SIADH – Ursachen, Symptome & Behandlung
SIADH ist ein Syndrom, bei dem zu viel antidiuretisches Hormon ausgeschüttet wird, was zu einem gefährlichen Natriumabfall im Blut führt.
Wissenswertes über "SIADH"
SIADH ist ein Syndrom, bei dem zu viel antidiuretisches Hormon ausgeschüttet wird, was zu einem gefährlichen Natriumabfall im Blut führt.
Was ist SIADH?
SIADH steht für Syndrom der inadäquaten antidiuretischen Hormonsekretion (englisch: Syndrome of Inappropriate Antidiuretic Hormone Secretion). Es handelt sich um eine Stoffwechselstörung, bei der der Körper zu viel ADH (Antidiuretisches Hormon, auch Vasopressin genannt) produziert oder auf dieses übermäßig reagiert. ADH ist eigentlich dafür zuständig, die Wasserausscheidung über die Nieren zu regulieren. Bei SIADH wird zu viel Wasser zurückgehalten, was das Blut verdünnt und zu einem gefährlich niedrigen Natriumspiegel im Blut (Hyponatriämie) führt.
Ursachen
SIADH kann durch eine Vielzahl von Erkrankungen und Faktoren ausgelöst werden:
- Erkrankungen des Zentralnervensystems: Meningitis, Enzephalitis, Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall oder Hirntumoren
- Lungenerkrankungen: Lungenentzündung, Tuberkulose, Asthma oder mechanische Beatmung
- Tumoren: Bestimmte Krebsarten (z. B. kleinzelliges Bronchialkarzinom) können selbst ADH produzieren (ektope ADH-Produktion)
- Medikamente: Antidepressiva (SSRIs), Carbamazepin, Cyclophosphamid, bestimmte Schmerzmittel und Diuretika
- Weitere Ursachen: Hypothyreose, Nebennierenrindeninsuffizienz, große Operationen oder starker emotionaler Stress
Symptome
Die Symptome von SIADH hängen stark vom Ausmaß und der Geschwindigkeit des Natriumabfalls ab:
- Leichte Fälle: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit und allgemeines Unwohlsein
- Mittelschwere Fälle: Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen, Gang- und Gleichgewichtsstörungen
- Schwere Fälle: Krämpfe (Epilepsie), Bewusstlosigkeit, Koma – dies ist ein medizinischer Notfall
Da Natrium für die normale Gehirnfunktion unverzichtbar ist, kann eine ausgepägte Hyponatriämie lebensbedrohlich werden.
Diagnose
Die Diagnose von SIADH basiert auf einer Kombination aus klinischer Beurteilung und Laboruntersuchungen:
- Blutuntersuchung: Natriumspiegel unter 135 mmol/l (Hyponatriämie), erniedrigte Blutosmolärität (<275 mOsm/kg)
- Urinuntersuchung: Erhöhte Urinosmolärität (>100 mOsm/kg) und erhöhte Natriumkonzentration im Urin (>40 mmol/l)
- Ausschlussdiagnostik: Schilddrüsenfunktion, Nebennierenrindenfunction und Nierenfunktion müssen normal sein; kein Hinweis auf Ödeme oder Dehydrierung
- Bildgebung: MRT des Gehirns oder CT des Thorax zur Ursachensuche
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Hyponatriämie und der Grunderkrankung:
Allgemeine Maßnahmen
- Flüssigkeitsrestriktion: Die wichtigste Basismaßnahme bei milden bis mäßigen Fällen ist die Einschränkung der täglichen Flüssigkeitszufuhr auf 800–1000 ml pro Tag.
- Behandlung der Grunderkrankung: Absetzen auslösender Medikamente, Behandlung von Infektionen oder Tumoren
Medikamentöse Therapie
- Kochsalzlösung (NaCl): Bei schwerer, symptomatischer Hyponatriämie wird hypertone Kochsalzlösung (3 %) langsam inträvenös verabreicht. Wichtig: Der Natriumspiegel darf nicht zu schnell angehoben werden (Risiko der osmotischen Demyelinisierung).
- Vaptane (z. B. Tolvaptan): Diese Medikamente blockieren die Wirkung von ADH an den Nieren und fördern die selektive Wasserausscheidung. Sie werden bei chronischem SIADH eingesetzt.
- Urea (Harnstoff): Kann als alternatives Mittel zur Förderung der Wasserausscheidung eingesetzt werden.
Prognose
Die Prognose von SIADH hängt in erster Linie von der zugrundeliegenden Ursache ab. Bei frühzeitiger Erkennung und sachgemäßer Behandlung ist die Hyponatriämie gut behandelbar. Bei tumorbedängtem SIADH richtet sich die Prognose nach dem Verlauf der Krebserkrankung. Eine zu rasche Korrektur des Natriumspiegels kann zu schwerwiegenden neurologischen Schäden führen und muss vermieden werden.
Quellen
- Ellison, D. H. & Berl, T. (2007). The syndrome of inappropriate antidiuresis. New England Journal of Medicine, 356(20), 2064–2072.
- Spasovski, G. et al. (2014). Clinical practice guideline on diagnosis and treatment of hyponatraemia. European Journal of Endocrinology, 170(3), G1–G47.
- Fenske, W. & Allolio, B. (2012). Current state and future perspectives in the diagnosis of diabetes insipidus: a clinical review. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 97(10), 3426–3437.
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