Tibiakopffraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Tibiakopffraktur ist ein Knochenbruch am oberen Ende des Schienbeins. Sie betrifft das Kniegelenk und erfordert oft eine chirurgische Behandlung.
Wissenswertes über "Tibiakopffraktur"
Die Tibiakopffraktur ist ein Knochenbruch am oberen Ende des Schienbeins. Sie betrifft das Kniegelenk und erfordert oft eine chirurgische Behandlung.
Was ist eine Tibiakopffraktur?
Die Tibiakopffraktur (auch Tibiaplateau-Fraktur oder Schienbeinkopffraktur genannt) ist ein Knochenbruch am oberen Ende des Schienbeins (Tibia), direkt unterhalb des Kniegelenks. Das sogenannte Tibiaplateau – die flache, gelenktragende Oberfläche des Schienbeins – ist hierbei betroffen. Da dieser Bereich einen wesentlichen Teil des Kniegelenks bildet, kann eine solche Fraktur die Stabilität und Funktion des Knies erheblich beeinträchtigen.
Ursachen
Tibiakopffrakturen entstehen in der Regel durch starke Krafteinwirkung auf das Kniegelenk. Häufige Ursachen sind:
- Verkehrsunfälle (z. B. Aufprall des Kniegelenks beim Autounfall)
- Stürze aus großer Höhe
- Sportunfälle (z. B. beim Ski- oder Fußballsport)
- Direkter Aufprall auf das Kniegelenk
- Osteoporose: Bei älteren Menschen kann bereits ein geringfügiges Trauma zu einer Fraktur führen, wenn die Knochendichte vermindert ist.
Klassifikation
Die Tibiakopffraktur wird häufig nach der Schatzker-Klassifikation eingeteilt, die sechs Typen unterscheidet:
- Typ I: Reine Spaltfraktur des lateralen Tibiaplateaus
- Typ II: Spalt- und Impressionsfraktur des lateralen Tibiaplateaus
- Typ III: Reine Impressionsfraktur des lateralen Tibiaplateaus
- Typ IV: Fraktur des medialen Tibiaplateaus
- Typ V: Bikondyläre Fraktur (beide Gelenkflächen betroffen)
- Typ VI: Bikondyläre Fraktur mit Dissoziation von Metaphyse und Diaphyse
Je höher der Schatzker-Typ, desto schwerwiegender ist in der Regel die Verletzung.
Symptome
Typische Zeichen einer Tibiakopffraktur sind:
- Starke Schmerzen im Kniegelenk und am Unterschenkel
- Schwellung und Bluterguss (Hämatom) im Kniebereich
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Kniegelenks
- Belastungsunfähigkeit des betroffenen Beins
- Mögliche Achsfehlstellung des Knies (Varus- oder Valgusfehlstellung)
- In schweren Fällen: Gefäß- oder Nervenverletzungen mit Taubheitsgefühl oder Durchblutungsstörungen
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Röntgenaufnahme: Erste Bildgebung zur Erkennung der Fraktur
- Computertomographie (CT): Genaue Darstellung der Frakturform, -ausmaße und Fragmentstellung – essenziell für die OP-Planung
- Magnetresonanztomographie (MRT): Beurteilung von Begleitverletzungen wie Kreuzband-, Meniskus- oder Knorpelschäden
- Gefäßuntersuchung (Angiographie): Bei Verdacht auf Gefäßbeteiligung
Behandlung
Konservative Therapie
Bei nicht-verschobenen oder minimal-verschobenen Frakturen ohne Gelenkinstabilität kann eine konservative Behandlung erfolgen. Diese umfasst:
- Ruhigstellung und Entlastung des Beins (Geh-Hilfen, Orthese)
- Physiotherapie zur Wiederherstellung der Beweglichkeit und Muskelkraft
- Regelmäßige röntgenologische Kontrollen
Operative Therapie
Die meisten Tibiakopffrakturen erfordern eine operative Versorgung, um die Gelenkfläche wiederherzustellen und eine stabile Heilung zu ermöglichen. Operative Verfahren umfassen:
- Schraubenosteosynthese: Fixierung von Fragmenten mit Schrauben
- Plattenosteosynthese: Stabilisierung mit Metallplatten und Schrauben (z. B. winkelstabile Platten)
- Arthroskopisch gestützte Reposition: Minimalinvasive Technik zur Gelenkflächenrekonstruktion
- Knochen- oder Knochenzementersatz: Bei Impressionsfrakturen zur Auffüllung von Knochenlücken
Rehabilitation
Die Nachbehandlung ist entscheidend für das funktionelle Ergebnis. Sie beinhaltet:
- Stufenweise Belastungssteigerung nach ärztlicher Vorgabe
- Physiotherapie zur Mobilisierung, Kräftigung und Gangschule
- In einigen Fällen kontinuierliche passive Bewegungstherapie (CPM-Gerät)
- Dauer der Rehabilitation: mehrere Monate bis zur vollständigen Belastbarkeit
Komplikationen
Mögliche Komplikationen einer Tibiakopffraktur sind:
- Posttraumatische Arthrose des Kniegelenks
- Kompartmentsyndrom (Druckerhöhung im Muskelkompartiment)
- Thrombose oder Lungenembolie
- Wundinfektionen oder Implantatversagen nach Operation
- Achsfehlstellungen oder Gelenkinstabilität
Quellen
- Schatzker J, McBroom R, Bruce D. The tibial plateau fracture: the Toronto experience 1968–1975. Clinical Orthopaedics and Related Research, 138:94–104, 1979.
- Wasserstein D, Henry P, Paterson JM et al. Risk of total knee arthroplasty after operatively treated tibial plateau fracture. Journal of Bone and Joint Surgery, 96(2):144–150, 2014.
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU): S2k-Leitlinie – Versorgung von Frakturen des proximalen Unterschenkels. AWMF-Register Nr. 012-028, 2023.
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