Siebenschläfer: Bauernregel, Tier & Legende
Der Siebenschläfer (27. Juni) ist eine Bauernregel, die das Wetter der folgenden Wochen vorhersagen soll. Ob Volksweisheit oder Meteorologie – hier erfahren Sie mehr.
Wissenswertes über "Siebenschläfer"
Der Siebenschläfer (27. Juni) ist eine Bauernregel, die das Wetter der folgenden Wochen vorhersagen soll. Ob Volksweisheit oder Meteorologie – hier erfahren Sie mehr.
Was ist der Siebenschläfer?
Der Begriff Siebenschläfer bezeichnet in der deutschen Volkskultur vor allem den Siebenschläfertag am 27. Juni. Dieser Tag ist als Bauernregel bekannt: Sie besagt, dass das Wetter am 27. Juni das Wetter der folgenden sieben Wochen – also den Hochsommer bis in den August – bestimmen soll. Darüber hinaus ist der Siebenschläfer auch ein Nagetier (lat. Glis glis) sowie eine Legende aus der christlichen Überlieferung.
Ursprung der Bauernregel
Die Bauernregel geht auf den Gedenktag der Sieben Schläfer von Ephesus zurück, einer christlichen Legende, in der sieben Gläubige angeblich 200 Jahre lang in einer Höhle schliefen. Im Volksglauben wurde dieser Tag zu einem Wetterprognosetag, der bis heute in der mitteleuropäischen Volkskunde lebendig ist.
Meteorologischer Hintergrund
Aus meteorologischer Sicht hat die Siebenschläfer-Regel eine gewisse wissenschaftliche Grundlage. Um den 27. Juni herum ändert sich in Mitteleuropa häufig die Großwetterlage. Wenn sich eine bestimmte atmosphärische Zirkulation – zum Beispiel ein stabiles Hochdruckgebiet – um diesen Zeitpunkt einpendelt, kann sie tatsächlich über mehrere Wochen bestehen bleiben. Studien des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben gezeigt, dass die Regel in etwa 60 % der Fälle zutrifft – also besser als ein Zufallstreffer, aber keine verlässliche Prognose.
Warum bleibt das Wetter oft stabil?
- Großräumige Hochdruckgebiete sind im Sommer oft langlebig.
- Die atmosphärische Zirkulation kann sich für Wochen in einem Muster festigen.
- Der Zeitraum Ende Juni markiert oft den Übergang zur stabilen Hochsommerlage.
Das Tier: Siebenschläfer (Glis glis)
Der Siebenschläfer ist auch ein kleines Nagetier aus der Familie der Bilche (Gliridae). Er ist bekannt für seinen außergewöhnlich langen Winterschlaf, der von Oktober bis Mai dauern kann – bis zu sieben Monate, woraus sich der Name ableitet. Das Tier ist in Europa weit verbreitet, nachtaktiv und ernährt sich hauptsächlich von Nüssen, Früchten und Samen.
Merkmale des Siebenschläfers als Tier
- Körperlänge: 13–19 cm, dazu ein buschiger Schwanz
- Gewicht: 70–180 g (vor dem Winterschlaf deutlich schwerer)
- Lebensraum: Laubwälder, Gärten, Häuser (oft lästig als Dachbewohner)
- Schutzstatus: in Deutschland nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt
Die Legende der Sieben Schläfer
Die christliche Überlieferung berichtet von sieben Jugendlichen aus Ephesus (heutige Türkei), die im 3. Jahrhundert n. Chr. vor der Christenverfolgung in eine Höhle flohen und dort wundersam einschliefen. Als sie nach angeblich 200 Jahren erwachten, fanden sie eine christliche Welt vor. Diese Legende ist sowohl im christlichen als auch im islamischen Glauben (Sure 18, Al-Kahf) verankert.
Quellen
- Deutscher Wetterdienst (DWD): Siebenschläfer-Regel – Klimatologische Auswertung. www.dwd.de
- Staudacher, A. & Bräutigam, S.: Volkskundliche Wetterregeln in Mitteleuropa. Handbuch der Meteorologie und Klimatologie, Springer Verlag, 2018.
- Boyle, E.: The Seven Sleepers of Ephesus in Medieval and Early Modern Tradition. Journal of Religious History, 2015.
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