Relaxin – Hormon, Funktion & Bedeutung
Relaxin ist ein körpereigenes Hormon, das vor allem in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt. Es lockert Bindegewebe und bereitet den Körper auf die Geburt vor.
Wissenswertes über "Relaxin"
Relaxin ist ein körpereigenes Hormon, das vor allem in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt. Es lockert Bindegewebe und bereitet den Körper auf die Geburt vor.
Was ist Relaxin?
Relaxin ist ein Peptidhormon, das zur Familie der Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren gehört. Es wird hauptsächlich vom Corpus luteum (Gelbkörper) im Eierstock sowie während der Schwangerschaft von der Plazenta und der Gebärmutter produziert. In geringen Mengen wird Relaxin auch im männlichen Körper, vor allem in der Prostata, gebildet. Das Hormon ist vor allem für seine Wirkung auf Bindegewebe, Bänder und glatte Muskulatur bekannt.
Biologische Funktionen
Relaxin erfüllt im menschlichen Körper mehrere wichtige Aufgaben:
- Auflockerung des Beckenbodens und der Bänder: Während der Schwangerschaft sorgt Relaxin dafür, dass die Bänder des Beckens weicher und dehnbarer werden, um die Geburt zu erleichtern.
- Erweichung des Gebärmutterhalses: Relaxin trägt zur Zervixreifung bei und bereitet so den Körper auf die Geburt vor.
- Hemmung der Gebärmutterkontraktionen: In der frühen Schwangerschaft kann Relaxin vorzeitige Wehen hemmen und so zur Aufrechterhaltung der Schwangerschaft beitragen.
- Umbau des Bindegewebes: Das Hormon fördert den Abbau von Kollagen und unterstützt so die Anpassung von Geweben an veränderte mechanische Anforderungen.
- Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System: Relaxin erhöht das Herzminutenvolumen und führt zu einer Weitstellung der Blutgefäße (Vasodilatation), was während der Schwangerschaft zur erhöhten Blutversorgung beiträgt.
- Nierenfunktion: Relaxin fördert die Nierendurchblutung und steigert die glomeruläre Filtrationsrate.
Relaxin in der Schwangerschaft
Der Relaxinspiegel im Blut steigt bereits in der frühen Schwangerschaft stark an, erreicht seinen Höchstwert gegen Ende des ersten Trimesters und sinkt danach wieder ab. Trotz des Abfalls bleibt das Hormon während der gesamten Schwangerschaft nachweisbar. Die hohen Relaxinkonzentrationen erklären, warum viele Schwangere unter Gelenk- und Banderschlaffung leiden, was sich häufig als Beckenschmerzen oder Rückenschmerzen äußert.
Relaxin beim Mann
Auch im männlichen Körper kommt Relaxin vor. Es wird in der Prostata produziert und gelangt über die Samenflüssigkeit in den Fortpflanzungstrakt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Relaxin die Beweglichkeit der Spermien verbessert und somit eine Rolle bei der männlichen Fertilität spielt.
Relaxin als Medikament
Synthetisch hergestelltes Relaxin (insbesondere Serelaxin, eine rekombinante Form des humanen Relaxin-2) wurde klinisch auf seine Einsatzmöglichkeiten bei akuter Herzinsuffizienz untersucht. In Studien zeigte Serelaxin Vorteile bei der Linderung von Atemnot und der Verbesserung der Nierendurchblutung. Die Zulassung als Standardmedikament blieb jedoch bisher aus, da große klinische Studien die erhofften Langzeitergebnisse nicht vollständig bestätigen konnten. Die Forschung zu weiteren therapeutischen Anwendungen von Relaxin, z. B. bei Fibrose, systemischer Sklerose und Wundheilung, ist weiterhin aktiv.
Wirkmechanismus
Relaxin bindet an spezifische G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (RXFP1 und RXFP2 – Relaxin Family Peptide Receptors). Über diesen Signalweg aktiviert es die Adenylatcyclase, erhöht den intrazellulären cAMP-Spiegel und löst so eine Kaskade von Reaktionen aus, die u. a. zu einer erhöhten Kollagenaseproduktion, Hemmung der glatten Muskulatur und Vasodilatation führen.
Messung und Diagnostik
Der Relaxinspiegel kann über Bluttests (Immunoassays) bestimmt werden. Erhöhte Werte sind physiologisch in der Schwangerschaft. Abnorm niedrige Werte können mit Fertili-tätsproblemen oder Schwangerschaftskomplikationen in Zusammenhang stehen. Derzeit ist die klinische Routinemessung von Relaxin jedoch nicht standardmäßig etabliert.
Quellen
- Samuel, C. S. & Royce, S. G. - Relaxin in cardiovascular and renal disease. In: Kidney International, 2018.
- Sherwood, O. D. - Relaxin's physiological roles and other diverse actions. In: Endocrine Reviews, 2004; 25(2): 205–234.
- Bathgate, R. A. D. et al. - Relaxin family peptides and their receptors. In: Physiological Reviews, 2013; 93(1): 405–480.
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