Sagittale Spaltung: Eingriff & Ablauf erklärt
Die sagittale Spaltung ist ein kieferchirurgischer Eingriff zur Korrektur von Fehlstellungen des Unterkiefers. Sie verbessert Kaufunktion, Aussprache und Ästhetik.
Wissenswertes über "Sagittale Spaltung"
Die sagittale Spaltung ist ein kieferchirurgischer Eingriff zur Korrektur von Fehlstellungen des Unterkiefers. Sie verbessert Kaufunktion, Aussprache und Ästhetik.
Was ist die sagittale Spaltung?
Die sagittale Spaltung (auch sagittale Spaltungsosteotomie des Unterkiefers oder BSSO – Bilateral Sagittal Split Osteotomy – genannt) ist ein kieferchirurgischer Eingriff, bei dem der Unterkiefer gezielt durchtrennt und in eine neue, korrekte Position gebracht wird. Der Eingriff gehört zur sogenannten Umstellungsosteotomie und ist eines der am häufigsten durchgeführten Verfahren in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
Wann wird die sagittale Spaltung angewendet?
Die sagittale Spaltung wird eingesetzt, wenn der Unterkiefer fehlgebildet oder fehlpositioniert ist und kieferorthopädische Maßnahmen allein nicht ausreichen. Typische Indikationen sind:
- Progenie: Vorstand des Unterkiefers (übermäßiger Unterbiss)
- Retrogenie: Rückstand des Unterkiefers (übermäßiger Überbiss)
- Laterognathie: seitliche Verschiebung des Unterkiefers
- Störungen der Kaufunktion und des Bisses (Malokklusion)
- Schläfrigkeit durch obstruktive Schlafapnoe (in Kombination mit weiteren Eingriffen)
- Ästhetische Korrekturen des Gesichtsprofils
Wie wird die sagittale Spaltung durchgeführt?
Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert in der Regel zwei bis vier Stunden. Der Chirurg führt alle Schnitte vom Inneren des Mundes aus, sodass keine sichtbaren Narben im Gesicht entstehen.
Operative Schritte
- Freilegung des Unterkieferknochens durch Schleimhautschnitte
- Gezielte Durchtrennung (Osteotomie) des Unterkieferastes in sagittaler (von vorne nach hinten verlaufender) Richtung
- Verschiebung des Unterkieferteils in die geplante Zielposition
- Fixierung der Knochensegmente mit Titanschrauben oder -platten
- Verschluss der Schleimhautwunden
Die Planung erfolgt vorab mithilfe von Modellanalysen, digitalen 3D-Planungen (z. B. mit Hilfe von Computertomografie-Daten) und kieferorthopädischer Vorbereitung über oft 12–24 Monate.
Vorbereitung und kieferorthopädische Behandlung
Vor dem Eingriff ist in der Regel eine längere kieferorthopädische Behandlung mit einer festen Zahnspange notwendig, um die Zähne optimal für die geplante neue Kieferposition auszurichten. Nach der Operation wird die kieferorthopädische Behandlung für einige Monate fortgesetzt, um das Ergebnis zu stabilisieren.
Nachsorge und Heilungsverlauf
Nach der sagittalen Spaltung ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt von zwei bis fünf Tagen erforderlich. Die vollständige Knochenheilung dauert etwa sechs bis zwölf Monate. Während der Heilungsphase sind folgende Aspekte wichtig:
- Weichkostdiät: Feste Speisen müssen für mehrere Wochen gemieden werden
- Schmerz- und Schwellungsmanagement: Kälteapplikation und Schmerzmedikamente
- Physiotherapie: Übungen zur Wiederherstellung der Kieferbeweglichkeit
- Regelmäßige kieferorthopädische und chirurgische Kontrolltermine
Mögliche Risiken und Komplikationen
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen auch bei der sagittalen Spaltung gewisse Risiken:
- Taubheitsgefühl oder veränderte Empfindungen im Kinn und Unterlippe durch Überdehnung oder vorläufige Schädigung des Nervus alveolaris inferior (Unterkiefernerv) – meist vorübergehend, selten dauerhaft
- Nachblutungen und Infektionen
- Unvollständige Knochenheilung (in seltenen Fällen)
- Rückfall in die ursprüngliche Kieferposition (Rezidiv)
Ergebnisse und Prognose
Bei sorgfältiger Planung und Durchführung liefert die sagittale Spaltung in der großen Mehrheit der Fälle sehr gute Langzeitergebnisse. Patienten berichten häufig von einer deutlich verbesserten Kaufunktion, einer klareren Aussprache sowie einer positiven Veränderung des Gesichtsprofils und damit eines gesteigerten Wohlbefindens.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG): Leitlinien zur Behandlung von Kieferfehlstellungen. Berlin, 2022.
- Proffit WR, White RP, Sarver DM: Contemporary Treatment of Dentofacial Deformity. Mosby Elsevier, 2. Auflage, 2003.
- Epker BN: Modifications in the sagittal osteotomy of the mandible. Journal of Oral and Maxillofacial Surgery, 35(3):157–159, 1977. PubMed PMID: 264333.
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