Segond-Fraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Segond-Fraktur ist ein knöcherner Ausriss am äußeren Schienbeinkopf und gilt als sicheres Zeichen für eine schwere Knieverletzung mit Kreuzbandbeteiligung.
Wissenswertes über "Segond-Fraktur"
Die Segond-Fraktur ist ein knöcherner Ausriss am äußeren Schienbeinkopf und gilt als sicheres Zeichen für eine schwere Knieverletzung mit Kreuzbandbeteiligung.
Was ist die Segond-Fraktur?
Die Segond-Fraktur ist eine spezifische Knieverletzung, bei der ein kleines Knochenfragment vom seitlichen (lateralen) Rand des Schienbeinkopfes (Tibiaplateaus) abgerissen wird. Sie entsteht durch übermäßigen Zug der lateralen Kapsel-Band-Strukturen auf den Knochen. Benannt wurde sie nach dem französischen Chirurgen Paul Segond, der diese Verletzung im Jahr 1879 erstmals beschrieb.
Obwohl die Fraktur selbst vergleichsweise klein und auf einem Röntgenbild oft unscheinbar wirkt, ist sie medizinisch von großer Bedeutung: Sie gilt als pathognomonisches Zeichen – also als nahezu sicherer Hinweis – auf eine gleichzeitig bestehende Verletzung des vorderen Kreuzbandes (VKB). In über 75 % der Fälle ist das vordere Kreuzband mitbetroffen.
Ursachen und Entstehungsmechanismus
Die Segond-Fraktur entsteht typischerweise durch einen bestimmten Verletzungsmechanismus am Knie:
- Innendrehung des Unterschenkels bei gleichzeitiger Beugung im Knie
- Häufig bei Sportunfällen, insbesondere beim Fußball, Skifahren, Basketball oder American Football
- Sturz mit verdrehtem Knie oder direkte Krafteinwirkung von innen auf das Knie
Durch die kombinierte Rotations- und Valgusbelastung (Kraft von innen auf das Knie) werden die lateralen Kapsel-Band-Strukturen überdehnt, was zu einem knöchernen Ausriss führt.
Begleitverletzungen
Die Segond-Fraktur tritt selten isoliert auf. In der Regel sind folgende Strukturen zusätzlich betroffen:
- Vorderes Kreuzband (VKB): in 75–100 % der Fälle
- Innenmeniskus oder Außenmeniskus: in etwa 66 % der Fälle
- Hinteres Kreuzband: seltener betroffen
- Kollateralbänder und weitere Kapselstrukturen
Aufgrund dieser häufigen Begleitverletzungen gilt der Nachweis einer Segond-Fraktur als dringendes Warnsignal für eine komplexe Kniebandverletzung.
Symptome
Die typischen Beschwerden nach einer Segond-Fraktur sind:
- Starke Schmerzen im Bereich des äußeren Kniegelenks
- Schwellung und Bluterguss (Hämatom) am Knie, oft auch Gelenkergüss (Blut im Gelenk, sog. Hämarthros)
- Instabilitätsgefühl im Knie, insbesondere bei Drehbewegungen
- Eingeschränkte Beweglichkeit und Belastungsschmerz
Diagnose
Die Diagnose der Segond-Fraktur erfolgt in mehreren Schritten:
Körperliche Untersuchung
Der Arzt prüft die Stabilität des Kniegelenks mit spezifischen Tests, zum Beispiel dem Lachman-Test oder dem vorderen Schubladentest, um eine Kreuzbandbeteiligung festzustellen.
Röntgenuntersuchung
Im Röntgenbild (anterior-posteriore Aufnahme) zeigt sich die Segond-Fraktur als kleines, oval-längliches Knochenfragment am lateralen Rand des Schienbeinkopfes. Dieses Zeichen ist charakteristisch und ermöglicht oft schon die erste Diagnose.
MRT (Magnetresonanztomographie)
Die MRT ist die wichtigste bildgebende Methode zur vollständigen Beurteilung aller Begleitverletzungen (Kreuzbänder, Menisken, Knorpel). Sie zeigt das Ausmaß der gesamten Knieverletzung zuverlässig und detailgenau.
Behandlung
Die Therapie der Segond-Fraktur richtet sich in erster Linie nach den Begleitverletzungen, da die Fraktur selbst meist keine eigenständige operative Versorgung erfordert.
Konservative Behandlung
Bei stabilen Verhältnissen ohne schwerwiegende Begleitverletzungen kann das Knie konservativ behandelt werden:
- Ruhigstellung und Entlastung des Kniegelenks
- Kühlung und Hochlagerung zur Schwellungsreduktion
- Physiotherapie zur Wiederherstellung von Kraft und Stabilität
- Orthese (Stützschiene) zur Stabilisierung
Operative Behandlung
Liegt gleichzeitig eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes oder eine schwere Meniskusverletzung vor, ist in der Regel eine Operation erforderlich:
- Vordere Kreuzbandrekonstruktion (arthroskopisch, häufig mit Eigensehnentransplantat)
- Meniskusnaht oder partielle Meniskusentfernung bei Meniskusriss
- Versorgung weiterer Bandverletzungen je nach Befund
Prognose und Rehabilitation
Die Prognose nach einer Segond-Fraktur hängt wesentlich von den Begleitverletzungen ab. Nach einer operativen Kreuzbandrekonstruktion dauert die Rehabilitation in der Regel 6 bis 12 Monate, bis eine vollständige Rückkehr zum Sport möglich ist. Eine konsequente physiotherapeutische Nachbehandlung ist entscheidend für ein gutes Langzeitergebnis und die Vermeidung von Knieinstabilität oder Arthrose.
Quellen
- Segond P. - Recherches cliniques et expérimentales sur les épanchements sanguins du genou par entorse. Progrès Médical, 1879.
- Dietz GW et al. - Significance of the Segond fracture in the diagnosis of anterior cruciate ligament tears. AJR American Journal of Roentgenology, 1986; 146(6): 1166–1168.
- Herbst E et al. - Lateral Extra-articular Structures and the Anterolateral Ligament. American Journal of Sports Medicine, 2017; 45(9): 2142–2153.
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