Pylorusstenose: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Pylorusstenose ist eine Verengung des Magenausgangs, die den Nahrungstransport in den Dünndarm behindert. Sie tritt häufig bei Säuglingen auf und führt zu starkem Erbrechen.
Wissenswertes über "Pylorusstenose"
Die Pylorusstenose ist eine Verengung des Magenausgangs, die den Nahrungstransport in den Dünndarm behindert. Sie tritt häufig bei Säuglingen auf und führt zu starkem Erbrechen.
Was ist eine Pylorusstenose?
Die Pylorusstenose bezeichnet eine Verengung oder vollständige Verstopfung des Pylorus – des muskulären Magenausgangs, der den Magen mit dem Zwölffingerdarm (Duodenum) verbindet. Durch diese Verengung kann der Mageninhalt nicht oder nur unvollständig in den Dünndarm weitergeleitet werden, was zu erheblichen Beschwerden führt. Man unterscheidet die angeborene (infantile) Pylorusstenose, die vor allem bei Säuglingen auftritt, von der erworbenen Pylorusstenose bei Erwachsenen.
Ursachen
Angeborene Pylorusstenose (infantile hypertrophe Pylorusstenose)
Bei Säuglingen handelt es sich meist um eine infantile hypertrophe Pylorusstenose (IHPS). Dabei verdickt sich die Muskulatur des Pylorus in den ersten Lebenswochen krankhaft, sodass die Öffnung zunehmend enger wird. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, jedoch spielen folgende Faktoren eine Rolle:
- Genetische Veranlagung (familiäre Häufung)
- Männliches Geschlecht (Jungen sind etwa 4-mal häufiger betroffen)
- Erstgeborene Kinder haben ein erhöhtes Risiko
- Antibiotika-Gabe (z. B. Erythromycin) in den ersten Lebenswochen
- Rauchexposition in der Schwangerschaft
Erworbene Pylorusstenose
Bei Erwachsenen entsteht die Pylorusstenose häufig als Folge anderer Erkrankungen:
- Magengeschwür (Ulcus pylori): Narbengewebe nach Geschwüren kann den Pylorus verengen.
- Magenkrebs (Magenkarzinom): Tumore im Bereich des Pylorus können die Öffnung einengen.
- Chronische Entzündungen im Magenbereich
- Morbus Crohn: Entzündliche Darmerkrankung, die auch den Magen betreffen kann
Symptome
Symptome bei Säuglingen
- Schwallartig-projektiles Erbrechen kurz nach dem Trinken (nicht-galliges Erbrechen)
- Anhaltender Hunger trotz häufigen Trinkens
- Gewichtsverlust oder mangelnde Gewichtszunahme
- Dehydration (Austrocknung) mit Zeichen wie eingesunkener Fontanelle, trockenen Schleimhäuten
- Sichtbare Magenperistaltik (Wellenbewegungen im Bauch)
- Verstopfung (Obstipation)
- Irritabilität und Unruhe
Symptome bei Erwachsenen
- Übelkeit und Erbrechen, oft mit unverdauten Speiseresten
- Postprandiale Schmerzen (Schmerzen nach dem Essen)
- Frühzeitiges Sättigungsgefühl (Frühsattheit)
- Gewichtsverlust
- Blähungen und Druckgefühl im Oberbauch
Diagnose
Die Diagnose der Pylorusstenose erfolgt durch verschiedene Untersuchungsmethoden:
- Ultraschall (Sonographie): Methode der Wahl bei Säuglingen; zeigt die verdickte Pylorusmuskulatur (Wanddicke > 4 mm, Kanallänge > 16 mm gelten als pathologisch).
- Ösophagogastroduodenoskopie (Magenspiegelung): Bei Erwachsenen zur direkten Beurteilung der Verengung und zum Ausschluss von Tumoren oder Geschwüren.
- Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel: Kann den verzögerten Magenentleerung sichtbar machen.
- Blutuntersuchung: Zum Nachweis von Elektrolytstörungen (z. B. hypochlorämische metabolische Alkalose bei Säuglingen) und Dehydration.
Behandlung
Behandlung bei Säuglingen
Die Standardbehandlung der infantilen Pylorusstenose ist die Pyloromyotomie nach Weber-Ramstedt. Dabei wird die verdickte Pylorusmuskulatur chirurgisch gespalten, ohne die Schleimhaut zu verletzen. Der Eingriff kann als offene Operation oder laparoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt werden. Vor der Operation müssen Elektrolytstörungen und Dehydration ausgeglichen werden.
- Sehr hohe Erfolgsrate (über 99 %)
- Kinder können nach wenigen Stunden wieder trinken
- Rasche und vollständige Erholung
Behandlung bei Erwachsenen
Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung:
- Endoskopische Ballondilatation: Aufdehnung der Verengung mit einem Ballon bei narbigen Stenosen
- Chirurgische Magenresektion: Bei tumorbedängten Stenosen oder therapieresistenten Fällen
- Medikamentöse Therapie: Bei Ulkus- oder entzündungsbedingten Stenosen (z. B. Protonenpumpeninhibitoren, Antibiotika bei Helicobacter-pylori-Infektion)
- Ernährungsanpassung und parenterale Ernährung bei schwerem Gewichtsverlust
Prognose
Bei Säuglingen ist die Prognose nach operativer Behandlung ausgezeichnet. Bei rechtzeitiger Therapie erholen sich Kinder vollständig ohne Langzeitschäden. Bei Erwachsenen hängt die Prognose wesentlich von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Eine frühzeitige Diagnose verbessert die Behandlungsaussichten erheblich.
Quellen
- Puri P, Höllwarth ME (Hrsg.): Pediatric Surgery. Springer Verlag, 2. Auflage, 2009.
- Ranells JD, Carver JD, Kirby RS: Infantile hypertrophic pyloric stenosis: epidemiology, genetics, and clinical update. Advances in Pediatrics, 2011;58(1):195-206. PubMed PMID: 21736982.
- World Health Organization (WHO): Surgical Care at the District Hospital. WHO Press, Geneva, 2003.
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