Stratum corneum: Aufbau, Funktion und Bedeutung
Das Stratum corneum ist die äußerste Schicht der Haut. Es schützt den Körper vor Wasserverlust, Krankheitserregern und Umwelteinflüssen.
Wissenswertes über "Stratum corneum"
Das Stratum corneum ist die äußerste Schicht der Haut. Es schützt den Körper vor Wasserverlust, Krankheitserregern und Umwelteinflüssen.
Was ist das Stratum corneum?
Das Stratum corneum (lateinisch für „Hornschicht“) ist die oberste Schicht der Epidermis, also der äußeren Haut. Es besteht aus abgestorbenen, flachen Hautzellen, den sogenannten Korneozyten (Hornzellen), die in eine Lipidmatrix eingebettet sind. Diese Struktur wird oft mit einem Ziegelmauerwerk verglichen: Die Korneozyten bilden die „Ziegel“, die Lipide den „Mörtel“. Das Stratum corneum ist trotz seiner geringen Dicke von nur etwa 10 bis 20 Mikrometern eine der wichtigsten Schutzbarrieren des menschlichen Körpers.
Aufbau und Struktur
Das Stratum corneum ist das Endprodukt eines kontinuierlichen Differenzierungsprozesses der Keratinozyten, der lebendigen Hautzellen der Epidermis. Während diese Zellen von den tieferen Hautschichten nach oben wandern, verlieren sie ihren Zellkern und ihre Organellen und werden zu flachen, keratinreichen Korneozyten.
- Korneozyten: Flache, abgestorbene Zellen, die reich an dem Strukturprotein Keratin sind. Sie verleihen der Hornschicht mechanische Stabilität.
- Interzelluläre Lipide: Der Raum zwischen den Korneozyten ist mit einem Gemisch aus Ceramiden, Cholesterin und freien Fettsäuren gefüllt. Diese Lipide sind entscheidend für die Barrierefunktion und verhindern den Wasserverlust.
- Natürlicher Feuchtigkeitsfaktor (NMF): Im Inneren der Korneozyten befinden sich hygroskopische (wasserbindende) Substanzen wie Aminosäuren, Harnstoff und Milchsäure, die die Haut geschmeidig halten.
Funktionen des Stratum corneum
Das Stratum corneum erfüllt mehrere lebenswichtige Funktionen:
- Schutzbarriere: Es schützt den Organismus vor mechanischen Einwirkungen, chemischen Substanzen, UV-Strahlung und dem Eindringen von Krankheitserregern wie Bakterien, Viren und Pilzen.
- Regulierung des Wasserverlustes: Die Lipidmatrix verhindert den übermäßigen Wasserverlust durch die Haut (transepidermaler Wasserverlust, TEWL) und hält die Haut hydratisiert.
- Immunologische Schutzfunktion: Das Stratum corneum ist die erste Verteidigungslinie gegen Allergene und Pathogene und trägt so zur angeborenen Immunabwehr bei.
- Sensorische Funktion: Es ist an der Wahrnehmung von Berührungs- und Schmerzreizen beteiligt.
Erneuerung und Abschuppung
Das Stratum corneum erneuert sich kontinuierlich. Die äußersten Korneozyten werden ständig durch einen Prozess namens Desquamation (Abschuppung) abgestoßen und durch neue Zellen aus den tieferen Hautschichten ersetzt. Der gesamte Erneuerungszyklus dauert beim Erwachsenen etwa 14 bis 28 Tage. Dieser Prozess wird durch Enzyme (sogenannte Serinproteasen) gesteuert, die die Verbindungen zwischen den Korneozyten lösen.
Klinische Bedeutung: Erkrankungen des Stratum corneum
Eine gestörte Barrierefunktion des Stratum corneum ist mit zahlreichen Hauterkrankungen assoziiert:
- Atopische Dermatitis (Neurodermitis): Eine Erkrankung, die häufig mit Mutationen im Filaggrin-Gen assoziiert ist. Filaggrin ist ein Protein, das für die Bildung des NMF benötigt wird. Ein Mangel führt zu einer gestörten Barriere, trockener Haut und erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Allergenen.
- Psoriasis (Schuppenflechte): Eine chronische Entzündungserkrankung, bei der die Hauterneuerung stark beschleunigt ist, was zu einer verdickten, schuppigen Hornschicht führt.
- Ichthyosen: Eine Gruppe genetisch bedingter Erkrankungen, die durch eine gestörte Verhornung und starke Schuppung der Haut gekennzeichnet sind.
- Kontaktdermatitis: Allergene und Reizstoffe, die die Lipidbarriere des Stratum corneum überwinden, können Entzündungsreaktionen auslösen.
- Trockene Haut (Xerosis cutis): Ein Mangel an Lipiden oder NMF-Substanzen im Stratum corneum führt zu spöder, trockener und juckender Haut.
Bedeutung in der Dermatologie und Kosmetik
In der Dermatologie und Kosmetologie ist das Stratum corneum von zentraler Bedeutung. Viele topische Wirkstoffe, also auf die Haut aufgetragene Medikamente und Pflegeprodukte, müssen die Hornschicht überwinden oder in ihr wirken. Die perkutane Absorption (Aufnahme durch die Haut) wird maßgeblich von den Eigenschaften des Stratum corneum bestimmt. Emollientien, Ceramide und Feuchthaltemittel wie Glycerin oder Hyaluronsäure werden eingesetzt, um die Barrierefunktion zu unterstützen und wiederherzustellen.
Quellen
- Proksch E, Brandner JM, Jensen JM. The skin: an indispensable barrier. Experimental Dermatology, 2008;17(12):1063-1072. Verfügbar über PubMed.
- Elias PM. Stratum corneum defensive functions: an integrated view. Journal of Investigative Dermatology, 2005;125(2):183-200. Verfügbar über PubMed.
- Moll I. Duale Reihe Dermatologie. 8. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2016.
Verwandte Produkte
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®
Für Deinen universellen Schutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Proteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems