stabile Fixierung der Knochenenden mit Schrauben, Nägeln oder Platten
- Knochentransplantation: Einbringen von eigenem Knochen (autolog) oder Spenderknochen (allogen) zur biologischen Stimulation
- Bone Morphogenetic Proteins (BMP): Einsatz von wachstumsstimulierenden Proteinen zur Förderung der Knochenbildung
- Behandlung der Infektion bei septischer Pseudarthrose vor der definitiven Versorgung
Prognose
Die Heilungsaussichten bei einer Pseudarthrose hängen stark von der Ursache, dem betroffenen Knochen, dem Allgemeinzustand des Patienten und dem Behandlungszeitpunkt ab. Mit moderner chirurgischer Therapie kann in den meisten Fällen eine stabile Knochenheilung erreicht werden. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie verbessert die Prognose erheblich.
Quellen
- Ruter, A., Trentz, O., Wagner, M. (Hrsg.) - Unfallchirurgie. Urban & Fischer Verlag, 2. Auflage (2008).
- Zura, R. et al. - Epidemiology of Fracture Nonunion in 18 Human Bones. JAMA Surgery, 2016; 151(11): e162775. Abrufbar über PubMed.
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) - Leitlinien zur Frakturbehandlung und Pseudarthrosenversorgung. Abrufbar unter: www.dgu-online.de
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