Sarkopenie: Ursachen, Symptome und Behandlung
Sarkopenie bezeichnet den altersbedingten Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft. Sie erhöht das Sturzrisiko und mindert die Lebensqualität älterer Menschen.
Wissenswertes über "Sarkopenie"
Sarkopenie bezeichnet den altersbedingten Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft. Sie erhöht das Sturzrisiko und mindert die Lebensqualität älterer Menschen.
Was ist Sarkopenie?
Sarkopenie ist eine fortschreitende Skelettmuskelerkrankung, die mit dem Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit einhergeht. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab: sarx (Fleisch) und penia (Mangel). Sarkopenie tritt vor allem im höheren Lebensalter auf und gilt seit 2016 offiziell als eigenständige Erkrankung mit einem eigenen ICD-10-Code (M62.84). Sie ist ein bedeutender Risikofaktor für Stürze, Knochenbrüche, Pflegebedürftigkeit und eine erhöhte Sterblichkeit.
Ursachen
Die Entstehung der Sarkopenie ist multifaktoriell. Folgende Faktoren spielen eine zentrale Rolle:
- Alterungsprozess: Ab dem 40. Lebensjahr verliert der Mensch jährlich etwa 0,5–1 % seiner Muskelmasse. Nach dem 70. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Prozess.
- Körperliche Inaktivität: Bewegungsmangel und längere Bettruhe fördern den Muskelabbau erheblich.
- Ernährungsdefizite: Eine unzureichende Protein- und Kalorien-Zufuhr, besonders häufig bei älteren Menschen, beeinträchtigt den Muskelaufbau.
- Hormonelle Veränderungen: Der altersbedingte Rückgang von Testosteron, Östrogen und Wachstumshormon schwächt die Muskelregeneration.
- Chronische Entzündungen: Erhöhte Spiegel entzündungsfördernder Botenstoffe (z. B. Interleukin-6, TNF-alpha) beschleunigen den Muskelabbau.
- Neurologische Veränderungen: Der Verlust motorischer Nervenzellen beeinträchtigt die Muskelsteuerung und -erhaltung.
- Chronische Erkrankungen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankungen und Krebs können Sarkopenie begünstigen oder verstärken.
Symptome
Sarkopenie entwickelt sich schleichend und wird oft erst spät erkannt. Typische Zeichen sind:
- Abnehmende Muskelkraft, z. B. Schwierigkeiten beim Öffnen von Flaschen oder Tragen von Gegenständen
- Verlangsamtes Gehtempo und unsicherer Gang
- Erhöhtes Sturzrisiko
- Allgemeine Schwäche und rasche Ermüdbarkeit
- Gewichtsabnahme durch Muskelverlust
- Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (Treppensteigen, Aufstehen vom Stuhl)
Diagnose
Die Diagnose der Sarkopenie basiert auf international anerkannten Kriterien, etwa denen der European Working Group on Sarcopenia in Older People (EWGSOP2). Folgende Untersuchungen werden eingesetzt:
- Handgriffstärke: Messung der Handkraft mittels Dynamometer als einfacher Screening-Test für Muskelkraft.
- Ganggeschwindigkeit: Messung der Gehgeschwindigkeit über eine definierte Strecke (z. B. 4-Meter-Gangtest).
- Chair-Stand-Test: Zeit, die benötigt wird, um fünfmal ohne Armhilfe aufzustehen.
- DXA-Scan (Dual-Energie-Röntgenabsorptiometrie): Goldstandard zur Messung der Muskelmasse.
- Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA): Einfachere Alternative zur Schätzung der Körperzusammensetzung.
- SARC-F-Fragebogen: Kurzes Screening-Instrument zur Selbsteinschätzung von Muskelschwund-Symptomen.
Behandlung
Eine kausale Therapie der Sarkopenie existiert bisher nicht. Die Behandlung zielt auf eine Verlangsamung des Muskelabbaus und eine Verbesserung der körperlichen Funktion ab.
Krafttraining und körperliche Aktivität
Regelmäßiges Widerstandstraining (Krafttraining) ist die wirksamste Maßnahme gegen Sarkopenie. Schon zwei bis drei Einheiten pro Woche können Muskelmasse und -kraft spürbar verbessern. Ergänzend empfehlen sich Gleichgewichts- und Ausdauerübungen.
Ernährungstherapie
Eine optimierte Eiweißzufuhr ist essenziell. Empfohlen werden für ältere Menschen:
- Proteinzufuhr: 1,0–1,2 g pro kg Körpergewicht täglich, bei Erkrankung bis zu 1,5 g/kg/Tag.
- Leucin-reiche Proteinquellen: Molkenprotein (Whey), Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte.
- Vitamin D: Ausreichende Versorgung (800–2000 IE/Tag) zur Unterstützung der Muskelfunktion.
- Omega-3-Fettsäuren: Können die Muskelproteinsynthese positiv beeinflussen.
- Kalorienzufuhr: Ausreichende Gesamtenergie, um Mangelernährung zu vermeiden.
Medikamentöse Ansätze
Derzeit gibt es kein zugelassenes Medikament speziell für Sarkopenie. In bestimmten Fällen kann ein Vitamin-D-Mangel behandelt oder eine Hormonersatztherapie erwägt werden. Verschiedene Wirkstoffe (z. B. selektive Androgen-Rezeptor-Modulatoren, Myostatin-Inhibitoren) befinden sich in klinischer Erprobung.
Prävention
Sarkopenie kann durch einen aktiven Lebensstil, ausgewogene Ernährung und regelmäßiges Krafttraining über das gesamte Leben hinweg verzögert oder abgemildert werden. Besonders wichtig ist die frühzeitige Förderung der Muskelgesundheit bereits in der Lebensmitte.
Quellen
- Cruz-Jentoft AJ et al. - Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis. Age and Ageing, 2019; 48(1): 16–31. (EWGSOP2)
- Deutz NEP et al. - Protein intake and exercise for optimal muscle function with aging. Clinical Nutrition, 2017; 36(6): 1457–1464.
- World Health Organization (WHO) - Integrated care for older people (ICOPE): guidance for person-centred assessment and pathways in primary care, 2019.
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