Remifentanil: Wirkung, Dosierung & Nebenwirkungen
Remifentanil ist ein kurzwirksames Opioid-Analgetikum, das hauptsächlich zur Schmerzkontrolle während operativer Eingriffe eingesetzt wird.
Wissenswertes über "Remifentanil"
Remifentanil ist ein kurzwirksames Opioid-Analgetikum, das hauptsächlich zur Schmerzkontrolle während operativer Eingriffe eingesetzt wird.
Was ist Remifentanil?
Remifentanil ist ein synthetisches Opioid-Analgetikum der vierten Generation, das zur Gruppe der Phenylpiperidin-Derivate gehört. Es wird ausschließlich intravenös verabreicht und zeichnet sich durch einen extrem schnellen Wirkungseintritt sowie eine sehr kurze Wirkdauer aus. Aufgrund seiner einzigartigen pharmakologischen Eigenschaften wird es überwiegend in der Anästhesiologie und Intensivmedizin eingesetzt.
Wirkmechanismus
Remifentanil bindet selektiv und mit hoher Affinität an mu-Opioidrezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem. Durch diese Bindung werden Schmerzimpulse gehemmt, die Schmerzwahrnehmung herabgesetzt und eine ausgepägte analgetische Wirkung erzielt. Darüber hinaus wirkt es atemdepressiv und sedierend.
Das besondere Merkmal von Remifentanil liegt in seiner Metabolisierung durch unspezifische Gewebs- und Blutesterasen. Es wird nicht über die Leber oder die Niere abgebaut, sondern durch im Blut und Gewebe vorhandene Esterasen hydrolysiert. Dadurch ist die Wirkdauer unabhängig von Leber- oder Nierenfunktion und beträgt nur etwa 3 bis 10 Minuten.
Indikationen und Anwendungsgebiete
Remifentanil wird in folgenden klinischen Situationen eingesetzt:
- Allgemeinanästhesie: Als Bestandteil der balancierten Anästhesie zur intraoperativen Schmerzausschaltung
- TIVA (Total Intravenöse Anästhesie): Meist in Kombination mit Propofol
- Intensivmedizin: Zur Analgesie und Sedierung beatmeter Patienten
- Geburtshilfe: Patientenkontrollierte intravenöse Anälgesie (PCIA) unter Wehenschmerzen
- Schmerzhafte diagnostische oder interventionelle Eingriffe
Dosierung
Die Dosierung von Remifentanil muss individuell an den Patienten und die klinische Situation angepasst werden. Typische Dosierungsbereiche sind:
- Einleitung der Anästhesie: 0,5 bis 1 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht intravenös über 30 bis 60 Sekunden
- Aufrechterhaltung der Anästhesie: 0,1 bis 0,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Minute als Dauerinfusion
- Intensivmedizinische Analgesie: 0,025 bis 0,2 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Minute
Aufgrund der kurzen Halbwertszeit und schnellen Anflutung wird Remifentanil ausschließlich als kontrollierte intravenöse Infusion über einen Perfusor (Spritzenpumpe) verabreicht. Eine Bolusgabe außerhalb eines überwachten Umfelds ist nicht zulässig.
Nebenwirkungen
Wie alle Opioide kann Remifentanil verschiedene Nebenwirkungen verursachen. Die häufigsten sind:
- Atemdepression: Die wichtigste und potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkung; erfordert Überwachung und Atemunterstützung
- Bradykardie und Hypotonie: Verlangsamter Herzschlag und Blutdruckabfall
- Muskelrigidität: Insbesondere der Thoraxmuskulatur bei schneller Injektion (sogenannte Opioid-bedingte Muskelsteife)
- Übelkeit und Erbrechen
- Juckreiz
- Opioidinduzierte Hyperalgesie: Bei längerer oder hochdosierter Anwendung kann paradoxerweise eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit auftreten
Kontraindikationen
Remifentanil darf nicht angewendet werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Remifentanil oder anderen Opioid-Analgetika
- Epiduraler oder intrathekaler (in den Rückenmarkskanal) Verabreichung, da das Präparat Glycin enthält, das neurotoxisch wirken kann
- Anwendung ohne gesicherte Atemwegskontrolle und Möglichkeit zur Beatmung
Besondere Eigenschaften und Vorteile
Remifentanil weist gegenüber anderen Opioiden mehrere klinisch relevante Vorteile auf:
- Kontext-sensitive Halbwertszeit: Die Wirkdauer verlängert sich auch bei längerer Infusion nicht, da der Abbau über Esterasen erfolgt und nicht von der Infusionsdauer abhängt
- Keine Kumulation: Selbst bei niereninsuffizienten oder leberinsuffizienten Patienten akkumuliert der Wirkstoff nicht
- Präzise Steuerbarkeit: Die Analgesietiefe kann durch Änderung der Infusionsrate innerhalb von Minuten angepasst werden
- Schnelles Erwachen: Patienten kommen nach Beendigung der Infusion sehr schnell wieder zu Bewusstsein
Wechselwirkungen
Remifentanil kann mit folgenden Substanzen wechselwirken:
- Andere ZNS-Dämpfer (z. B. Benzodiazepine, Propofol, Barbiturate): Verstärkung der sedierenden und atemdepressiven Wirkung
- MAO-Hemmer: Potenziell lebensbedrohliche Interaktionen möglich; Remifentanil sollte nicht zusammen mit oder kurz nach MAO-Hemmern angewendet werden
- Muskelrelaxanzien: Verstärkung der Muskelrelaxation möglich
Quellen
- Fachinformation Ultiva (Remifentanil) - European Medicines Agency (EMA), aktualisierte Fassung.
- Patel S.S., Spencer C.M. - Remifentanil. Drugs. 1996;52(3):417-427. PubMed PMID: 8875130.
- Egan T.D. - Remifentanil pharmacokinetics and pharmacodynamics. A preliminary appraisal. Clinical Pharmacokinetics. 1995;29(2):80-94.
Verwandte Produkte
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®
Für Deinen universellen Schutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Proteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems