Salter-Harris-Fraktur: Typen, Symptome und Behandlung
Die Salter-Harris-Fraktur ist ein Knochenbruch bei Kindern und Jugendlichen, der die Wachstumsfuge betrifft. Je nach Typ kann sie die körperliche Entwicklung beeinflussen.
Wissenswertes über "Salter-Harris-Fraktur"
Die Salter-Harris-Fraktur ist ein Knochenbruch bei Kindern und Jugendlichen, der die Wachstumsfuge betrifft. Je nach Typ kann sie die körperliche Entwicklung beeinflussen.
Was ist eine Salter-Harris-Fraktur?
Eine Salter-Harris-Fraktur ist ein Knochenbruch, der die Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) eines noch wachsenden Knochens betrifft. Diese Art von Fraktur tritt ausschließlich bei Kindern und Jugendlichen auf, da Erwachsene keine aktiven Wachstumsfugen mehr besitzen. Die Wachstumsfuge ist eine knorpelige Zone am Ende langer Knochen, in der neues Knochengewebe gebildet wird. Sie ist mechanisch schwächer als der umliegende Knochen und daher besonders anfällig für Verletzungen.
Die Klassifikation nach Salter und Harris wurde 1963 von den kanadischen Ärzten Robert B. Salter und W. Robert Harris eingeführt und ist bis heute das weltweit gebräuchlichste System zur Einteilung dieser Frakturen.
Klassifikation der Salter-Harris-Fraktur
Die Klassifikation umfasst fünf Typen, die sich nach der Lage und dem Ausmaß der Verletzung innerhalb der Wachstumsfuge unterscheiden:
- Typ I: Der Bruch verläuft ausschließlich durch die Wachstumsfuge. Der Knochen selbst bleibt unversehrt. Dieser Typ ist oft schwer zu diagnostizieren und hat in der Regel eine gute Prognose.
- Typ II: Der häufigste Typ. Der Bruch verläuft durch die Wachstumsfuge und einen Teil des Metaphyse (dem knochennahen Bereich). Die Prognose ist gut.
- Typ III: Der Bruch verläuft durch die Wachstumsfuge und die Epiphyse (den gelenknahen Knochenanteil). Eine exakte Reposition ist notwendig, da das Gelenk betroffen ist.
- Typ IV: Der Bruch durchquert Epiphyse, Wachstumsfuge und Metaphyse vollständig. Dieser Typ erfordert häufig eine operative Behandlung und hat ein höheres Risiko für Wachstumsstörungen.
- Typ V: Seltener und schwerwiegendster Typ. Es handelt sich um eine Stauchungsverletzung der Wachstumsfuge ohne sichtbaren Knochenbruch. Das Risiko einer dauerhaften Wachstumsstörung ist hoch.
Ursachen und Risikofaktoren
Salter-Harris-Frakturen entstehen typischerweise durch:
- Stürze, zum Beispiel beim Sport oder beim Spielen
- Direkte Schläge auf einen Knochen
- Verdrehungen oder Überstreckungen von Gelenken
- Verkehrsunfälle
Besonders häufig betroffen sind das Handgelenk, der Knöchel, der Unterschenkel und die Finger. Kinder zwischen 10 und 16 Jahren tragen das höchste Risiko, da in dieser Phase das Knochenwachstum besonders aktiv ist.
Symptome
Die typischen Symptome einer Salter-Harris-Fraktur umfassen:
- Schmerzen im Bereich des betroffenen Gelenks oder Knochens
- Schwellung und Druckempfindlichkeit, insbesondere über der Wachstumsfuge
- Eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks
- Sichtbare Fehlstellung des Knochens (bei schwereren Typen)
- Blutergüsse (Hämatome) in der Umgebung
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in erster Linie durch eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren:
- Röntgenaufnahme: Standardverfahren zur ersten Beurteilung. Typ-I-Frakturen sind oft nicht direkt sichtbar.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Besonders geeignet zur Darstellung von Knorpelstrukturen und zur Diagnose von Typ-I- und Typ-V-Frakturen.
- Computertomographie (CT): Wird bei komplexeren Frakturen (Typ III und IV) zur genauen Operationsplanung eingesetzt.
- Ultraschall: Kann ergänzend eingesetzt werden, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Frakturtyp, der Lokalisation und dem Alter des Kindes:
Konservative Behandlung
Bei Typ-I- und Typ-II-Frakturen ohne wesentliche Fehlstellung ist häufig eine konservative Therapie ausreichend. Dabei wird der betroffene Knochen durch einen Gipsverband oder eine Schiene ruhiggestellt. Die Ruhigstellungsdauer beträgt in der Regel drei bis sechs Wochen, abhängig von Alter und Lokalisation.
Operative Behandlung
Frakturen vom Typ III, IV und V sowie stark verschobene Typ-II-Frakturen erfordern häufig eine operative Reposition und Fixierung, zum Beispiel mit Kirschner-Drähten, Schrauben oder Platten. Ziel ist es, die anatomische Stellung der Wachstumsfuge wiederherzustellen und Wachstumsstörungen zu verhindern.
Nachsorge und Verlaufskontrolle
Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig, um das weitere Knochenwachstum zu überwachen. Bei höhergradigen Frakturen sollten Verlaufskontrollen über mindestens ein bis zwei Jahre erfolgen.
Mögliche Komplikationen
Die wichtigste Komplikation ist eine Wachstumsstörung durch Schädigung der Wachstumsfuge. Dies kann zu:
- Beinlängendifferenz oder Achsfehlstellungen führen
- Vorzeitigem Verschluss der Wachstumsfuge (Epiphysenfugenschluss)
- Einschränkungen der Gelenkfunktion
Das Risiko ist bei Typ-IV- und Typ-V-Frakturen am höchsten.
Quellen
- Salter RB, Harris WR. Injuries involving the epiphyseal plate. Journal of Bone and Joint Surgery. 1963;45(3):587-622.
- Rockwood CA, Wilkins KE, Beaty JH. Fractures in Children. 8th ed. Lippincott Williams and Wilkins; 2015.
- Staheli LT. Fundamentals of Pediatric Orthopedics. 5th ed. Wolters Kluwer; 2016.
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