Somatostatin – Hormon, Funktion & Anwendung
Somatostatin ist ein körpereigenes Hormon, das die Ausschüttung verschiedener Hormone hemmt. Es spielt eine zentrale Rolle in der Regulation von Wachstum, Verdauung und Stoffwechsel.
Wissenswertes über "Somatostatin"
Somatostatin ist ein körpereigenes Hormon, das die Ausschüttung verschiedener Hormone hemmt. Es spielt eine zentrale Rolle in der Regulation von Wachstum, Verdauung und Stoffwechsel.
Was ist Somatostatin?
Somatostatin ist ein körpereigenes Peptidhormon und Neurotransmitter, das in verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers produziert wird. Es gehört zur Gruppe der Hemmhormone und reguliert die Ausschüttung zahlreicher anderer Hormone. Der Name leitet sich vom griechischen Wort für Körper (soma) und dem lateinischen Begriff für Stehen (stasis) ab, was auf seine hemmende Wirkung hinweist.
Somatostatin existiert in zwei biologisch aktiven Formen: als Somatostatin-14 (14 Aminosäuren) und als Somatostatin-28 (28 Aminosäuren). Beide Formen binden an spezifische Rezeptoren (SSTR1 bis SSTR5) und entfalten dort ihre Wirkung.
Produktionsorte im Körper
Somatostatin wird in mehreren Organen und Geweben gebildet:
- Hypothalamus: Hier wird Somatostatin produziert und hemmt die Ausschüttung des Wachstumshormons (GH) aus der Hypophyse.
- Pankreas: Die Delta-Zellen der Langerhans-Inseln sezernieren Somatostatin, das die Ausschüttung von Insulin und Glukagon hemmt.
- Magen-Darm-Trakt: Im Magen und Dünndarm reguliert Somatostatin die Verdauungsfunktionen und hemmt die Magensäureproduktion.
- Zentrales Nervensystem: Als Neurotransmitter ist Somatostatin an der Signalweiterleitung im Gehirn beteiligt.
Wirkmechanismus
Somatostatin entfaltet seine Wirkung über spezifische G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (SSTR1–5). Die Bindung an diese Rezeptoren führt zur Hemmung der Adenylatcyclase, was den intrazellulären cAMP-Spiegel senkt. Darüber hinaus werden spannungsabhängige Kalziumkanäle gehemmt und Kaliumkanäle geöffnet, was die Zellaktivität insgesamt dämpft.
Biologische Funktionen
Somatostatin besitzt eine Vielzahl von Funktionen im menschlichen Organismus:
- Hemmung des Wachstumshormons (GH): Im Hypothalamus unterbricht Somatostatin die Freisetzung von GH aus der Hypophyse und reguliert damit das Körperwachstum.
- Hemmung von Insulin und Glukagon: Im Pankreas dämpft Somatostatin die Ausschüttung beider Hormone und trägt zur Blutzuckerregulation bei.
- Hemmung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH): Es beeinflusst die Schilddrüsenfunktion indirekt.
- Regulation der Verdauung: Es hemmt die Magensäureproduktion, die Darmperistaltik und die Ausschüttung von Verdauungsenzymen.
- Hemmung von Gastrin, Sekretin und Cholezystokinin: Diese Darmhormone werden ebenfalls durch Somatostatin beeinflusst.
Medizinische Bedeutung und Anwendung
Aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit von nur etwa 1–3 Minuten im Blut ist natürliches Somatostatin für die klinische Anwendung nur begrenzt geeignet. Stattdessen werden synthetische Analoga wie Octreotid, Lanreotid und Pasireotid eingesetzt, die eine deutlich längere Wirkdauer besitzen.
Einsatzgebiete in der Medizin
- Akromegalie: Bei dieser Erkrankung wird durch einen hypophysären Tumor zu viel Wachstumshormon ausgeschüttet. Somatostatin-Analoga hemmen die GH-Überproduktion wirksam.
- Karzinoide und neuroendokrine Tumoren (NET): Somatostatin-Analoga lindern Symptome wie Durchfälle und Flush-Reaktionen und können das Tumorwachstum hemmen.
- Gastrointestinale Blutungen: Somatostatin und seine Analoga werden bei Ösophagusvarizenblutungen und anderen gastrointestinalen Blutungen eingesetzt.
- Pankreatitis: Bei akuter Pankreatitis kann Somatostatin die Enzymproduktion hemmen und den Verlauf günstig beeinflussen.
- Diagnostik: Bei der Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie (auch Octreoscan genannt) werden radioaktiv markierte Somatostatin-Analoga genutzt, um neuroendokrine Tumoren im Körper bildgebend darzustellen.
Somatostatinom
Das Somatostatinom ist ein seltener neuroendokriner Tumor, der Somatostatin in übermäßigen Mengen produziert. Es entsteht meist im Pankreas oder im Dünndarm und verursacht durch den Hormonüberschuss typische Symptome wie Diabetes mellitus, Gallensteinen, Durchfall und Fettstuhl (Steatorrhö). Die Behandlung erfolgt chirurgisch und, wenn nötig, medikamentös.
Quellen
- Reichlin S. - Somatostatin. New England Journal of Medicine, 1983; 309(24): 1495–1501.
- Patel YC. - Somatostatin and its receptor family. Frontiers in Neuroendocrinology, 1999; 20(3): 157–198.
- Falconi M. et al. - ENETS Consensus Guidelines for the Management of Patients with Digestive Neuroendocrine Neoplasms. Neuroendocrinology, 2016; 103(2): 153–171.
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