Tendinosis calcarea – Kalkschulter: Ursachen & Therapie
Die Tendinosis calcarea ist eine Erkrankung der Schultersehne, bei der sich Kalkablagerungen bilden und starke Schmerzen verursachen können.
Wissenswertes über "Tendinosis calcarea"
Die Tendinosis calcarea ist eine Erkrankung der Schultersehne, bei der sich Kalkablagerungen bilden und starke Schmerzen verursachen können.
Was ist die Tendinosis calcarea?
Die Tendinosis calcarea (auch Tendinitis calcarea oder Kalkschulter genannt) ist eine Erkrankung, bei der sich Kalziumkristalle in den Sehnen der Schulter ablagern. Am häufigsten ist die Supraspinatussehne betroffen, eine der vier Sehnen der sogenannten Rotatorenmanschette. Die Erkrankung kann akute, sehr intensive Schmerzen oder auch chronische, dumpfe Beschwerden verursachen. Sie zählt zu den häufigsten Ursachen von Schulterschmerzen im Erwachsenenalter.
Ursachen
Die genaue Ursache der Tendinosis calcarea ist noch nicht vollständig geklärt. Als mögliche Auslöser und Risikofaktoren gelten:
- Durchblutungsstörungen im Sehnengewebe, die zu einer lokalen Gewebsveränderung führen
- Mechanische Überlastung der Schulter durch repetitive Bewegungen oder schwere körperliche Arbeit
- Degenerative Veränderungen des Sehnengewebes im Rahmen des Alterungsprozesses
- Stoffwechselstörungen, z. B. Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes mellitus
- Genetische Veranlagung
Die Kalkablagerungen entstehen in mehreren Phasen: Zunächst wird das Sehnengewebe in einen knorpelähnlichen Zustand umgebaut, dann bilden sich Kalziumkristalle, und schließlich werden diese wieder abgebaut – oft mit einer ausgeprägten Schmerzreaktion.
Symptome
Die Beschwerden der Tendinosis calcarea können je nach Phase der Erkrankung stark variieren:
- Akute Phase: Plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen in der Schulter, die in den Arm ausstrahlen können. Selbst leichte Berührungen oder geringe Bewegungen sind kaum auszuhalten.
- Chronische Phase: Dauerhafter, dumpfer Schulterschmerz, der sich bei bestimmten Bewegungen verstärkt, insbesondere beim Heben des Arms.
- Bewegungseinschränkung: Die Schulter kann in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sein.
- Nachtschmerz: Schmerzen können nachts zunehmen und den Schlaf stören.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch folgende Untersuchungen gestellt:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt prüft Schmerzhaftigkeit, Bewegungsumfang und Kraft der Schulter.
- Röntgenaufnahme: Kalkablagerungen sind auf einem Röntgenbild gut sichtbar und ermöglichen eine schnelle Diagnose.
- Ultraschall (Sonographie): Ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Sehne und der Kalkdepots sowie deren Größe und Konsistenz.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Wird eingesetzt, um Begleitverletzungen wie Sehnenrisse oder Schleimbeutelentzündungen auszuschließen.
Behandlung
Konservative Therapie
In den meisten Fällen kann die Tendinosis calcarea konservativ, also ohne Operation, behandelt werden:
- Schmerzmittel und Entzündungshemmer: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac lindern Schmerzen und Entzündung.
- Kortison-Injektionen: Gezielt in den Schleimbeutel oder das Schultergelenk gespritzt, können sie akute Schmerzen rasch lindern.
- Physiotherapie: Kräftigungsübungen und manuelle Therapie verbessern die Schulterfunktion und beugen Rückfällen vor.
- Extrakorporale Stosswellentherapie (ESWT): Schallwellen werden von außen auf das Kalkdepot gerichtet, um es aufzulockern und den Abbau zu fördern. Gilt als wirksame, nicht-invasive Methode.
- Ultraschall-geführte Kalkaspiration (Lavage): Mit einer Nadel wird unter Ultraschallkontrolle Kalk aus der Sehne herausgespült.
Operative Therapie
Wenn konservative Maßnahmen über mehrere Monate keinen ausreichenden Erfolg zeigen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Im Rahmen einer Arthroskopie (Schultergelenkspiegelung) wird das Kalkdepot minimalinvasiv entfernt. Der Eingriff ist in der Regel sehr erfolgreich.
Prognose
Die Prognose der Tendinosis calcarea ist insgesamt gut. Bei vielen Betroffenen bilden sich die Kalkablagerungen im Laufe der Zeit von selbst zurück. Mit geeigneter Behandlung können die meisten Patienten ihre volle Schulterfunktion wiedererlangen. Frühzeitige physiotherapeutische Behandlung und konsequente Durchführung der empfohlenen Übungen verbessern die Heilungsaussichten erheblich.
Quellen
- Gartner J, Heyer A. Calcific tendinitis of the shoulder. Orthopade. 1995;24(3):284-302.
- Johansson K et al. Efficacy and safety of extracorporeal shock wave therapy for calcific tendinitis of the shoulder. Acta Orthopaedica. 2016;87(5):504-509.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Leitlinie Tendinosis calcarea der Schulter. 2021. URL: https://www.awmf.org
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