Selenoprotein P – Funktion, Biomarker & Gesundheit
Selenoprotein P ist ein selenhaltiges Transportprotein, das in der Leber gebildet wird und Selen im Körper verteilt. Es gilt als wichtiger Biomarker für den Selenstatus.
Wissenswertes über "Selenoprotein P"
Selenoprotein P ist ein selenhaltiges Transportprotein, das in der Leber gebildet wird und Selen im Körper verteilt. Es gilt als wichtiger Biomarker für den Selenstatus.
Was ist Selenoprotein P?
Selenoprotein P (auch bekannt als SELENOP oder SelP) ist ein im Blut vorkommendes Glykoprotein, das mehrere Selenocystein-Reste enthält. Es wird hauptsächlich in der Leber synthetisiert und ins Blut abgegeben, von wo aus es Selen an verschiedene Gewebe und Organe transportiert. Selen ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das für zahlreiche biologische Prozesse benötigt wird.
Biologische Funktionen
Selenoprotein P erfüllt im menschlichen Organismus mehrere zentrale Aufgaben:
- Selentransport: Als wichtigstes Selenträgerprotein im Plasma versorgt Selenoprotein P Gewebe wie Gehirn, Hoden und Nieren mit Selen, die auf eine ausreichende Selenversorgung besonders angewiesen sind.
- Antioxidativer Schutz: Selenoprotein P wirkt als Antioxidans und schützt Zellen vor oxidativem Stress, indem es reaktive Sauerstoffspezies (ROS) neutralisiert.
- Immunmodulation: Es spielt eine Rolle bei der Regulation von Entzündungsreaktionen und unterstützt das Immunsystem.
- Selenosynthese: Selenoprotein P liefert Selen als Substrat für die Biosynthese anderer Selenoproteine, wie z. B. Glutathionperoxidasen und Thioredoxinreduktasen.
Biomarker für den Selenstatus
Die Konzentration von Selenoprotein P im Blutplasma gilt als der zuverlässigste Biomarker für den Selenversorgungsstatus des Gesamtkörpers. Im Gegensatz zur reinen Selenium-Konzentration im Serum spiegelt Selenoprotein P auch die Verfügbarkeit von Selen für Organe mit hohem Bedarf wider. Referenzwerte liegen typischerweise zwischen 4 und 7 mg/L im Plasma, können jedoch je nach Labor und Messmethode variieren.
Klinische Bedeutung
Selenoprotein P und Schilddrüse
Die Schilddrüse gehört zu den selenreichsten Organen des Körpers. Selenoprotein P versorgt die Schilddrüse mit Selen, das für die Aktivität von Iodthyronin-Deiodase-Enzymen essenziell ist, welche die Umwandlung von Schilddrüsenhormonen (T4 zu T3) regulieren.
Selenoprotein P und neurodegenerative Erkrankungen
Studien deuten darauf hin, dass ein Mangel an Selenoprotein P mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson assoziiert sein könnte, da das Gehirn stark auf selenabhängige antioxidative Schutzmechanismen angewiesen ist.
Selenoprotein P und kardiovaskuläre Gesundheit
Niedrige Selenoprotein-P-Spiegel werden mit erhöhtem oxidativem Stress in Verbindung gebracht und könnten ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen sein. Allerdings werden auch paradoxe Befunde diskutiert, bei denen erhöhte Werte mit metabolischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes assoziiert sind.
Selenoprotein P bei Diabetes mellitus
Interessanterweise zeigen Studien, dass erhöhte Plasma-Selenoprotein-P-Spiegel bei Patienten mit Typ-2-Diabetes auftreten können. Es wird diskutiert, dass Selenoprotein P die Insulinsignalisierung hemmt und zur Insulinresistenz beitragen könnte. Dies macht Selenoprotein P zu einem potenziellen therapeutischen Zielmolekül.
Einflussfaktoren auf den Selenoprotein-P-Spiegel
Verschiedene Faktoren beeinflussen die Konzentration von Selenoprotein P im Plasma:
- Selenzufuhr über die Nahrung: Höhere Selenzufuhr erhöht den Selenoprotein-P-Spiegel bis zu einem Sättigungsplateau.
- Lebererkrankungen: Da Selenoprotein P hauptsächlich in der Leber produziert wird, führen Lebererkrankungen zu erniedrigten Spiegeln.
- Entzündungen: Akute und chronische Entzündungszustände können die Selenoprotein-P-Synthese reduzieren.
- Genetische Polymorphismen: Bestimmte genetische Varianten im SELENOP-Gen beeinflussen die individuelle Selenoprotein-P-Konzentration.
Nahrungsquellen für Selen
Um optimale Selenoprotein-P-Spiegel zu erreichen, ist eine ausreichende Selenzufuhr entscheidend. Gute Nahrungsquellen für Selen sind:
- Paranuss (sehr hoher Selengehalt)
- Fisch und Meesfrüchte (z. B. Thunfisch, Lachs, Garnelen)
- Fleisch und Innereien
- Eier
- Getreideprodukte (abhängig vom Selengehalt des Bodens)
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Selenzufuhr von 60 µg für Frauen und 70 µg für Männer.
Quellen
- Schomburg L. - Selenium, selenoproteins and the thyroid gland: interactions in health and disease. Nature Reviews Endocrinology, 2012.
- Burk RF, Hill KE. - Selenoprotein P: an extracellular protein with unique physical characteristics and a role in selenium homeostasis. Annual Review of Nutrition, 2005.
- Steinbrenner H, Speckmann B, Pinto A, Sies H. - High selenium intake and increased diabetes risk: experimental evidence for interplay between selenium and carbohydrate metabolism. Journal of Clinical Biochemistry and Nutrition, 2011.
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