Reaktive Arthritis: Ursachen, Symptome & Behandlung
Reaktive Arthritis ist eine Gelenkentzündung, die als Reaktion auf eine Infektion an anderer Körperstelle entsteht. Sie betrifft häufig Knie, Knöchel und Zehen.
Wissenswertes über "Reaktive Arthritis"
Reaktive Arthritis ist eine Gelenkentzündung, die als Reaktion auf eine Infektion an anderer Körperstelle entsteht. Sie betrifft häufig Knie, Knöchel und Zehen.
Was ist Reaktive Arthritis?
Die reaktive Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die nicht direkt durch Erreger im Gelenk selbst verursacht wird, sondern als überschießende Immunreaktion des Körpers auf eine vorausgegangene Infektion entsteht. Die Infektion liegt dabei meist im Bereich des Magen-Darm-Trakts oder der Harnwege. Früher wurde diese Erkrankung häufig als Reiter-Syndrom bezeichnet, insbesondere wenn sie mit der klassischen Trias aus Gelenkentzündung, Augenentzündung und Harnröhrenentzündung auftrat.
Ursachen und ausgelösende Erreger
Die reaktive Arthritis wird durch bestimmte bakterielle Infektionen ausgelöst. Die häufigsten Ausloser sind:
- Chlamydia trachomatis (sexuell übertragbare Infektion der Harnwege)
- Salmonella, Shigella, Campylobacter und Yersinia (Darminfektionen durch kontaminierte Lebensmittel)
- Clostridioides difficile (im klinischen Umfeld)
Ein genetischer Risikofaktor ist das Vorliegen des HLA-B27-Antigens, das das Erkrankungsrisiko und den Schweregrad deutlich erhöht. Etwa 60–80 % der Betroffenen tragen dieses Merkmal.
Symptome
Die Beschwerden beginnen typischerweise 1 bis 4 Wochen nach der auslösenden Infektion. Typische Symptome sind:
- Asymmetrische Arthritis großer Gelenke, vor allem Knie, Knöchel, Zehen und Sprunggelenk
- Enthesitis (Entzündung an Sehnenansätzen), häufig an der Ferse
- Konjunktivitis (Bindehautentzündung) oder Uveitis (Augenentzündung)
- Urethritis (Harnröhrenentzündung) oder Zervizitis
- Hautveränderungen wie Keratoderma blenorrhagicum (hyperkeratotische Hautläsionen) oder Schleimhautläsionen
- Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Fieber und Gewichtsverlust
Diagnose
Es gibt keinen einzelnen Test, der die reaktive Arthritis eindeutig beweist. Die Diagnose wird klinisch gestellt und durch folgende Untersuchungen gestützt:
- Blutuntersuchungen: Erhöhte Entzündungsmarker (CRP, BSG), HLA-B27-Typisierung
- Abstrich oder Stuhlkultur: Zum Nachweis des auslösenden Erregers
- Gelenkpunktion: Ausschluss einer septischen Arthritis
- Bildgebung: Röntgen oder MRT zur Beurteilung von Gelenk- und Sehnenbeteiligung
Behandlung
Allgemeine Maßnahmen
Die Behandlung der reaktiven Arthritis richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Leichte Fälle klingen oft innerhalb weniger Monate von selbst ab.
Medikamentöse Therapie
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen sind die erste Wahl zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
- Kortikosteroide (lokal oder systemisch) bei starker Entzündung.
- Antibiotika: Bei nachgewiesener aktiver Infektion (z. B. mit Chlamydia trachomatis) werden Antibiotika eingesetzt.
- Krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) wie Sulfasalazin oder Methotrexat bei chronischem Verlauf.
Physiotherapie
Gezielte physiotherapeutische Übungen helfen, die Gelenkfunktion zu erhalten und Muskeln zu kräftigen.
Verlauf und Prognose
Bei den meisten Betroffenen heilt die reaktive Arthritis innerhalb von 3 bis 12 Monaten vollständig aus. Bei etwa 15–20 % der Patienten, insbesondere bei HLA-B27-positiven Personen, kann die Erkrankung chronisch werden oder in eine Spondyloarthritis übergehen. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind empfehlenswert.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) – Leitlinien zur Spondyloarthritis, 2022.
- Hannu T. – Reactive arthritis. Best Practice & Research Clinical Rheumatology, 2011; 25(3): 347–357. PubMed PMID: 22100289.
- World Health Organization (WHO) – Sexually transmitted infections: Chlamydia trachomatis. WHO Fact Sheet, 2023.
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