Thioredoxin – Funktion, Bedeutung & klinische Relevanz
Thioredoxin ist ein kleines körpereigenes Protein, das als wichtiges Antioxidans wirkt und Zellen vor oxidativem Stress schützt.
Wissenswertes über "Thioredoxin"
Thioredoxin ist ein kleines körpereigenes Protein, das als wichtiges Antioxidans wirkt und Zellen vor oxidativem Stress schützt.
Was ist Thioredoxin?
Thioredoxin (abgekürzt TRX) ist ein kleines, hochkonserviertes Protein, das in nahezu allen lebenden Organismen vorkommt – von Bakterien bis zum Menschen. Es gehört zur Familie der Thiol-Disulfid-Oxidoreduktasen und spielt eine zentrale Rolle im zellulären Redox-Gleichgewicht. Das Protein besteht beim Menschen aus 105 Aminosäuren und enthält ein charakteristisches aktives Zentrum mit zwei Cysteinresten, die für seine reduzierende Wirkung verantwortlich sind.
Wirkmechanismus
Das aktive Zentrum von Thioredoxin enthält das konservierte Sequenzmotiv Cys-Gly-Pro-Cys. Über diese beiden Cysteinreste kann Thioredoxin Disulfidbrücken in anderen Proteinen reduzieren, also aufbrechen. Dabei wird Thioredoxin selbst oxidiert und muss anschließend durch das Enzym Thioredoxinreduktase (TrxR) unter Verbrauch von NADPH regeneriert werden. Dieser Kreislauf wird als Thioredoxin-System bezeichnet.
- Thioredoxin reduziert oxidierte Proteine und stellt ihre Funktion wieder her.
- Es neutralisiert reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und wirkt so als Antioxidans.
- Es ist ein Kofaktor für wichtige Enzyme wie Ribonukleotidreduktase und Peroxiredoxine.
Biologische Funktionen
Thioredoxin übernimmt im menschlichen Körper eine Vielzahl lebenswichtiger Aufgaben:
Zellschutz und Antioxidans
Thioredoxin schützt Zellen vor oxidativem Stress, der durch freie Radikale und reaktive Sauerstoffspezies entsteht. Es arbeitet eng mit Peroxiredoxinen zusammen, die Wasserstoffperoxid und organische Peroxide abbauen.
DNA-Synthese und Reparatur
Als Kofaktor der Ribonukleotidreduktase ist Thioredoxin unentbehrlich für die Bereitstellung von Desoxyribonukleotiden, den Bausteinen der DNA. Es unterstützt damit die Zellproliferation und DNA-Reparaturmechanismen.
Regulation der Apoptose
Thioredoxin beeinflusst programmierte Zelltod-Prozesse (Apoptose), indem es mit dem Protein ASK1 (Apoptosis Signal-regulating Kinase 1) interagiert. Im reduzierten Zustand hemmt Thioredoxin ASK1 und schränkt so die Einleitung der Apoptose ein.
Immunmodulation und Entzündungsregulation
Thioredoxin wird bei Entzündungsreaktionen und Infektionen verstärkt ausgeschüttet. Es moduliert die Aktivität von Transkriptionsfaktoren wie NF-κB und beeinflusst so die Produktion von Zytokinen und Entzündungsmediatoren.
Thioredoxin-Isoformen
Im menschlichen Organismus existieren zwei Hauptisoformen von Thioredoxin:
- Thioredoxin-1 (TRX-1): Befindet sich hauptsächlich im Zytoplasma und Zellkern. Es ist die am besten erforschte Form und spielt eine Schlüsselrolle bei der Redox-Signaltransduktion.
- Thioredoxin-2 (TRX-2): Ist ausschließlich in den Mitochondrien lokalisiert und schützt diese vor oxidativem Stress. Es ist essenziell für die mitochondriale Funktion und die Regulation der mitochondrialen Apoptose.
Klinische Bedeutung
Veränderte Thioredoxin-Spiegel wurden mit zahlreichen Erkrankungen in Verbindung gebracht:
Krebs
In vielen Tumorarten sind die Thioredoxin-Spiegel erhöht. Dies wird mit der Fähigkeit von Krebszellen in Verbindung gebracht, oxidativem Stress standzuhalten und Apoptose zu umgehen. Das Thioredoxin-System gilt daher als potenzielles therapeutisches Ziel in der Onkologie. Wirkstoffe wie PX-12 und Auranofin werden als Hemmstoffe des Thioredoxin-Systems erforscht.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Thioredoxin schützt Herzmuskelzellen vor ischämischem Schaden und Reperfusionsverletzungen. Erhöhte TRX-Spiegel im Blut können als Marker für oxidativen Stress bei Herzerkrankungen dienen.
Neurodegenerative Erkrankungen
Bei Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson spielt oxidativer Stress eine zentrale Rolle. Thioredoxin-2 ist besonders wichtig für den Schutz von Neuronen in den Mitochondrien.
Entzündliche Erkrankungen
Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Asthma bronchiale wurden erhöhte Thioredoxin-Konzentrationen im Gewebe und im Blut gemessen.
Thioredoxin als Biomarker
Thioredoxin kann im Blutserum gemessen werden und dient als Biomarker für oxidativen Stress. Erhöhte Serumspiegel werden bei verschiedenen Erkrankungen beobachtet, darunter HIV-Infektionen, Sepsis, Herzinsuffizienz und Autoimmunerkrankungen. Die Messung kann diagnostische und prognostische Informationen liefern.
Quellen
- Arnér, E.S.J. & Holmgren, A. (2000). Physiological functions of thioredoxin and thioredoxin reductase. European Journal of Biochemistry, 267(20), 6102–6109.
- Lu, J. & Holmgren, A. (2014). The thioredoxin antioxidant system. Free Radical Biology and Medicine, 66, 75–87.
- Powis, G. & Montfort, W.R. (2001). Properties and biological activities of thioredoxins. Annual Review of Biophysics and Biomolecular Structure, 30, 421–455.
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