Rot-Grün-Schwäche: Ursachen, Symptome & Diagnose
Die Rot-Grün-Schwäche ist eine häufige Sehstörung, bei der Betroffene Rot- und Grüntöne nicht oder nur schwer unterscheiden können. Sie ist meist angeboren und betrifft vor allem Männer.
Wissenswertes über "Rot-Grün-Schwäche"
Die Rot-Grün-Schwäche ist eine häufige Sehstörung, bei der Betroffene Rot- und Grüntöne nicht oder nur schwer unterscheiden können. Sie ist meist angeboren und betrifft vor allem Männer.
Was ist die Rot-Grün-Schwäche?
Die Rot-Grün-Schwäche (medizinisch: Rot-Grün-Farbsehschwäche oder Deuteranomalie/Protanomalie) ist eine Form der Farbfehlsichtigkeit, bei der die Fähigkeit, Rot- und Grüntöne voneinander zu unterscheiden, eingeschränkt ist. Sie gehört zu den häufigsten angeborenen Sehstörungen weltweit und ist in der Regel nicht mit einer allgemeinen Sehschwäche verbunden.
Man unterscheidet zwei Hauptformen:
- Protanomalie (Rotsehschwäche): Die roten Zapfen (Photorezeptoren) der Netzhaut sind verändert, sodass Rot schwächer wahrgenommen wird.
- Deuteranomalie (Grünsehschwäche): Die grünen Zapfen sind verändert, was die Wahrnehmung von Grüntönen beeinträchtigt.
In besonders ausgeprägten Fällen spricht man von einer Protanopie (vollständige Rotblindheit) oder Deuteranopie (vollständige Grünblindheit).
Ursachen
Die Rot-Grün-Schwäche ist in den meisten Fällen angeboren und wird X-chromosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass der Gendefekt auf dem X-Chromosom liegt. Da Männer nur ein X-Chromosom besitzen, reicht ein einziges verändertes Gen aus, um die Störung zu verursachen. Frauen haben zwei X-Chromosomen und sind daher häufiger Trägerinnen, ohne selbst betroffen zu sein.
- Genetische Ursache: Veränderung (Mutation) der Gene für die Zapfenpigmente OPN1LW (Rot) und OPN1MW (Grün) auf dem X-Chromosom.
- Erworbene Ursache (selten): Bestimmte Augenerkrankungen (z. B. Glaukom, Netzhauterkrankungen) oder Vergiftungen können die Farbwahrnehmung beeinträchtigen.
Häufigkeit
Etwa 8 % der Männer und rund 0,5 % der Frauen in Europa sind von einer Form der Rot-Grün-Schwäche betroffen. Sie ist damit eine der häufigsten genetisch bedingten Einschränkungen des Sehvermögens.
Symptome
Die Betroffenen nehmen Farben anders wahr als Menschen mit normalem Farbsehen. Typische Anzeichen sind:
- Schwierigkeiten, Rot- und Grüntöne voneinander zu unterscheiden
- Verwechslung von Orange, Gelb, Braun und Grün
- Probleme beim Lesen von farbigen Diagrammen, Karten oder Ampeln in bestimmten Lichtsituationen
- Betroffene bemerken die Einschränkung oft erst im Kindesalter durch Tests oder Alltagssituationen
Die Rot-Grün-Schwäche verursacht keine Schmerzen und beeinträchtigt die allgemeine Sehschärfe in der Regel nicht.
Diagnose
Die Diagnose wird meist durch einfache Sehtests beim Augenarzt oder Optiker gestellt:
- Ishihara-Tafeln: Der bekannteste Test. Auf farbigen Punktbildern sind Zahlen oder Muster versteckt, die nur bei normalem Farbsehen erkennbar sind.
- Farnsworth-Panel-D15-Test: Farbige Chips werden in eine bestimmte Reihenfolge sortiert.
- Anomaloskop: Ein spezielles Gerät, das Mischfarben erzeugt, um die Art und den Schweregrad der Farbsehschwäche präzise zu bestimmen.
Behandlung und Hilfsmittel
Eine kausale Heilung der angeborenen Rot-Grün-Schwäche ist derzeit nicht möglich. Es gibt jedoch Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern:
- Spezielle Farbfilterlinsen und -brillen (z. B. EnChroma-Brillen): Diese Gläser filtern bestimmte Wellenlängen und können die Farbwahrnehmung verbessern, ersetzen aber kein normales Farbsehen.
- Apps und Software: Digitale Hilfsmittel auf Smartphones können Farben benennen oder Bilder so anpassen, dass sie besser unterscheidbar sind.
- Barrierefreies Design: Im Alltag helfen kontrastreiche Gestaltung und zusätzliche Symbole (z. B. bei Ampeln mit Symbolen).
Bei erworbener Farbsehschwäche wird die Grunderkrankung behandelt, was die Farbwahrnehmung verbessern kann.
Auswirkungen im Alltag und Beruf
Die Rot-Grün-Schwäche kann bei bestimmten Berufen relevant sein, z. B. bei Piloten, Lokführern oder in der Elektronik. Für viele Berufsfelder wird ein normales Farbsehen vorausgesetzt. Im allgemeinen Alltag können Betroffene jedoch gut kompensieren, sobald sie ihre Einschränkung kennen.
Quellen
- Gegenfurtner, K. R. & Sharpe, L. T. (Hrsg.) - Color Vision: From Genes to Perception. Cambridge University Press, 1999.
- Sharpe, L. T. et al. - Opsin genes, cone photopigments, color vision and color blindness. In: Color Vision: From Genes to Perception, Cambridge University Press, 1999.
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) - Leitlinien zum Farbsehen und zur Farbsehprüfung. Abrufbar unter: www.dog.org
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