Tibiaplateaufraktur – Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Tibiaplateaufraktur ist ein Knochenbruch am oberen Ende des Schienbeins. Sie betrifft die Gelenkfläche des Kniegelenks und erfordert oft eine operative Behandlung.
Wissenswertes über "Tibiaplateaufraktur"
Die Tibiaplateaufraktur ist ein Knochenbruch am oberen Ende des Schienbeins. Sie betrifft die Gelenkfläche des Kniegelenks und erfordert oft eine operative Behandlung.
Was ist eine Tibiaplateaufraktur?
Die Tibiaplateaufraktur (auch Schienbeinkopffraktur oder Tibiakopffraktur genannt) ist ein Knochenbruch, der das obere Ende des Schienbeins (Tibia) betrifft. Dieses obere Ende – das sogenannte Tibiaplateau – bildet den unteren Anteil des Kniegelenks und trägt erheblich zur Stabilität und Funktion des Knies bei. Frakturen in diesem Bereich sind schwerwiegende Verletzungen, da sie direkt die Gelenkfläche betreffen und ohne angemessene Behandlung zu dauerhaften Funktionseinschränkungen führen können.
Ursachen
Tibiaplateaufrakturen entstehen meist durch starke, direkte oder indirekte Krafteinwirkungen auf das Kniegelenk. Häufige Ursachen sind:
- Verkehrsunfälle: Besonders Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Fußgängern oder Radfahrern
- Sturz aus großer Höhe: Beim Aufprall auf den Boden wirken enorme Druckkräfte auf das Kniegelenk ein
- Sportunfälle: Zum Beispiel beim Skifahren, Fußball oder anderen Kontaktsportarten
- Osteoporose: Bei vorgeschwächtem Knochen können auch geringere Kräfte eine Fraktur verursachen
Je nach Kraftrichtung und Stärke entstehen unterschiedliche Bruchmuster. Die internationale Klassifikation erfolgt häufig nach Schatzker (Typ I bis VI), die den Schweregrad und das Muster der Fraktur beschreibt.
Symptome
Die typischen Beschwerden einer Tibiaplateaufraktur umfassen:
- Starke Schmerzen im Kniebereich, die sich bei Belastung verstärken
- Schwellung und Bluterguss (Hämatom) rund ums Knie
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Kniegelenks
- Instabilität des Knies – das Gefühl, das Knie gibt nach
- Fehlstellung des Beines (bei schweren Frakturen)
- Gelegentlich Taubheitsgefühl oder Kribbeln, wenn Nerven oder Gefäße betroffen sind
Diagnose
Die Diagnose einer Tibiaplateaufraktur erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Röntgenaufnahme: Erste Maßnahme zur Beurteilung des Knochenbruchs
- Computertomographie (CT): Ermöglicht eine detaillierte dreidimensionale Darstellung des Bruchmusters und ist essenziell für die Operationsplanung
- Magnetresonanztomographie (MRT): Wird eingesetzt, um Begleitverletzungen wie Meniskusrisse, Bänderschäden oder Knorpelschäden zu beurteilen
- Gefäßuntersuchung (Angiographie): Bei Verdacht auf Gefäßverletzungen
Behandlung
Konservative Behandlung
Bei stabilen Frakturen ohne wesentliche Stufenbildung an der Gelenkfläche kann eine nicht-operative Behandlung in Betracht gezogen werden. Diese umfasst:
- Ruhigstellung des Knies mit einer Orthese oder Gipsschiene
- Entlastung des Beines mit Unterarmgehstützen für mehrere Wochen
- Physiotherapie zur Erhaltung der Beweglichkeit und Muskelkräftigung
- Schmerztherapie mit geeigneten Medikamenten
Operative Behandlung
Die meisten Tibiaplateaufrakturen erfordern eine Operation, besonders bei Stufenbildung an der Gelenkfläche, Instabilität oder Begleitverletzungen. Operative Verfahren sind:
- Offene Reposition und interne Fixation (ORIF): Die Knochen werden in die richtige Position gebracht und mit Platten und Schrauben fixiert
- Arthroskopisch assistierte Chirurgie: Bei bestimmten Frakturtypen kann eine minimalinvasive Technik eingesetzt werden
- Knochen-Transplantation: Bei Knochenverlust kann Knochenersatzmaterial verwendet werden
- Kniegelenksersatz (Endoprothese): In schweren Fällen oder bei primär oder sekundär eintretender Arthrose kann ein künstliches Kniegelenk notwendig werden
Rehabilitation
Die Nachbehandlung ist ein wesentlicher Bestandteil der Genesung. Sie umfasst intensive Physiotherapie, schrittweise Belastungssteigerung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Die vollständige Erholung kann je nach Schweregrad der Fraktur und Begleitverletzungen 6 bis 18 Monate dauern.
Mögliche Komplikationen
Zu den möglichen Komplikationen gehören:
- Arthrose des Kniegelenks als Spätfolge
- Tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie
- Wundheilungsstörungen oder Infektionen nach operativer Versorgung
- Achsenfehlstellung des Beines
- Dauerhafter Beweglichkeitsverlust im Kniegelenk
- Kompartmentsyndrom: Gefährliche Drucksteigerung im Muskel-Faszien-Raum, die eine Notfalloperation erfordert
Quellen
- Schatzker J, McBroom R, Bruce D. The tibial plateau fracture: the Toronto experience 1968-1975. Clinical Orthopaedics and Related Research. 1979;138:94-104.
- Papagelopoulos PJ, Partsinevelos AA, Themistocleous GS, et al. Complications after tibia plateau fracture surgery. Injury. 2006;37(6):475-484.
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). S2k-Leitlinie: Versorgung von Tibiaplateau-Frakturen. AWMF-Registernummer 012-001 (2020).
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