Schellack (E904): Verwendung, Sicherheit & Herkunft
Schellack (E904) ist ein natürlicher Harzlack, der von Lackschildläusen produziert wird. Er wird in der Lebensmittelindustrie als Überzugsmittel für Obst, Süßwaren und Arzneimittel eingesetzt.
Wissenswertes über "Schellack"
Schellack (E904) ist ein natürlicher Harzlack, der von Lackschildläusen produziert wird. Er wird in der Lebensmittelindustrie als Überzugsmittel für Obst, Süßwaren und Arzneimittel eingesetzt.
Was ist Schellack?
Schellack (Lebensmittelzusatzstoff E904) ist ein natürlicher Harzlack, der aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus (Kerria lacca) gewonnen wird. Diese Insekten leben hauptsächlich auf Bäumen in Süd- und Südostasien, insbesondere in Indien und Thailand. Schellack gehört zu den ältesten bekannten Naturharzen und wird seit Jahrhunderten in verschiedenen Industriezweigen verwendet.
Herstellung und Zusammensetzung
Die Lackschildläuse scheiden Schellack als Schutzhülle ab. Dieser Rohschellack wird von den Ästen der Bäume geerntet, gereinigt und aufgeschmolzen, um ihn von Verunreinigungen zu befreien. Der gereinigte Schellack besteht hauptsächlich aus:
- Harzesäuren (z.B. Aleuritinsäure und Shellolsäure)
- Wachsanteilen (ca. 3–5 %)
- Farbstoffen (z.B. Laccafsäure, die für die typische rotbraune Farbe verantwortlich ist)
Schellack ist in Alkohol löslich, aber wasserunlöslich, was ihn zu einem idealen Überzugsmittel macht.
Verwendung in der Lebensmittelindustrie
In der Lebensmittelindustrie wird Schellack als Überzugsmittel und Glasiermittel eingesetzt. Er verlängert die Haltbarkeit von Lebensmitteln, verbessert deren Aussehen und schützt empfindliche Oberflächen. Typische Anwendungsbereiche sind:
- Frisches Obst und Gemüse: Überzug auf Äpfeln, Zitrusfrüchten, Birnen und Melonen zum Schutz vor Austrocknung und Schimmel
- Süßwaren: Glasur auf Schokoladenprodukten, Dragees, Kaugummi und Gummibärchen
- Kaffeebohnen: Glänzender Überzug auf rösten Kaffeebohnen
- Backwaren: Glänzende Oberfläche auf bestimmten Backwaren und Konditoreiprodukten
Verwendung in der Pharmaindustrie
In der Pharmaindustrie wird Schellack als Filmbildner für Tabletten und Kapseln verwendet. Er ermöglicht eine magensaftresistente Beschichtung, die verhindert, dass der Wirkstoff bereits im Magen freigesetzt wird. Stattdessen wird er gezielt im Dünndarm abgegeben.
Kennzeichnungspflicht
In der Europäischen Union ist Schellack als Lebensmittelzusatzstoff unter der Bezeichnung E904 zugelassen. Lebensmittel, die mit Schellack behandelt wurden, müssen entsprechend gekennzeichnet sein, z.B. mit dem Hinweis „gewachst“ oder „Überzugsmittel: Schellack“. Da Schellack tierischen Ursprungs ist, ist er für Veganer und Vegetarier in der Regel nicht akzeptabel.
Gesundheitliche Bewertung und Sicherheit
Schellack gilt nach aktuellem wissenschaftlichem Stand als gesundheitlich unbedenklich, wenn er in den zugelassenen Mengen verwendet wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Schellack bewertet und keine Sicherheitsbedenken bei der üblichen Verwendung festgestellt. Allergische Reaktionen sind selten, aber möglich, insbesondere bei Personen mit bekannten Insektenallergien.
Weitere Anwendungsgebiete
Außerhalb der Lebensmittel- und Pharmaindustrie findet Schellack breite Anwendung in:
- Holzlacken und Möbellacken: Traditionell als Politur und Schutzlack für Möbel, Bodenbelag und Holzinstrumente
- Kosmetik: Als Bestandteil von Haarsprays, Nagellacken und Mascara
- Druckfarben: Als Bindemittel in bestimmten Drucktinten
- Elektronikindustrie: Früher als Isoliermaterial, heute weitgehend durch Kunststoffe ersetzt
Quellen
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Re-evaluation of shellac (E 904) as a food additive. EFSA Journal, 2018.
- Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über Lebensmittelzusatzstoffe.
- Trivedi, M.K. et al.: A review on chemical and pharmacological aspects of shellac. Journal of Pharmaceutical Sciences and Research, 2016.
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