Synovialflüssigkeit – Funktion, Zusammensetzung & Erkrankungen
Die Synovialflüssigkeit ist eine visköse Gelenkflüssigkeit, die Gelenke schmiert, Knörpel nährt und Stöße dämpft. Veränderungen können auf Gelenkerkrankungen hinweisen.
Wissenswertes über "Synovialflüssigkeit"
Die Synovialflüssigkeit ist eine visköse Gelenkflüssigkeit, die Gelenke schmiert, Knörpel nährt und Stöße dämpft. Veränderungen können auf Gelenkerkrankungen hinweisen.
Was ist Synovialflüssigkeit?
Die Synovialflüssigkeit (auch Synovia oder Gelenkflüssigkeit genannt) ist eine klare bis leicht gelbliche, zähflüssige Flüssigkeit, die sich in den Gelenkkapseln der beweglichen Gelenke des menschlichen Körpers befindet. Sie wird von der Synovialmembran – der inneren Auskleidung der Gelenkkapsel – produziert und spielt eine zentrale Rolle für die Funktion und Gesundheit der Gelenke.
Funktionen der Synovialflüssigkeit
Die Synovialflüssigkeit übernimmt im Gelenk mehrere lebenswichtige Aufgaben:
- Schmierung: Sie reduziert die Reibung zwischen den Gelenkflächen und ermöglicht so reibungslose Bewegungen.
- Nährstoffversorgung: Da der Gelenkknorpel keine eigene Blutversorgung besitzt, erhält er Sauerstoff und Nährstoffe über die Synovialflüssigkeit.
- Stossдämpfung: Die visköse Konsistenz der Flüssigkeit hilft, mechanische Belastungen abzufangen und zu verteilen.
- Abtransport von Stoffwechselprodukten: Abfallstoffe aus dem Knorpelstoffwechsel werden über die Synovia abtransportiert.
- Immunabwehr: Sie enthält bestimmte Immunzellen und Proteine, die zum Schutz des Gelenks beitragen.
Zusammensetzung
Die Synovialflüssigkeit setzt sich hauptsächlich aus einem Ultrafiltrat des Blutplasmas sowie aus Molekülen zusammen, die von den Zellen der Synovialmembran sezerniert werden. Zu den wichtigsten Bestandteilen zählen:
- Hyaluronsäure: Ein Glykosaminglykan, das für die hohe Viskosität und Schmierfunktion der Flüssigkeit verantwortlich ist.
- Lubricin (Proteoglykan 4): Ein Glykoprotein, das zusätzlich zur Gelenkschmierung beiträgt.
- Proteine: Albumin, Globuline und Enzyme in geringer Konzentration.
- Synovialozyten: Zellen der Synovialmembran, die in der Flüssigkeit vorhanden sein können.
- Elektrolyte und Glukose: Zur Versorgung des Knorpelgewebes.
Klinische Bedeutung und Veränderungen
Veränderungen in der Menge, Farbe, Konsistenz oder Zusammensetzung der Synovialflüssigkeit können auf verschiedene Gelenkerkrankungen hinweisen. Ein erhöhtes Volumen (sogenannter Gelenkerguss) ist häufig ein Zeichen für Entzündung oder Verletzung.
Häufige Erkrankungen mit veränderter Synovia
- Arthrose: Die Viskosität der Synovialflüssigkeit nimmt ab, da der Hyaluronsäuregehalt sinkt.
- Rheumatoide Arthritis: Die Flüssigkeit enthält erhöhte Mengen an Entzündungszellen (Leukozyten) und Entzündungsmediatoren.
- Gicht: Ablagerung von Harnsäurekristallen (Natriumuratkristalle) in der Synovialflüssigkeit.
- Pseudogicht (Chondrokalzinose): Ablagerung von Kalziumpyrophosphatkristallen.
- Septische Arthritis: Bakterielle Infektion des Gelenks, die zu einer trüben, eitrigen Synovialflüssigkeit führt.
Diagnose: Gelenkpunktion (Arthrozentese)
Zur Analyse der Synovialflüssigkeit wird eine Gelenkpunktion (Arthrozentese) durchgeführt. Dabei wird mit einer feinen Nadel Flüssigkeit aus dem Gelenk entnommen und labordiagnostisch untersucht. Folgende Parameter werden typischerweise bestimmt:
- Farbe und Transparenz
- Viskosität
- Zellzahl (Leukozyten, Erythrozyten)
- Kristallanalyse (Polarisationsmikroskopie)
- Bakterienkultur (bei Verdacht auf Infektion)
- Proteingehalt und Glukose
Therapeutische Nutzung
Die Synovialflüssigkeit bzw. ihre Zusammensetzung ist auch therapeutisch relevant. So wird zum Beispiel Hyaluronsäure als Injektionspräparat in belastete Gelenke (besonders das Kniegelenk) gespritzt, um die Viskosität zu verbessern und Schmerzen bei Arthrose zu lindern (sogenannte Viskosupplementation). Zudem werden Kortikosteroide direkt in das Gelenk injiziert, um Entzündungen zu dämpfen.
Quellen
- Buckwalter JA, Mankin HJ, Grodzinsky AJ. Articular cartilage and osteoarthritis. Instructional Course Lectures, 2005; 54: 465–480.
- World Health Organization (WHO). Chronic rheumatic conditions. WHO Fact Sheet. Verfügbar unter: https://www.who.int/chp/topics/rheumatic/en/
- Gatter RA, Schumacher HR. A Practical Handbook of Joint Fluid Analysis. 2. Auflage. Lea & Febiger, Philadelphia, 1991.
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