Morbus Scheuermann: Ursachen, Symptome & Behandlung
Morbus Scheuermann ist eine Wachstumssörung der Wirbelsäule im Jugendalter, die zu einem erhöhten Rundrücken führt. Die Erkrankung betrifft häufig die Brustwirbelsäule.
Wissenswertes über "Scheuermann"
Morbus Scheuermann ist eine Wachstumssörung der Wirbelsäule im Jugendalter, die zu einem erhöhten Rundrücken führt. Die Erkrankung betrifft häufig die Brustwirbelsäule.
Was ist Morbus Scheuermann?
Morbus Scheuermann, auch als Scheuermann-Krankheit oder juvenile Kyphose bezeichnet, ist eine strukturelle Wachstumssörung der Wirbelsäule, die typischerweise während des Jugendalters auftritt. Dabei verformen sich einzelne Wirbelkörper keilförmig, was zu einer übermäßigen Krümmung der Brustwirbelsäule (Kyphose) und dem charakteristischen Rundrücken führt. Die Erkrankung wurde erstmals 1921 vom dänischen Orthopäden Holger Werfel Scheuermann beschrieben.
Ursachen
Die genaue Ursache von Morbus Scheuermann ist noch nicht vollständig geklärt. Es werden mehrere Faktoren diskutiert:
- Genetische Veranlagung: Die Erkrankung tritt häufig familiär gehäuft auf, was auf eine erbliche Komponente hinweist.
- Wachstumssörung der Wirbelkörper: Während des Wachstums entwickeln sich die vorderen Anteile der Wirbelkörper langsamer als die hinteren, was zur keilförmigen Verformung führt.
- Mechanische Belastung: Eine erhöhte Belastung der Wirbelsäule während des Wachstumsschubs wird als mitverursachend angesehen.
- Ernährungsmängel: Ein Mangel an Vitamin D und Kalzium könnte die Knochenentwicklung negativ beeinflussen.
Symptome
Die Symptome von Morbus Scheuermann können je nach Schweregrad variieren:
- Rundrücken (Kyphose): Sichtbare, verstärkte Krümmung der oberen Wirbelsäule.
- Rückenschmerzen: Besonders im betroffenen Bereich der Wirbelsäule, häufig bei längerem Sitzen oder körperlicher Belastung.
- Erschöpfung der Rückenmuskulatur: Durch die veränderte Haltung wird die Muskulatur stärker beansprucht.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Besonders die Vorwärtsbeugung der Wirbelsäule kann eingeschränkt sein.
- Im schweren Verlauf: Neurologische Beschwerden durch Einengung des Rückenmarks sind selten, aber möglich.
Diagnose
Die Diagnose von Morbus Scheuermann erfolgt in der Regel durch:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt beurteilt die Haltung und die Krümmung der Wirbelsäule.
- Röntgenaufnahmen: Typisches Zeichen ist eine keilförmige Verformung von mindestens drei aufeinanderfolgenden Wirbelkörpern mit einem Keilwinkel von jeweils mehr als 5 Grad (Cobb-Winkel-Messung). Zusätzlich können Schmorl-Knötchen sichtbar sein – Einbrüche der Bandscheiben in die Wirbelkörper.
- MRT oder CT: Bei Verdacht auf neurologische Beteiligung oder zur genauen Beurteilung der Weichteilstrukturen.
Behandlung
Konservative Therapie
Die meisten Fälle von Morbus Scheuermann können konservativ behandelt werden:
- Physiotherapie und Krankengymnastik: Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur sowie Dehnung der verkürzten Brustmuskulatur zur Verbesserung der Haltung.
- Korsettversorgung: Bei Krümmungswinkeln über 40–50 Grad und noch laufendem Knochenwachstum kann ein Korsett (z. B. Cheneau-Korsett) die Progredienz verlangsamen.
- Schmerztherapie: Einsatz von Schmerzmitteln wie NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) bei ausgeprägten Schmerzen.
- Sport: Geeignete Sportarten wie Schwimmen oder Rückenschwimmen fördern die Muskulatur und entlasten die Wirbelsäule.
Operative Therapie
Eine Operation ist selten notwendig und kommt nur bei sehr schweren Fällen in Betracht:
- Krümmungswinkel über 70–80 Grad trotz konservativer Therapie
- Starke, therapieresistente Schmerzen
- Neurologische Ausfälle
- Ausgepägte kosmetische Beeinträchtigung
Dabei wird häufig eine dorsale Instrumentierung und Spondylodese (Versteifung der Wirbelsäule) durchgeführt.
Prognose
Die Prognose bei Morbus Scheuermann ist in den meisten Fällen gut. Bei frühzeitiger Behandlung kann die Progredienz der Krümmung aufgehalten und die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Im Erwachsenenalter sind die Veränderungen der Wirbelkörper jedoch bleibend. Regelmäßige physiotherapeutische Übungen helfen, Schmerzen langfristig zu reduzieren.
Quellen
- Lowe TG. Scheuermann disease. The Journal of Bone and Joint Surgery, 1990; 72(6): 940–945.
- Murray PM, Weinstein SL, Spratt KF. The natural history and long-term follow-up of Scheuermann kyphosis. The Journal of Bone and Joint Surgery, 1993; 75(2): 236–248.
- Bundesministerium für Gesundheit (BMG) – Informationen zu Wirbelsäulenerkrankungen und Haltungsschäden im Kindes- und Jugendalter. www.bundesgesundheitsministerium.de
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