Resorptionsstörungsmarker – Definition & Diagnostik
Resorptionsstörungsmarker sind Laborwerte, die eine gestörte Aufnahme von Nährstoffen im Darm anzeigen. Sie helfen Ärzten, Malabsorptionssyndrome frühzeitig zu erkennen.
Wissenswertes über "Resorptionsstörungsmarker"
Resorptionsstörungsmarker sind Laborwerte, die eine gestörte Aufnahme von Nährstoffen im Darm anzeigen. Sie helfen Ärzten, Malabsorptionssyndrome frühzeitig zu erkennen.
Was sind Resorptionsstörungsmarker?
Resorptionsstörungsmarker sind diagnostische Laborparameter, die darauf hinweisen, dass der Dünn- oder Dickdarm Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe oder andere Substanzen nicht ausreichend aufnehmen kann. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Malabsorption. Diese Störung kann einzelne Nährstoffe betreffen oder generalisiert auftreten und viele Organsysteme beeinflussen.
Ursachen von Resorptionsstörungen
Resorptionsstörungen können durch eine Vielzahl von Erkrankungen und Zuständen ausgelöst werden:
- Zöliakie: eine immunvermittelte Erkrankung, bei der Gluten die Darmschleimhaut schädigt
- Morbus Crohn: eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung
- Chronische Pankreatitis: Schädigung der Bauchspeicheldrüse mit verminderter Enzymproduktion
- Laktasemangel: fehlende Enzymaktivität zur Spaltung von Milchzucker
- Kurzdarmsyndrom: nach chirurgischer Entfernung von Darmabschnitten
- Bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO)
- Schäden durch Strahlentherapie oder Medikamente
Häufig eingesetzte Resorptionsstörungsmarker
Je nach vermuteter Ursache werden unterschiedliche Marker bestimmt. Die wichtigsten sind:
Fettresorptionsmarker
- Stuhlfettbestimmung (Steatokrit / Stuhl-Fettgehalt): erhöhter Fettgehalt im Stuhl weist auf eine gestörte Fettresorption hin
- Elastase-1 im Stuhl: niedriger Wert deutet auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz hin
Kohlenhydratresorptionsmarker
- H2-Atemtest: misst die Wasserstoffproduktion nach Zuckerbelastung und zeigt Laktose- oder Fructoseintoleranz sowie bakterielle Überwucherung an
- Blutzuckertest nach Laktosebelastung: ungünstiger Anstieg des Blutzuckers bei Laktasemangel
Vitaminresorptionsmarker
- Vitamin B12 im Serum: erniedrigt bei Dünndarmproblemen oder Magenerkrankungen
- Folat (Folatsäure) im Serum: Mangel häufig bei Zöliakie und entzündlichen Darmerkrankungen
- Vitamin D (25-OH-Vitamin D): erniedrigt bei Fettresorptionsstörungen
- Vitamin A und Vitamin E: erniedrigte Werte bei ausgeprägter Malabsorption
Mineralstoff- und Spurenelementmarker
- Calcium, Magnesium, Zink, Eisen im Serum: Häufig erniedrigt bei chronischer Malabsorption
- Ferritin und Transferrinsättigung: Hinweis auf Eisenresorptionsstörungen, z. B. bei Zöliakie
Allgemeine Serummarker
- Albumin und Präalbumin: Hinweis auf Eiweißmangel durch verminderte Aufnahme oder erhöhten Verlust
- Cholesterin: kann bei schwerer Malabsorption erniedrigt sein
- Prothrombinzeit / INR: Vitamin-K-Mangel bei Fettmalabsorption verlängert die Gerinnungszeit
Spezifische immunologische und entzündliche Marker
- Tissue-Transglutaminase-Antikörper (tTG-IgA): Screeningmarker für Zöliakie
- Calprotectin im Stuhl: erhöht bei entzündlichen Darmerkrankungen, die zu Malabsorption führen
- Alpha-1-Antitrypsin im Stuhl: Hinweis auf einen eiweißverlierenden Darm (Protein-losing Enteropathy)
Diagnose und klinische Bedeutung
Die Auswahl der Marker richtet sich nach dem klinischen Bild. Typische Beschwerden, die eine Untersuchung auf Resorptionsstörungsmarker begründen, sind:
- Chronischer Durchfall oder voluminoese, fettglitzernde Stuhlgänge (Steatorrhö)
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Blähungen und Bauchschmerzen nach dem Essen
- Müdigkeit, Schwäche und Konzentrationsprobleme
- Mangelzeichen wie blasse Haut, brüchige Nägel oder Knochen- und Muskelschmerzen
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, Labordiagnostik und bei Bedarf bildgebenden Verfahren oder Darmspiegelung mit Gewebeentnahme (Biopsie).
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung:
- Bei Zöliakie: strikte glutenfreie Diät
- Bei Pankreasinsuffizienz: Substitution von Verdauungsenzymen (Pankreatin)
- Bei Nährstoffmängeln: gezielte Supplementierung von Vitaminen und Mineralstoffen
- Bei bakterieller Überwucherung: Antibiotikatherapie
- Bei entzündlichen Darmerkrankungen: entzündungshemmende Medikamente oder Immunsuppressiva
Eine regelmäßige Kontrolle der Resorptionsstörungsmarker ist wichtig, um den Therapieerfolg zu überwachen und Mangelzustände rechtzeitig zu erkennen.
Quellen
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Diagnostik und Therapie der Zöliakie (2021).
- Kasper, D.L. et al. (Hrsg.): Harrison's Principles of Internal Medicine, 21. Auflage, McGraw-Hill (2022).
- Thomas, L.: Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik, 9. Auflage, TH-Books (2020).
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