Succinat: Funktion, Stoffwechsel & Bedeutung
Succinat ist ein zentrales Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels und spielt eine Schlüsselrolle im Citratzyklus jeder menschlichen Zelle.
Wissenswertes über "Succinat"
Succinat ist ein zentrales Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels und spielt eine Schlüsselrolle im Citratzyklus jeder menschlichen Zelle.
Was ist Succinat?
Succinat (auch als Bernsteinsäuresalz bekannt) ist das Anion der Bernsteinsäure und ein bedeutendes Molekül im menschlichen Stoffwechsel. Es entsteht natürlicherweise im Körper als Zwischenprodukt des Citratzyklus (auch Krebszyklus genannt), der in den Mitochondrien – den Kraftwerken der Zellen – abläuft. Darüber hinaus fungiert Succinat als intrazelluäres Signalmolekül und besitzt eine Reihe physiologischer sowie pharmakologischer Eigenschaften.
Biochemische Funktion und Wirkmechanismus
Im Citratzyklus entsteht Succinat aus Succinyl-CoA durch das Enzym Succinyl-CoA-Synthetase. Anschließend wird Succinat durch das Enzym Succinat-Dehydrogenase (Komplex II der Atmungskette) zu Fumarat oxidiert. Dabei werden Elektronen auf den Elektronenträger FAD übertragen, was zur ATP-Synthese – also zur Energiegewinnung der Zelle – beiträgt.
Succinat erfüllt darüber hinaus wichtige Signalfunktionen:
- Immunmodulation: Succinat aktiviert den G-Protein-gekoppelten Rezeptor SUCNR1 (GPR91) auf Immunzellen, insbesondere auf dendritischen Zellen und Makrophagen, und fördert Entzündungsreaktionen.
- HIF-1α-Stabilisierung: Erhöhte Succinat-Spiegel hemmen Prolyl-Hydroxylasen, was zur Stabilisierung des Hypoxie-induzierbaren Faktors 1-alpha (HIF-1α) führt – einem Transkriptionsfaktor, der bei Sauerstoffmangel und Entzündungen eine zentrale Rolle spielt.
- Epigenetische Regulation: Succinat kann als Substrat für die Succinylierung von Proteinen dienen und so die Genexpression beeinflussen.
Vorkommen und Quellen
Succinat kommt natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor, darunter:
- Reifer Käse (z. B. Parmesan, Gouda)
- Wein und Bier (als Produkt der Fermentation)
- Bestimmte Gemüsesorten wie Brokkoli und Rüben
- Fleisch und Fisch
Im Körper wird Succinat kontinuierlich durch den Citratzyklus produziert und verbraucht. Ein Überschuss kann in das Blut abgegeben werden und als Signalmolekül wirken.
Medizinische Bedeutung und klinische Relevanz
Succinat bei Entzündungserkrankungen
Erhöhte Succinat-Spiegel im Blut und in Geweben wurden bei verschiedenen entzündlichen Erkrankungen nachgewiesen, darunter rheumatoide Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen und Sepsis. In diesen Zuständen wirkt Succinat als pro-inflammatorisches Signal, das die Ausschüttung von Zytokinen wie Interleukin-1β (IL-1β) verstärkt.
Succinat bei Krebs
Mutationen in Genen, die für Untereinheiten der Succinat-Dehydrogenase (SDH) kodieren, führen zu einer Anreicherung von Succinat in der Zelle. Dies kann zur Entstehung bestimmter Tumoren beitragen, insbesondere von Paragangliomen, Phäochromozytomen und bestimmten gastrointestinalen Stromatumoren (GIST). Succinat gilt in diesem Kontext als sogenanntes Onkometabolit.
Succinat bei Ischämie und Reperfusionsschaden
Während eines Sauerstoffmangels (Ischämie), etwa bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, akkumuliert Succinat in den betroffenen Geweben. Bei der Wiederherstellung der Blutversorgung (Reperfusion) wird dieses angesammelte Succinat rasch oxidiert, was zur Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) und damit zu einem sogenannten Reperfusionsschaden führt. Die gezielte Hemmung dieses Prozesses ist Gegenstand aktueller Forschung.
Therapeutische und pharmakologische Anwendungen
Succinat und seine Derivate werden in verschiedenen medizinischen und pharmazeutischen Kontexten eingesetzt:
- Succinat als Arzneimittelträger: Viele Medikamente werden als Succinatsalze formuliert, um ihre Löslichkeit, Stabilität und Bioverfügbarkeit zu verbessern (z. B. Metoprolol-Succinat, Solifenacin-Succinat).
- Antioxidative Eigenschaften: In einigen Ländern (insbesondere in Osteuropa) wird Succinat als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln und Infusionslösungen zur Unterstützung des Energiestoffwechsels und als antioxidative Substanz eingesetzt.
- Lebensmittelzusatzstoff: Succinat bzw. Bernsteinsäure ist als Lebensmittelzusatzstoff (E363) zugelassen und wird als Säuerungsmittel verwendet.
Sicherheit und Verträglichkeit
In physiologischen Mengen ist Succinat eine körpereigene und gut verträgliche Substanz. Als Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittelzusatzstoff gilt es bei üblicher Dosierung als sicher. Bei therapeutischer Anwendung sollte die Einnahme ärztlich begleitet werden, da erhöhte Succinat-Spiegel im Zusammenhang mit Entzündungsförderung und onkologischen Veränderungen stehen können.
Quellen
- Mills E, O'Neill L.A.J. - Succinate: A metabolic signal in inflammation. Trends in Cell Biology, 2014; 24(5): 313-320.
- Chouchani E.T. et al. - Ischaemic accumulation of succinate controls reperfusion injury through mitochondrial ROS. Nature, 2014; 515: 431-435.
- Baysal B.E. et al. - Mutations in SDHD, a mitochondrial complex II gene, in hereditary paraganglioma. Science, 2000; 287(5454): 848-851.
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